Ein Freiburger wacht über den Aman-Mythos

Roland Fasel führt die luxuriösesten Resorts der Welt – und kann sich eine Expansion ins Engadin vorstellen.

Elf neue Projekte in der Pipeline: Aman-COO Fasel. Foto: Jessicot Terill

Elf neue Projekte in der Pipeline: Aman-COO Fasel. Foto: Jessicot Terill

Sprache und sportliche Vorlieben verraten einiges über den Mann: Roland Fasel, 57, würzt kraftvolles Freiburgerdeutsch mit vielen angelsächsischen Ausdrücken. Schliesslich hat der Chief Operating Officer (COO) der Aman Resorts eine 30-jährige Karriere in der internationalen Hotellerie hinter sich, mit Stationen zwischen Borneo und Boston. Findet er heute in seinem dichtgedrängten Terminkalender Zeit, guckt er dem FC Chelsea bei dessen Heimspielen in der englischen Premier ­League zu. Fasels Familie wohnt nur einen Steinwurf entfernt vom Fussballstadion Stamford Bridge im Südwesten Londons. «Am liebsten besuche ich mit alten Kumpels die Spiele von Fribourg-Gottéron», sagt Hockey-Freund Fasel. «Ich habe meine Wurzeln im Kanton Freiburg nie vergessen.»

Eine Suite mit Frühstück ist ab 1000 Dollar pro Nacht zu haben

Er stammt aus Tafers im Sense­bezirk. Das kleine Hotel, das seine Eltern führten, hatte wenig gemein mit der glamourösen Welt, in der sich der Aman-Boss heute bewegt: Ihm obliegt die operative Führung der exklusivsten Hotelgruppe der Welt. Die Amans gelten als Sinnbild für guten Geschmack, paradiesische Locations und höchsten Servicestandard. Die meisten Anlagen bieten nur 30 oder 40 Zimmer, sind von Stararchitekten geplant und auffallend gut integriert in die Umgebung. Das Amanpulo auf den Philippinen umfasst eine ganze Insel, im Amandari bei Ubud auf Bali wecken Herdfeuergeruch aus den Hütten der Einheimischen und das Gegacker der Hühner die Gäste, und das Aman Venice in ­Venedig belegt einen Adelspalast am Canal Grande.

34 Aman-Hotels und -Resorts in 21 Ländern auf vier Kontinenten empfangen eine betuchte Klientel, die sich die Suite mit Frühstück ab 1000 Dollar pro Nacht gönnt. Seit fünf Jahren gehört die Gruppe dem russischen Immobilienunternehmer Vladislav Doronin. Er hatte sie samt Immobilienportfolio für 358 Millionen Dollar von einem indischen Konzern übernommen. Der visionäre Aman-Gründer ­Adrian Zecha war längst von Bord gegangen.

Fasel musste nach seinem Start im Februar 2017 den Rohdiamanten erst einmal schleifen. «Wir schufen angemessene Strukturen», sagt der Boss, «gaben den einzelnen Hoteldirektoren mehr finanzielle Verantwortung und legten so die Basis für dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg.» Der Freiburger verlegte den Firmensitz von Singapur in den Kanton Zug. Im Headquarter im steuergünstigen Baar laufen die Fäden zusammen, auch die Führung der neu gegründeten zentralen Personalabteilung arbeitet hier.

Hotels der Superlative: Ab 2020 werden sich die Gäste im Spa des neuen Aman New York die Wünsche von den Augen ablesen lassen können. Bild: PD

Die Aman Group beschäftigt 4500 Leute, im Schnitt kümmern sich vier Mitarbeitende um die Gäste eines Zimmers. «Nur so können wir den Mythos Aman kultivieren», sagt Fasel, «denn wir achten aufs kleinste Detail. Die Kunden kommen als Gäste und verlassen uns als Freunde.» Natürlich sind das auch Floskeln aus den Werbebotschaften der Nobelhotellerie, doch Aman geniesst in der Branche einen sagenhaften Ruf. Nicht umsonst verbringen Wirtschaftsmagnaten, Filmstars und Sportgrössen ihre Ferien in den Amans zwischen Utah und Ubud, Tokio und Turks & Caicos. Die Piloten aus dem Formel-1-Zirkus okkupierten jeweils nach dem Rennen in Singapur das Amanpuri auf der thailändischen Ferieninsel Phuket. Das in einer traumhaften Bucht gelegene Resort, dessen Strand beinahe grotesk paradiesisch erscheint, hatte 1988 die Aman-Geschichte begründet. Fasel besuchte in den letzten zwei Jahren mehr als zwei Dutzend Amans. Der Hotelprofi, der zuletzt das berühmte The Dorchester in London geführt hat, urteilt: «Es gibt nicht das typische Aman. Jedes Resort ist einzigartig, Design und Service sind individuell.»

Reiche Schweizer gehören zu den häufigsten Gästen

Aman-Hotels stehen auch in Europa, etwa in den Savoyer Alpen, in Montenegro und in Venedig. Zeit, endlich ein Aman in der Schweiz zu eröffnen? Immerhin hatte Fasel einst das Badrutt’s ­Palace in St. Moritz geleitet. Er könnte sich, verrät der Aman-Antreiber, sehr wohl ein Resort im Ober­engadin vorstellen: «Nur sind dort gute Bauplätze rar, die Saisons kurz.»

Das Schweizer Publikum, zumindest jenes mit einem dicken Geldbeutel, liebt Aman, die Eidgenossen stellen hinter Amerikanern, Briten und Japanern die stärkste Gästefraktion. Obwohl die Zahlen stimmen und interessante Märkte wie China und Indien neue Kunden liefern, will der Schweizer Aman-Chef den Bogen nicht überspannen: «Elf Projekte stecken noch in der Pipeline – von Kyoto in Japan bis New York. Die ideale Gruppengrösse liegt bei 45, maximal 48 Resorts.» Das Kundensegment sei schmal, bekräftigt der Freiburger. «Wir sollten exklusiv bleiben. Was Marken wie Hermès oder Patek Philippe im Retailgeschäft sind, muss Aman in der Hotellerie verkörpern – den Inbegriff von Ultra-Luxus.»

www.aman.com

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