Zum Hauptinhalt springen

Baden ist da Nebensache

Strandferien Kefalonia geht noch als griechischer Geheimtipp durch. Bis Ende September kann man direkt von Altenrhein SG zum Eiland im Ionischen Meer fliegen.

Nur in der Hochsaison stark frequentiert: Myrtos Beach ist mit einer engen Serpentinenstrasse erschlossen. Foto: Nadja Ehrbar
Nur in der Hochsaison stark frequentiert: Myrtos Beach ist mit einer engen Serpentinenstrasse erschlossen. Foto: Nadja Ehrbar

Als könnte Spiros Koutsos Gedanken lesen, stellt er jedem Neuankömmling ein Glas Wasser auf den Tisch. «Sie müssen durstig sein», sagt er in gebrochenem Englisch. «Es ist ein heisser Tag», die Temperaturen klettern um die Mittagszeit in der Tat auf 30 Grad Celsius. Die schattige, von Oleandern und Bougainvilleas umrankte Terrasse des Cafés «To Kastro – The Castle» liegt am Zugang zur Festung Agios Georgios bei Peratata auf Kefalonia. Sie ist die grösste der Ionischen Inseln, 40'000 Menschen leben hier. Zusammen mit seiner englischen Frau Nicki hat Koutsos aus dem Café eine kühle Oase gemacht. Schon seit 1989 bewirtet er Gäste. Man kommt gern hierher, schätzt den guten Kaffee und Spiros’ Wissen über die Burg. Bis Mitte des 18. Jahrhunderts war sie Inselhauptstadt, dann wurde sie von Argostoli abgelöst. Die Venezianer hatten die byzantinische Festung auf dem 320 Meter hohen Berg zu einer kleinen Stadt ausgebaut. Zur Blütezeit lebten hier 15'000 Menschen.

Der Abstecher zur Burgruine lohnt sich. Im Innenhof sind Reste der byzantinischen Zitadelle, des Pulvermagazins und der Kirche San Marco zu sehen. Pinien spenden Schatten, es riecht wie in einem Kräutergarten: Rosmarin, Thymian und Salbei wachsen am Wegrand. Reiseleiterin Theodora, die deutschsprachige Gruppen auf der Insel herumführt, warnt vor Schlangen. Auf dem Weg zum Mauerring bleiben die mehrheitlich ungiftigen Reptilien jedoch in ihrem Versteck. Oben angelangt, wird man mit der Aussicht auf Argostoli und das südliche Kefalonia belohnt.

Architektur erinnert an die Adriaküste

Die 734 Quadratkilometer grosse Insel ist ein Eiland für alle Sinne. Schon auf der Fahrt vom Flughafen in Richtung Südküste kann sich das Auge an den Pinktönen der Blumen und Sträucher am Strassenrand kaum sattsehen. Zikaden zirpen lautstark, die Blautöne des Meeres reichen von tiefem Dunkelblau bis zu blassem Türkis. Die für Griechenland typischen weiss getünchten Häuser und blauen Hausdächer sucht man vergeblich. Die Architektur Kefalonias erinnert an jene der italienischen Adriaküste. Die Venezianer, die zwischen dem 14. und 18. Jahrhundert hier herrschten, haben Spuren hinterlassen.

Malerische Badebuchten sind einer der Gründe, weshalb die Touristen auf die Insel kommen. Und die Tatsache, dass Kefalonia von den Massen (weitgehend) verschont geblieben ist. Grosse Hotelkomplexe findet man kaum. Privatunterkünfte und kleine, höchstens dreigeschossige Hotels bleiben die Regel. Direktflüge aus Mitteleuropa gibt es wenige, aus der Schweiz erst seit diesem Jahr. Der Umweg über eine andere Insel oder das griechische Festland verhinderten, dass Kefalonia von einem Touristenboom erfasst wurde. Das Wasser ist glasklar, da es kein aufgewühlter Sand trüben kann. Die meisten Strände bestehen aus Kieselsteinen. Die schönsten sind nur zu Fuss oder per Boot erreichbar.

Karte vergrössern

Myrtos Beach im Norden der Insel ist eine Ausnahme. Der Strand zählt zu den schönsten der Welt und wird von einer engen Serpentinenstrasse erschlossen. Vielen dürfte Myrtos bekannt vorkommen, ziert er doch regelmässig Griechenland-Prospekte. In diesem Fall stimmen Werbung und Realität überein. In der Hauptsaison ist der ein Kilometer lange Strand stark bevölkert. Kindergeschrei und Barmusik übertönen alles. Angrenzende Hotels fehlen, dafür gibt es Süsswasserduschen, WCs, Umkleidekabinen, einen Sonnenschirmverleih, eine Strandbar und auf einer der wenigen sandigen Stellen ein Beachvolleyballfeld. Vom Schwimmen rät Reiseleiterin Theodora wegen gefährlicher Unterströmungen ab. Die meisten würden sich nur die Füsse umspülen lassen, sagt sie. Tatsächlich fällt der Strand nach etwa einem Meter steil ab.

Einheimisches von Einheimischen

Reize überfluten auf Kefalonia nicht nur die Augen, sondern auch den Geschmacksinn. Hier gibt es noch kleine, malerische Tavernen am Meer, wo Einheimische Einheimisches kochen. Zu ihnen gehört Panos Sarris. Zwischen Mai und Oktober führt er die Avithos Preview Taverna am gleichnamigen kleinen Sandstrand. Der 42-Jährige serviert regionale Gerichte, gekocht von seiner Mutter Angela. «Sie war stets Hausfrau. Doch als ich bei der Eröffnung vor 15 Jahren Hilfe brauchte, kam sie und blieb», erzählt er. Sarris schenkt eigenen Wein aus, hausgemachtes Brot und selbst gepresstes Olivenöl aus dem eigenen Hain kommen auf den Tisch.

Die Küche Kefalonias ist venezianisch geprägt. Griechische Gerichte kamen erst später hinzu, als Touristen sie verlangten. Natürlich erhält man auch bei Sarris einen griechischen Salat. Der gelernte Sommelier reichert ihn mit lokalem Feta-Käse und Blättern des Kapernstrauches an. Traditionell ist die Kreatopita, eine Pastete aus Rind-, Schweine- und Ziegenfleisch mit Tomatenmark, Reis und Blätterteig. Letzterer wird mit Wein statt mit Wasser zubereitet.

Wem der Rummel auf Kefalonia dann doch zu viel wird, der findet auf der Nachbarinsel Ithaka Stille. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Man trifft kaum Touristen, und die Infrastruktur der Badestrände ist spärlich. Ithaka lässt sich nur per Schiff erreichen. Von Sami auf Kefalonia aus dauert die Überfahrt mit der Fähre eine halbe Stunde. Vom Kloster Kathara, religiöses Zentrum der Insel und 580 Meter hoch gelegen, bietet sich eine umwerfende Panoramasicht. Vom nahen Campanile ist der Blick auf die Bucht der Inselhauptstadt Vathi unvergleichlich. Im Dunst erahnt man Kefalonia, wo Koutsos die nächste Touristengruppe empfängt – mit einem Glas Wasser.

Die Reise wurde unterstützt von Rhomberg Reisen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch