Zwischen Zufallsklängen und Wortspielereien

Unterseen

Sonntagsmatinee mit Regula und Laetitia Imboden: Der Stadtkeller Unterseen wurde zum Raum fern aller Hektik und Zeit.

Regula Imboden rezitierte Texte ihrer Schwester Laetitia, die sie dabei am Klavier begleitete. Foto: Peter Wenger

Regula Imboden rezitierte Texte ihrer Schwester Laetitia, die sie dabei am Klavier begleitete. Foto: Peter Wenger

Es wird dunkel, dunkel wie in einer Kuh. Einzig ein paar Leuchtstäbchen, als Deko hingelegt, zeigen die Richtung auf. Langsam gewöhnt man sich an die Dunkelheit. Schemenhaft zeigt sich ein Klavier, eine Frauengestalt. Es ist mäuschenstill. Der Stadtkeller wird zum Raum fern aller Hektik, fern jeder Zeit. Erste Klänge verraten die Pianistin, ein Lied, ein Text, die Sängerin…

Laetitia Imboden improvisiert auf dem Piano. Ihre jüngere Schwester Regula singt und rezitiert Texte, verleiht ihnen Klang und Rhythmus voller Leidenschaft oder bescheidener Zurückhaltung. Kurze Geschichten, Wortspielereien, gedacht und aufgeschrieben über Jahre von Laetitia Imboden.

Die Zuhörer – gut ein halbes Hundert – «lose», hören einfach zu. Jeder für sich, jeder auf seine Weise interpretiert die Gedanken über Liebe, Schmerz, Leidenschaft und dunkle Stunden. Die teils kurzen, prägnanten Texte lassen wenig Raum, sich mit dem Thema näher zu befassen, und doch: Sie spiegeln das Leben, wie wir es kennen, in all seinen Facetten.

Die Texte gleiten vom ersten Atemzug schwungvoll über die blühende Jugendzeit hin zur vor Kraft strotzenden Lebensmitte. Werden ruhiger, besinnlicher, wenn es Abend wird, verlieren sich in der Stille…

«Eine Matinee wie diese habe ich im Stadtkeller noch nie erlebt. Zuschauer, die eine Stunde lang als Zuhörer gespannt in absoluter Ruhe verharren. Ausser einem kurzen, verhaltenen Lachen, einem Geräusch eines Luftzugs war rein gar nichts zu hören», ist Markus Metzger – er kümmert sich zusammen mit dem Vorstand um den Apéro – beeindruckt von der Präsenz der beiden Künstlerinnen.

Verbunden in der Leidenschaft

Laetitia Imboden hat, zusammen mit fünf Geschwistern, im Oberwallis eine lebhafte Jugendzeit erlebt. «Nach der Ausbildung zur Primarlehrerin und später zur Lehrerin für musikalische Früherziehung war ich an verschiedenen Schulen und Musikschulen tätig. Improvisation am Klavier und Schreiben gehören zu meinem Leben und Wirken», sagt Laetitia Imboden.

Vor bald dreissig Jahren ist sie mit ihrer Familie ins Berner Oberland nach Wilderswil gezogen. Mit ihrer jüngsten Schwester verbindet sie seit ihrer Kindheit eine besondere künstlerische Leidenschaft für Musik und Lyrik.

Regula Imboden lebt seit über zwanzig Jahren in Zürich. Als Schauspielerin ist sie in Kino- und Fernsehproduktionen zu sehen. Ihre angenehme Stimme als Sprecherin kennen viele vom Schweizer Fernsehen her.

Nebst Auftritten bei eigenen Theaterproduktionen begleitet sie Autoren an Lesungen. Wie am vergangenen Sonntagmorgen an der Seite ihrer Schwester. «Es ist eine Premiere und Derniere zugleich, etwas Einmaliges», freut sich Regula Imboden über den besonderen Augenblick.

Berner Oberländer

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