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Putzige Geschichten aus der Adventsstadt

In Quedlinburg, nördlich des Harzes, ­stehen über tausend Fachwerkhäuser. Das sieht so putzig aus, dass es sich zu Recht Adventsstadt nennt.

Bunt, blinkend und stimmig: Für manche Weihnachtsmarktfans ist jener von Quedlinburg schöner als der berühmte in Nürnberg.
Bunt, blinkend und stimmig: Für manche Weihnachtsmarktfans ist jener von Quedlinburg schöner als der berühmte in Nürnberg.
Jürgen Meusel/zvg

Quedlinburg nennt sich ganz unbescheiden Adventsstadt. In der Tat gibt es wohl keine andere deutsche Stadt mit einem derart stimmungsvollen Weihnachtsmarkt – auch das traditionelle, nicht weit entfernte Nürnberg kann da nicht mithalten. Was aber die weihnächtliche Stimmung besonders unterstreicht, sind 1200 (!) denkmalgeschützte Fachwerkhäuser. Sie stammen aus verschiedenen Epochen.

Wende sei Dank

Der Weihnachtsmarkt findet nicht nur am zentralen Kornmarkt am Rathaus statt, sondern auch in umliegenden 25 Höfen. Jeder Hof hat ein eigenes Thema. Im «spanischen Hof» etwa gibt es heisse Sangria und andalusische Weihnachtsleckereien, im Hof an der Heiligegeiststrasse einen weihnächtlichen Jahrmarkt der Jahrhundertwende, im Wordhof wird ein Wildschwein am Spiess gegrillt, und im Hof «Pfeiffer mit drei F» gibt es Feuerzangenbowle – im Film und ganz real.

Schlendert man heute durch die Altstadt Quedlinburgs mit den piekfein restaurierten Fachwerkhäusern, kann man sich kaum vorstellen, wie es hier zu DDR-Zeiten ausgesehen hat. Eine Fotoausstellung in der Tourismusinformation versucht das aufzuzeigen, Schwarzweissfotos einer halb verfallenen Stadt, die von ihren Bewohnern verlassen worden war. «Der Mauerfall war unser Glück, nur so konnten die alten Häuser gerettet werden», sagt auch Stadtführerin Gisela Rumkowski.

Um 500 Millionen Euro beziffert man den Sanierungsbedarf insgesamt. Zwar wurden auch schon zu DDR-Zeiten einige Fachwerkhäuser restauriert. Doch die polnischen Spezialisten liessen sich diese Arbeit in harter Währung bezahlen, und so konnte pro Jahr nur ein Haus be­arbeitet werden. Bei 1200 denkmalgeschützten Häusern war dies nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Verhökern kommt von Hoken

Manche Fachwerkhäuser sind bis heute unter Putz versteckt. Rumkowski deutet auf ein Haus, wo dieser gerade vorsichtig abgetragen wird: «Es gab früher eine steuerliche Regelung, nach der sich der Steuersatz nach der Anzahl der Balken im Haus errechnete», erklärt sie. Deshalb «versteckten» die Bewohner die Balken gern unter einer Schicht Putz. Im sogenannten Schuhhof hatten früher die Schuster ihr Revier. Gelebt hat man oben, unten im Haus befand sich die Werkstatt. Bis heute erhalten sind die Läden, eine Art Klappfenster, die man herunterklappte, um seine Waren zu präsentieren. Ein besonders reich geschmücktes Fachwerkhaus findet sich am Kunsthoken, es war direkt in die alte Marktmauer gebaut.

Das Haus aus dem Jahr 1535 weist Fächerrosetten, doppelte Arkaden sowie Fenster aus Butzenglas auf. Das Wort Hoken weist auf Kleinhändler hin, daraus leitet sich übrigens der Begriff verhökern ab.

Vom Café zum Bier

Das Café Zum Roland, in der Nähe der Roland-Statue am Rathaus, wirbt mit dem Spruch «Einziges Café der Welt in 7 Häusern». Tatsächlich sind es sieben Fachwerkhäuschen, die sehr eng beieinanderstehen und innen alle verbunden sind. Innen ist es dementsprechend kuschlig und verschachtelt.

Reichtum erlangte die Stadt Quedlinburg einst mit der Herstellung von Bier. Heute ist nur noch das Brauhaus Lüdde übrig, 1876 gegründet. Die Spezialität hier ist das «Pubarschknall», ein Spezialbier mit einem Alkohol­gehalt von nur einem Prozent, dessen Name auf die Wirkung zurückgeht, die es in früheren Zeiten einmal hatte, wenn man es zu lange stehen liess. Auch den Knuttenforz, ein Schwarzbier, kann man heute ohne Bedenken trinken. Quedlinburg nennt sich ganz unbescheiden Adventsstadt. Verständlich.

www.adventsstadt.de

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