Zwölf Brienzer Lärchen werden live Kunst

Brienz

Gestihlt, geschlegelt, gemeisselt: Am Quai entstehen am zur Tradition gewordenen Holzbildhauer-Symposium vielfältige Skulpturen – aus 12 fünf Meter hohen Lärchenstämmen aus dem Brienzer Wald.

Lkhagvadorj Dorjsuren stammt aus der Mongolei und wohnt in Japan. In Brienz hat er eine Gämse geschaffen.

Lkhagvadorj Dorjsuren stammt aus der Mongolei und wohnt in Japan. In Brienz hat er eine Gämse geschaffen.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Von weitem klingt es wie manchmal im Wald: Kettensägen sind bei einigen der Holzbildhauer auch am dritten Tag des Symposiums noch in Aktion. Zum Beispiel bei Susanne Assum aus Murau in Deutschland. Sie ist in ihrem Zeitplan im Rückstand, weil das Holz am Anfang sehr harzig war. Jetzt aber läufts gut: Ihre Skulptur mit stilisierten Menschen wird für Zusammenhalt und Miteinander stehen. Und vom Miteinander in Brienz ist sie begeistert, sie schätzt das Treffen mit andern Holzbildhauern.

Auch Musik gehört dazu: Schweigt die Motorsäge, hört man die Strassenmusiker Magnus und Lucius spielen. Dieses Jahr hätten erstmals Holzbildhauerinnen aus Afrika, aus Kamerun, dabei sein sollen. Sie wurden von einer Nichtregierungsorganisation ausgewählt. «Sie durften nicht ausreisen», sagt Markus Flück, Präsident des Vereins Kuna, der das Symposium organisiert. Anscheinend hätten nur Männer, nicht aber Frauen teilnehmen dürfen.

Freies Schaffen am See

Die 27 Teilnehmenden am Symposium arbeiten frei. Es ist kein Wettbewerb, und es gibt kein vorgegebenes Thema. Und so arbeitet Severin Maurer aus Oppligen an einem Holz-Batman, einfach, weil er Batman gut findet. Die beiden Romands Dominic Corpataux und Jeremy Corthay haben an ihrem Arbeitsplatz in einer Nische am Quai Wäsche aufgehängt, zur Freude des Publikums auch einen zartblauen BH. Diese Wäschestücke schnitzen sie jetzt aus Holz. Am Samstag wird die vor den Brienzersee gespannte Leine voll Holzwäsche sein.

Frederico Battistin aus Italien schreibt mit einer Hand Träume in den Himmel, und Martin Bill aus Gwatt zeigt senkrecht steigende Brienzersee-Föhnwellen. Viele Holzbildhauer geben Menschenfiguren Bedeutungen, sei es wie bei den Brienzern Christoph Zimmermann und Elias Wick Sinnlichkeit oder wie bei Daniel Züsli aus Cham das «Eingefächert»-Sein in Systemen, Träumen und Zwängen.

Es geht auch tierisch: Sandra Kunz aus Meiringen formt «Dr Möidi», Lea Bähler aus Wattenwil und Claudia Schürch aus Heimiswil zeigen eine Schnecke, Niek Müller und Théo Louis machen Fantasiefische. Ein Fahrender in Sachen Skulpturen-Symposien ist Lkhagvadorj Dorjsuren. Er ist in der Mongolei geboren, lebt in Japan. In Brienz hat er einen Gämskopf aus dem Baumstamm geholt.

Informativer Spaziergang

Da die meisten Open-Air-Boutiquen der Teilnehmer auf dem Cholplatz sind, bietet das Symposium einen Spaziergang zu Idee und Umsetzung der Holzkunstwerke. Gemeindemitarbeiter Ramon Serandino bringt derweil unauffällig Sägemehl und Restholz weg. Letzteres auf eine öffentliche Feuerstelle.

«Die Gemeinde unterstützt uns sehr», sagt Markus Flück. Skulpturen, die nicht verkauft werden, dürfen am verlängerten Quai aufgestellt werden. Das Symposium, das in etwas anderer Form zum ersten Mal 1988 stattfand, ist Teil der Holzbildhauerei Brienz, die als Kulturinstitution von regionaler Bedeutung vom Kanton Bern mitfinanziert wird.

Am Freitag, 5. Juli, um 18 Uhr (Verschiebungen möglich) findet die Finissage statt. Künstler, Sponsoren und Helfer werden vorgestellt. Ab 17 Uhr spielt das Duo Campanula, von 19.30 bis 20.30 sind Mich Gerber (Kontrabass) und Andi Pupato (Perkussion) auf Shoreline-Tour, davor und danach spielt Ramon Clau und ab 22 Uhr Tobias Carshey.

Berner Zeitung

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