Die Reise zu einem Unbekannten

Städtereisen können ins Geld gehen. Lucia vom Pfeffer-Team hat einen Weg gefunden, zumindest in Sachen Unterkunft sehr günstig wegzukommen. Der Haken: Die junge Frau musste sich auf eine WG auf Zeit mit einem Unbekannten einlassen.

Kopenhagen reizt mit viel Wasser, viel Farbe und viel Leben.

Kopenhagen reizt mit viel Wasser, viel Farbe und viel Leben.

(Bild: Lucia Schaffer)

Durch einen eher beiläufigen Spruch, dass wir wieder einmal gemeinsam verreisen könnten, buchten meine Freundin Laura und ich eine Reise nach Kopenhagen. Von Anfang an war klar, dass es finanziell möglichst günstige Ferien werden sollten, da wir beide in der Ausbildung sind. Jedoch wollten wir eine Stadt besichtigen, welche uns Spass machen sollte und wo wir viel erleben und besichtigen könnten. Schnell merkten wir, dass auch gut durchdachte und budgetierte Ferien sehr erlebnisreich sein können.

Airbnb, der Hit

Wir suchten im Internet ein Airbnb, was momentan ja der Hit für Ferienunterkünfte ist. Da hat man die Möglichkeit eine Wohnung oder ein Zimmer günstig zu vermieten, während man selber verreist. Viele junge Erwachsene nutzen diese Gelegenheit, um so ihre Miete besser bezahlen zu können. Laura und ich verreisten bereits mehrere Male mit Airbnb und unsere Erfahrungen waren stets positiv. Nach einigen Recherchen stellten wir fest, dass es auch Leute gibt, die nicht nur ihre Wohnung vermieten, während sie selber verreisen, sondern auch solche, die selber gleichzeitig in ihrer «vermieteten» Wohnung leben.

Anfängliche Skepsis

Genau eine solche Wohnung fanden wir in einer Anzeige für Kopenhagen. Wir waren eher skeptisch, als wir ein wunderschönes Apartment eines circa 30-jährigen Herrn fanden, der sein Gästezimmer zu einem sehr günstigen Preis zur Verfügung stellte. Flug und Apartment sollten uns für vier Nächte gerade einmal 200 Franken pro Person kosten – ein Schnäppchen! Doch sollten wir wirklich dieses Angebot nutzen?

Nach einigen Überlegungen und Diskussionen, buchten wir für vier Nächte dieses Apartment. Sofort nach der Buchung bekam ich vom Gastgeber «Monty» eine Zusage, und er fragte mich, was wir gerne für Tipps hätten, da er unseren Aufenthalt so angenehm wie möglich machen wollte. Sympathisch.

Herzliche Begrüssung

In Kopenhagen angekommen, dauerte es eine Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, bis wir bei Monty vor der Tür standen. Dieser begrüsste uns herzlich und lud uns sofort ins Apartment ein. Die Wohnung sah genau so aus wie auf den Bildern, was mich sehr freute. Er erklärte uns, dass wir alle Räume sowie alle Utensilien frei benützen dürfen und dass wir ihn sofort anrufen oder ihm eine SMS schreiben können, wenn wir ihn brauchen. Wir lebten also für die nächsten vier Nächte in einer befristeten WG mit einem Mann, den wir nicht kannten.

Einblick in die WG auf Zeit. Bild: Lucia Schaffer

Monty war sehr anständig und sympathisch, höflich und hilfsbereit. Und so gewöhnten wir uns relativ schnell an unsere kleine WG. Monty war viel unterwegs, übernachtete bei Freunden oder ging früh zur Arbeit und so waren Laura und ich auch öfters alleine im Apartment. So hatten wir unser eigenes, kleines Apartment. Jeder lebte sein Leben, und so lebten wir praktisch auch aneinander vorbei. Kommt das oft in WGs vor?

Viel unterwegs

Laura und ich besichtigten von morgens bis abends die Stadt. Kopenhagen hat sehr viel zu bieten. Vom wunderschönen Hafen über diverse Schlösser bis zum botanischen Garten oder zum Meeraquarium. Alles sieht aus wie im Internet oder auf Bildern, die wir von Freunden sahen. Doch an einem Tag stellten wir dennoch fest, dass doch nicht immer alles so ist, wie auf den Bildern im Internet: Auf einer Seite, die Sehenswürdigkeiten präsentierte, fanden wir eine Strasse, die sich «Superkilen» nennt.

Sie zeichnet sich durch ihren farbenfrohen Boden aus. In den kräftigen Farben Pink, Orange und Rot strahlt sie etwas sehr stilvolles aus. Wir beschlossen diese Strasse zu besichtigen und spazierten von unserem Apartment aus rund eine Stunde zu dieser Sehenswürdigkeit. Dort angekommen konnten wir unseren Augen nicht trauen! Die Strasse war zwar orange und rot aber so abgeschwächt, dass wir dies gar nicht wirklich wahrnahmen – eine Enttäuschung! Schmunzelnd machten wir uns wieder auf den ganzen Weg retour zu unserem Apartment. Der Ausflug hat uns trotzdem Spass gemacht und uns dafür ein anderes Viertel von Kopenhagen gezeigt.

Kurze Wege

Dass alles sehr schnell und zu Fuss zu erreichen war, schätzte ich an der Stadt am meisten. Wir brauchten den Zug nur, um zum Flughafen zu gelangen. Kopenhagen ist ausserdem – genau wie Amsterdam – eine totale Velo-Stadt. So sieht man meist mehr Velofahrer als Autos auf der Strasse. Weiter zu empfehlen ist ein Besuch im Schloss Christiansborg. So majestätisch und elegant habe ich noch nie ein Schloss gesehen. Ich war fasziniert von der Schönheit und dem vielen Gold. Ein Blick ins Internet gibt erste Erkenntnisse über dieses prachtvolle Schloss, das ich nicht in Worte fassen kann. Ich glaube, es gibt kaum etwas in Kopenhagen, das wir in dieser Zeit nicht besichtigen konnten. Dies aber auch, weil fünf Tage doch relativ lange sind, um eine einzige Stadt zu besuchen.

Der Hafen als Highlight

Am meisten gefallen hat mir jedoch der Hafen, für den Kopenhagen weit herum bekannt ist. Er hat eine sehr gemütliche und «heimelige» Atmosphäre. Obwohl sich dort sehr viele Touristen versammeln, strahlt er viel Charme aus und lädt zum Verweilen ein. Wir verweilten mehrere Male an diesem «heimeligen» Ort und machten es uns dort gemütlich. Kopenhagen befindet sich definitiv in meiner Must-have-seen-Liste und war auch mit der Kurzzeit-WG ein voller Erfolg.

Lucia Schaffer (23) wohnt in Steffisburg und studiert Psychologie. Ihre Hobbys sind Joggen, Schreiben, Lesen und Fotografieren.

Thuner Tagblatt

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