Schwarzwald unter Palmen

Textilfreie Wellness im Calcium-Lithium-Pool und eine Halle voller Rutschen: Das Badeparadies in Titisee-Neustadt hat viel zu bieten.

Prickelnd wie Champagner: Das Bad in einem der zahlreichen Pools im Badeparadies Schwarzwald. Foto: PD

Prickelnd wie Champagner: Das Bad in einem der zahlreichen Pools im Badeparadies Schwarzwald. Foto: PD

Claudia Schmid@zueritipp_

Im Hochschwarzwald, am Rande des Kurorts Titisee-Neustadt, steht ein riesiger Glaskuppelbau. Auf über 60'000 Quadratmetern dehnt sich hier das Badeparadies Schwarzwald aus, eine Welt, so gross wie manche Altstadtzonen kleiner Schweizer Städte. Im Winter, wenn die Tannenwälder verschneit sind, könnte der Gegensatz zwischen den unzähligen echten Palmen drinnen und den nördlichen Kieferngewächsen draussen kaum grösser sein.

Das Freizeitbad ist in drei Welten aufgeteilt: in den Wellnessbereich Palais Vital, das Rutschenparadies Galaxy und die Palmenoase, eine Südseehalle mit riesigem Badebecken. Der 6000 Quadratmeter grosse Palais Vital ist dabei der jüngste Neuzugang des 2010 eröffneten Erlebnisbades. Er wurde im vergangenen Jahr vollständig eröffnet, ist textilfrei und ab 16 Jahren zugänglich.

Das könnte für manche gewöhnungsbedürftig sein, weil man sich in Schweizer Wellnessanlagen in der Regel nur im Saunabereich so aufhält, wie Gott einen schuf. Im Hochschwarzwald dagegen liegen die Leute nackt und total entspannt in einem der sechs sogenannten Vitalpools herum: Es gibt einen 33 Grad warmen «Champagnerpool» mit prickelndem Wasser, einen Schwebe- oder einen Mineralpool. Herz des Palais Vital mit dem Logo einer Venus im Botticelli-Stil bildet die grosse Vitallagune. Die Gäste höckeln im Wasser auf Barhockern, nippen an einem Hawaii-Dream mit Wodka oder schwimmen zu den Aussenbecken. Andere kippen, in Bademäntel gewandet, im Restaurant vor der Lagune ihr erstes Bier. Es ist kurz vor Mittag. Höchste Zeit für den Besuch der Venus-Sky-Lounge.

Diese vom Rest des Palais Vital abgeschlossene Zone im ersten Stock richtet sich ausschliesslich an Frauen. Das kommt dem Badevergnügen, wenn man weiblich ist und der Nacktheit in der Öffentlichkeit eher skeptisch gegenübersteht, entgegen. Das Highlight (auch im gemischten Teil): ein 36 Grad warmer Lithium-Calcium-Pool, in dem man total loslassen kann. Offenbar sollen Lithium und Calcium den Körper nicht nur in ein seelisches Gleichgewicht bringen, sondern auch die Haut straffen, Knochen und Bindegewebe stärken sowie stimmungsaufhellend wirken. Stimmungsaufhellend ist auch die Sun-Lounge; eine Ruhezone mit Sonnenlicht und Wärme, die sozusagen einen Sommerferientag nachahmt.

Jugendstil, Alhambra oderurchige Heimatstube

Nicht nur was Pools und Ruhezonen, auch was das Saunieren betrifft, reicht hier kaum ein Tag, um alles auszuprobieren: Neben den Frauensaunen in der Venus-Sky-Lounge mit Wandverzierungen wie Rosenblüten und Pfauenfedern warten im gemischten Bereich zwölf weitere Schwitzräume. Ob die Sauna Art nouveau mit Jugendstil-Verzierungen, die orientalisch angehauchte Alhambra oder die Heimatstube mit urchigen Holzmöbeln: Hier unterscheiden sich die Saunen weniger in der Temperatur (fast alle sind 75 Grad heisst), sondern was die Einrichtung angeht.

Wem das urchige Schwarzwald-Thema in der Heimatstuben-Sauna gefällt, wird auch bei den Massagen auf seine Kosten kommen. Denn in der Pure-Balance-Mas­sage-Lounge, die ebenfalls zum Palais Vital gehört, gibt es Behandlungen im Schwarzwald-Stil, darunter eine «Black Forest»-Mas­sage mit heimischem Zirbelöl. Es lohnt sich, sich gleich zu Beginn des Besuches um einen Termin zu kümmern, denn gebucht werden können die Massagen nur direkt vor Ort. Sie sind für Schweizer Verhältnisse günstig (eine Stunde kostet ca. 80 Franken).

Irgendwie müssen die Kalorien ja wieder verschwinden

Ein tiefenentspannter Körper nach der Massage ist eine gute Voraussetzung, um sich den Rest des Freizeittempels anzuschauen. Denn es braucht schon etwas Nerven, um an diesem Sonntag in der vollen Palmenoase Ruhe zu bewahren: Das grosse Becken ist voll mit Leuten, die im Wasser Prosecco schlürfen oder einfach abhängen. Schwimmen tut hier niemand. Beim Selbstbedienungsrestaurant Palmgarden stehen die Gäste im Badekostüm Schlange für Ofenkartoffeln, die Asia-Wok-Pfanne oder Schwarzwälder Torten. Am Beckenrand legt eine Fitness­instruktorin ein paar Runden Aquafitness ein. Arme rauf, Arme runter, Beine auf, Beine zu. Wer nicht gerade trinkt, macht mit. Irgendwie muss man die vielen Kalorien, die man sich hier den ganzen Tag zuführt, ja auch wieder loswerden.

In der dritten und letzten Halle, im Galaxy, spucken 23 Rutschen in Regenbogenfarben alle paar ­Sekunden Menschen aus. Keine Ecke, die nicht nass ist, und keine Sekunde, in der niemand kreischt. Am Ziel der Rutschen riecht es nach Pommes und Burger: Mitten im Rutschenparadies steht ein Fast-Food-Stand, wo sich die Leute mit Essen eindecken; klitschnass und schlotternd nach der vielen Bewegung.

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