Zusammenspannen im Forst

Ringgenberg

Die Gemeinde Ringgenberg und vier Burgergemeinden wollen für Pflege und Nutzung ihrer Wälder zusammenspannen. Am Infoabend wurde rege diskutiert.

Grosse Holzschläge würden wie bisher an Forstunternehmer vergeben. (Symboldbild)

Grosse Holzschläge würden wie bisher an Forstunternehmer vergeben. (Symboldbild)

(Bild: Sabina Bobst)

«90 Prozent unseres Gemeindewalds sind Schutzwald, beim Burgerwald sind es sogar 100 Prozent», sagte die Ringgenberger Gemeinderätin Iris Wittwer am Infoabend über das Projekt «Forstbetriebs-Gemeinschaft Bödeli plus» in Goldswil.

Doch dem Wald drohen Gefahren, und Gemeindepräsident Samuel Zurbuchen zählte auf: «vom Klimawandel, vom Borkenkäfer – und von den tiefen Holzpreisen». Die Preise decken den Aufwand für Pflege und Nutzung zum Teil seit Jahrzehnten nicht mehr.

Neue Organisation

«Die Nachfrage nach Holz ist zwar gross, wird aber vor allem mit Importen gedeckt», sagte die Projektberaterin, die Forstingenieurin Barbara Stöckli. Um einheimisches Holz konkurrenzfähiger zu machen, sieht die kantonale Waldstrategie unter anderem neue Organisationsformen vor.

Die Einwohnergemeinde Ringgenberg hat seit 2016 zusammen mit den Burgergemeinden Ringgenberg-Goldswil, Bönigen, Interlaken und Unterseen sowie dem Kanton das Projekt einer Forstbetriebs-Gemeinschaft entwickelt, das eine Zusammenarbeit auf vertraglicher Basis vorsieht – das heisst, es gibt keine neue Rechtskörperschaft.

Zunächst einmal für drei Jahre gibt die Gemeinschaft die Pflege ihrer Wälder einem externen Bewirtschafter. Vorgesehen ist die Beo Wald und Holz GmbH. Sie wurde von örtlichen Waldbesitzern und dem Waldbesitzerverband Interlaken-Oberhasli für die Stärkung ihrer Position im Holzhandel gegründet und hat schon bisher ein Bewirtschaftermandat von der Burgergemeinde Unterseen.

«Zugleich würden ihr die forstpolizeilichen Aufgaben vom Kanton übertragen, damit es nicht zusätzlich einen Förster vom Kanton braucht», sagte Andreas Lötscher von der Waldabteilung Alpen. So würde die Beo Wald und Holz alle Aufgaben eines Revierförsters übernehmen und müsste für diesen Aufwand auch eine weitere qualifizierte Person anstellen, wie Geschäftsführer Lukas Hug bestätigte.

Vieles bleibt gleich

Grosse Holzschläge würden wie bisher an Forstunternehmer vergeben. Gesichert bleibt das Recht der Ringgenberger und Goldswiler, Holzlose fürs Holzen in ihrem Wald zu kaufen. Die langjährigen Mitarbeiter der Forstequipe und die Lehrstelle will Ringgenberg behalten.

Der Grossteil ihrer Arbeit – vom Wegunterhalt über die Neophytenbekämpfung bis zum Schlagen der Weihnachtsbäume – ist von der Neuorganisation nicht betroffen. Auch den bisherigen Revierförster würde Ringgenberg gerne weiter anstellen, betonte Gemeinderätin Wittwer; allerdings könnte ihm nur noch eine Forstwartstelle angeboten werden.

Die Einwohnergemeinden Bönigen, Unterseen und Interlaken haben keinen eigenen Wald, und für die Burgerwälder gab es schon bisher kein eigenes Personal mehr, wie der Böniger Burgerschreiber Peter Michel auf eine Frage aus dem Publikum erklärte. Die Burger- und die Einwohnergemeinde Niederried, die bisher zum Forstrevier Ringgenberg-Goldswil gehören, wollen erst schauen, wie sich die neue Organisation bewährt.

Entscheid im Winter

Die Fixkosten der Betriebsgemeinschaft würden auf die Mitglieder verteilt; für die Gemeinde Ringgenberg-Goldswil wären das 8400 Franken pro Jahr, für die Burger 4700 Franken. Leistungen, die über das Bewirtschaftermandat hinausgehen, können die Waldbesitzer zusätzlich einkaufen.

Für den Zahlungsverkehr wäre eine gemeinsame Geschäftsstelle zuständig; diese Aufgabe würde die Finanzverwaltung der Gemeinde Ringgenberg übernehmen, die mit 960 Hektaren am meisten Wald in das neue, 1620 Hektaren grosse Revier einbringen würde.

Angeregte Diskussion

In der angeregten Diskussion wurden unter anderem mehr Engagement von der Politik für den Wald und mehr Waldstrassen gefordert. Andreas Lötscher entgegnete, dass nur schwer neue Strassen gebaut werden können, dass der Schutzwald hohe Priorität hat und für seine flächendeckende Pflege jährlich fünf Millionen Franken ins Berner Oberland fliessen.

Ob die Verträge für die Betriebsgemeinschaft 2019 unterschrieben werden, entscheiden die Gemeinde Ringgenberg-Goldswil und die beteiligtenBurgergemeinden an ihrenkommenden Altjahrsversammlungen.

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