Kleines Schiff, grosse Pläne

Transocean hat seine Flotte um die MS Vasco da Gama erweitert. Auf dem Schiff kommen die Passagiere auf ihre Rechnung.

Die MS Vasco de Gama. Foto: PD

Die MS Vasco de Gama. Foto: PD

Bekanntlich sind aller guten ­Dinge drei. Sollte die Redensart stimmen, stehen Transocean ­erfolgreiche Zeiten bevor: Mit der Übernahme der MS Vasco da Gama ist der Kreuzfahrtanbieter der Dritte, unter dessen Ägide das Schiff die Meere durchpflügt. 1994 als MS Statendam vom ­Stapel gelaufen, verkaufte es die Holland America Line 2015 an P&O Cruises Australia. Die treuen Gäste in Down Under brauchen das Schiff auch nach der Übergabe an Transocean nicht zu missen: Im Winter wird der Dampfer von Australien aus die Südhalbkugel erkunden. Im Sommer befährt er dagegen die nordeuropäischen Gewässer.

«Die Vasco da Gama gilt heutzutage als kleines Schiff», sagt Kapitän Andrey Lesnichiy. Für Transocean ist es mit 630 Kabinen für maximal 1160 Passagiere allerdings das grösste von vier Schiffen. Klar fährt der 219 Meter lange Neuzugang im Schatten von Megalinern mit über 6000 Passagieren, die bald mit Achterbahnen an Bord aufwarten. Er bedient aber ein Segment, das immer populärer wird. Denn die Kritik an schwimmenden Kleinstädten nimmt zu.

Wie ein Designhotel

Aber kann ein eher kleines Schiff mit der Konkurrenz mithalten? Die unter bahamaischer Flagge kreuzende Vasco da Gama braucht sich nicht zu verstecken. 2015 wurden die öffentlichen ­Bereiche für 25 Millionen Dollar umgebaut. Samtene Sofas und Chaiselounges, Bartresen mit beleuchtetem Marmor und moderne Skulpturen zeugen von einem neuen Verständnis für die maritime Inneneinrichtung. Das Interieur gleicht jenem eines Designhotels, goldene Türläufe und schweres Holzmobiliar gehören der Vergangenheit an.

Nur in den Kabinen versprühen schwarze Ledersofas und Stühle aus Kiefernholz noch immer einen zweifelhaften Neunzigerjahre-Charme. Im Herbst kommt die MS Vasco da Gama aber ins Trockendock, wo auch die Schlafplätze überholt werden. Die Technik bleibt hingegen unangetastet: Das Schiff fährt mit Marinediesel, besitzt aber keinen Abgaswäscher.

Auf der Vasco da Gama isst man besonders edel im Restaurant The Grill. Foto: PD

Rundum erneuert wurde das gastronomische Angebot. Aus einem Hauptrestaurant entstanden gleich drei: Im mediterranen und eurasischen Lokal wechselt die Karte wöchentlich, im schicken Waterfront wird jeden Abend ein anderes Menü serviert, bei unserem Besuch zieht der Duft von Gnocchi mit Salbeibutter und Lammkarree mit Kartoffelstock durch den hohen Raum. Exklusiv ist The Grill, auch hinsichtlich des Designs: Schwarz-weisse Schachbrettböden zu roten Samtvorhängen wirken edel. Während das Essen überall sonst inklusive ist, müssen die Passagiere hier einen Aufpreis bezahlen.

Positiv fallen die vernünftigen Portionen in allen Restaurants auf: Das Management versucht, Food Waste zu vermeiden. Statt dass die Passagiere die Teller an Buffets überladen und unnötigen Abfall hinterlassen, wird das ­Essen serviert, jederzeit gratis Supplement gereicht.

Federn lassen für Veganer

Transocean will eine neue Klientel auf die Vasco da Gama holen: Diesen Sommer fanden erstmals Eventkreuzfahrten statt. Während einer Tour durch die Ostsee wurden ausschliesslich vegane Gerichte aufgetischt. Ein Novum in einer Industrie, die bislang eher für kulinarische Zügellosigkeit stand. Selbst die Federn an den Showkostümen wurden entfernt, Pferdeausritte von der Ausflugsliste gestrichen. Auf der Reise «Stars of the Sea» ging es um kulturelle Genüsse. Mit an Bord: die Sängerin Annett Louisan und ihre Kollegen Nico Santos und Matthias Reim.

Ganz so hochkarätig geht es in der Show Lounge Hollywood’s normalerweise nicht zu. Jeden Tag verkündet Cruise Director Marco via Bordlautsprecher das Programm. Tischleuchten, grüne Samtsofas und eine Wendeltreppe verströmen Art-déco-Flair, eine Reminiszenz an die goldenen Jahre der kalifornischen Traumfabrik.

Am besten lässt man den Tag in einer Bar ausklingen – etwa in der Aussichtslounge The Dome auf Deck 12, von wo aus das Meer zu Füssen liegt. Und bei Gin Tonic und Livemusik kommt die Frage auf: Wer braucht eigentlich eine Achterbahn an Bord?

Die Reise wurde unterstützt von Transocean-Kreuzfahrten.

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