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Der beschwerliche Weg nach Baku

Dass die Schweizer Fussball-Nati mindestens zwei EM-Spiele in Baku austragen muss, stellt auch die Organisatoren von Fanreisen vor Herausforderungen.

Gesamtansicht des beleuchteten Olympiastadions in Baku. Foto: Keystone
Gesamtansicht des beleuchteten Olympiastadions in Baku. Foto: Keystone

Seit den 1990er-Jahren qualifiziert sich die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft wieder regelmässig für Welt- und Europameisterschaften. Entsprechend hat die Zahl jener Fans stark zugenommen, welche die Spiele live verfolgen wollen und Trips an die Austragungsorte buchen. Nächstes Jahr, zum 60. Jubiläum der Europameisterschaft, stehen elf Top-Ziele für Städtereisen auf der Liste der Spielorte: Rom, Sankt Petersburg, Kopenhagen. Amsterdam, Bukarest, London, Dublin und Glasgow. Bilbao, München, Budapest.

Der zwölfte Austragungsort hingegen stand bisher nicht unbedingt auf der Wunschliste für verlängerte Wochenenden: Baku am Ufer des Kaspischen Meeres. Genau dort, so wollte es das Los, müssen die Schweizer zweimal antreten, am 13. Juni gegen Wales und am 21. Juni gegen die Türkei. Dazwischen liegt ein Abstecher nach Rom, wo die Schweiz am 17. Juni gegen Italien spielt. Sollten die Schweizer weiterkommen, stünde unter Umständen sogar eine dritte Reise nach Baku an.

Erdöl-Metropole mit pittoresker Altstadt

Baku, die Hauptstadt Aserbeidschans mit ihren gut zwei Millionen Einwohnern, ist durchaus ein attraktives Reiseziel: Die pittoreske Altstadt mit einer Festung in der Mitte, einem Gewirr von engen Gässchen und uralten Häusern, Moscheen, Palästen und Karawansereien ist einen Besuch wert und wurde 2000 von der Unesco ins Verzeichnis des Weltkulturerbes aufgenommen.

Gleichzeitig sind die Altertümer gefährdet: Während des Konfliktes mit Armenien wurde 1992 eine armenische Kirche aus dem 18. Jahrhundert zerstört. Und ungezügelte Bautätigkeit macht auch vor der Altstadt nicht halt. Denn Baku ist gleichzeitig eine Erdöl-Metropole. Wer den Film «Die Welt ist nicht genug» mit Pierce Brosnan als James Bond und Sophie Marceau als Elektra King gesehen hat, kann sich ein Bild von den Auswüchsen der unkontrollierten Spekulation machen.

Zudem liegt Baku, von der Schweiz aus betrachtet, nicht gerade im Zentrum des Universums. Reiseveranstalter, welche die attraktive Nische der Fanreisen bearbeiten, sind deshalb vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Bei Travelclub in Zürich, dem Partner der Schweizer Nationalmannschaft, und bei Ivanmeyertours in Wangen an der Aare BE beurteilt man die Situation skeptisch.

«Baku ist wohl das Schlimmste, was passieren konnte. Wir finden das natürlich nicht so toll», meint Ivan Meyer. «Ich glaube nicht, dass Baku so interessant ist.» Für das zweite Gruppenspiel in Rom hingegen rechnet er mit einer starken Nachfrage, falls genügend Tickets zur Verfügung stünden.

Aufgesplittetes Turnierfeeling

Vertreter des Travelclub waren bei der Auslosung in Bukarest dabei. Dessen Managing Director Victor Tinari, auf Baku angesprochen, wiegelt ab: «Es gibt immer Vor- und Nachteile.» Aber auch er geht nicht davon aus, dass sehr viele Fans nach Aserbeidschan reisen werden. Ohnehin sei das «Turnierfeeling» bei zwölf über den ganzen Kontinent verteilten Spielorten «ein anderes, als wenn die EM in einem einzigen Land ausgetragen wird».

Als Highlight erachtet Tinari das Italien-Spiel in Rom. Aber er schreibt Baku nicht ab, wobei er davon ausgeht, dass das erste Spiel gegen Wales mehr Fussballbegeisterte anlocken dürfte als das zweite gegen die Türkei. «Zudem werden sich etliche Fans sagen, dass sie bei anderer Gelegenheit niemals nach Baku kämen.» Tinari hat auch festgestellt, dass es «um Baku und die Kaukasus-Region jüngst ja auch einen gewissen Hype gegeben hat». Und schliesslich hätten auch andere «exotische» Destinationen überraschend viel Interesse geweckt, etwa Gibraltar oder die Färöer-Inseln.

Charterverbindung stösst auf Interesse

Deshalb wird der Travelclub für alle drei Spiele in Rom und Baku Arrangements anbieten und dazu auch eine Kombination aller Schweizer Spiele. Nach Baku werde man «voraussichtlich einen Charter auflegen», dies nach der Erfahrung mit dem WM-Spiel 2018 gegen Brasilien im russischen Rostow am Don.

Die individuelle Anreise dorthin mit zweimal Umsteigen hätte fast 24 Stunden gedauert. Entsprechend kam die angebotene direkte Charterverbindung bei den Fans gut an. Somit, meint Tinari, dürften viele von ihnen auch die Baku-Reise bei einem Spezialisten buchen.

Bei Ivanmeyertours konzentriert man sich hingegen, trotz Fussball-EM, auf das übrige Angebot. So ist zum Beispiel im Januar eine Jassreise nach München geplant, wobei der Fussball auch hier nicht zu kurz kommt: Geplant ist der Besuch eines Spiels des FC Bayern München in der Allianz-Arena.

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