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Zwei höchst verbissene Meister in der Vorhölle

kunstgesellschaft thun (KGT)Von der Last der Verbissenheit und dem Unverständnis der Umwelt handelte das KGT-Schauspiel «33 Variationen». Die Schweizer Erstaufführung warf einen fesselnden Blick auf Beethovens Diabelli-Variationen.

Ein vermeintlich belangloser Walzer steht im Zentrum von Moisés Kaufmans Schauspiel «33 Variationen». Anton Diabelli, Musikverleger im biedermeierlichen Wien um 1819, versucht sich als Komponist. Aus zweimal 16 Takten – schnell hingeworfen und anscheinend völlig anspruchslos – sollen die besten Komponisten seiner Zeit je eine Variation liefern. Einer stellt sich quer: Ludwig van Beethoven. Bis er sich in das Thema verliebt, sich darin verbeisst, sich anfänglich einen Sport daraus macht, Diabellis Walzer zu verhöhnen, nur um am Ende an dessen fehlendem Abschluss nach über 30 Variationen schier zu zerbrechen. Und genauso verbissen setzt sich knapp 200 Jahre später die amerikanische Musikwissenschafterin Katherine Brandt zum Ziel, das Geheimnis der Beethoven’schen Verbissenheit zu lüften. Lieben und Leiden... Getrieben vom Anspruch an sich selbst, ein Meisterstück abzuliefern und so dem Tod, der dem Leben unbarmherzig einen Schlusspunkt setzen wird, ein Schnippchen zu schlagen – so erlebten die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Aula Schönau Steffisburg die beiden Meister ihres Fachs, Beethoven und Doktor Brandt. Unheilbar krank und erbarmungslos gegen sich selbst und ihre Umwelt, verletzen sie Freunde und Verwandte. Diese begegnen der jeweiligen Verbissenheit zwar mit zunehmendem Unverständnis, aber auch mit Achtung und Respekt; die Liebe zum raubeinigen Freund oder zur beissend zynischen Mutter hindert sie letztlich, einen endgültigen Bruch zu akzeptieren. Geschickt ausgeleuchtet nach dem Konzept von Ralf Hiller traten die Figuren von Damals und Heute in der Inszenierung des Eurostudios Landgraf oft gleichzeitig auf die karge, schwarz gehaltene Bühne Karel Spanhaks. Die Pianistin Soojin Anjou begleitete das Geschehen neben der Bühne am Flügel. Als unsichtbare Konstante und Dritte im Bunde verlieh sie der sich steigernden Dramatik zusätzliche Spannung, indem sie Beethovens Diabelli-Variationen erklingen liess. ...und dann der Kitsch Doch so eindringlich Frank Matthus die Regie des Schauspiels auch gestaltet hatte – wenige Minuten vor Schluss vergab er die grossen Ovationen: In schönster Hollywood-Manier wurde Katherine Brandt – dargestellt von einer grossartig zwischen herber, elitärer Distanz und kindlicher Freude oszillierender Cordula Trantow – von einem weiss gewandeten Engel in gleissendes Licht getaucht auf jene Bühne geführt, auf der sie nach ihrem Tod Beethoven treffen sollte. Schade um diesen Kitsch; denn Peter Schmidt-Pavloff als cholerischer, schmerzgeplagter Beethoven wirkte in der Vorhölle so süffisant und ironisch, dass der Dialog zwischen den beiden in der Vorhölle ohne Engelsgestalt noch stärker gewirkt hätte. «Wir sind aus dem Himmel geflohen», erklärt Beethoven der entzückten Musikwissenschafterin verächtlich. «Diese Engelsmusik...» HeinerikaEggermann Dummermuth>

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