Oh, was für Gastgeber!

Südtiroler Hotels sind die Musterknaben der Branche. Wir stellen fünf innovative Konzepte von Mals bis Bozen vor.

Raffiniert in die Umgebung eingebettet: Eingang zur «Apfelsauna» des Torgglerhofs in Saltaus. Fotos: PD

Raffiniert in die Umgebung eingebettet: Eingang zur «Apfelsauna» des Torgglerhofs in Saltaus. Fotos: PD

Internationale Hotelriesen haben es schwer in Südtirol. Die Mehrzahl der Herbergen zwischen Glurns und Kalterer See bleiben in Familienbesitz. Und oft sorgt die junge Generation für neuen Schwung.

Apfelhotel Torgglerhof, Saltaus

Von weitem sieht die Häusergruppe im Passeiertal wie ein typischer Obstbaubetrieb aus: ein Haupthaus mit Nebengebäuden, flankiert von Apfelplantagen. Erst bei näherem Betrachten fällt auf, dass es sich um einen modernen Hotelbetrieb handelt. «Der Apfel ist bei uns Programm», sagt Maria Pichler, 29. Sie führt den Familienbetrieb zusammen mit Eltern und Geschwistern – wie das in Süd­tirol oft der Fall ist. 2016 lancierten die Pichlers einen Architekturwettbewerb, um Impulse für die Weiterentwicklung des Hauses zu erhalten. Zusammen mit dem Architekten Christian Rottensteiner aus Bozen realisierte man einen ersten Ausbauschritt.

Die Kombination von Lärchenholz mit modernen Leuchten und Dekorelementen in den neun neuen Zimmern im Stadel wirkt bestechend. Auf dem Rundgang durch den grossen Garten stösst der Besucher auf ein Schmuckstück: Die moderne, lichtdurchflutete finnische «Apfelsauna», raffiniert in die Umgebung eingebettet. «Unsere Gäste sollen den Apfel-Zyklus erfahren», erklärt Maria Pichler. Blüte, Reife, Ernte und Veredelung seien beim Umsetzen des neuen Konzepts in die Überlegungen mit eingeflossen. Im Erdgeschoss des Stadels richtete die Familie einen Hof­laden mit über 30 hausgemachten Produkten ein. Verkaufsschlager ist der Apfelsekt, den Marias Bruder Martin Pichler, 27, produziert.


Andreus Golf Lodge, St. Leonhard in Passeier

Das 33-Zimmer-Haus ist erst zwei Jahre alt und überzeugt mit einem schönen Spa- und Saunaangebot. Der grosszügig gestaltete Eingangs- und Empfangsbereich macht dem Hotelnamen alle Ehre – dank gemütlicher Lodge-Ambiance.

Ein besonderes Juwel ist die Aussenanlage: ein Naturbadesee mit integriertem, ganzjährig beheiztem 28-Meter-Infinitypool, umgeben von einer mediterranen Gartenwelt. Das Resort wirkt äusserst modern; mit einer original nachgebauten Stube aus dem Passeiertal würdigt man aber auch die Tradition. «Wir wollten eine moderne, dennoch nicht zu kalte Atmosphäre schaffen», sagt Michael Fink, der den Betrieb zusammen mit seinen Eltern Helga und Richard Fink und dem älteren Bruder Daniel führt. Gastgeber sind Finks zudem in den beiden Traditionshäusern Andreus und Sonnenalm.

Die Golf Lodge komme bei den Gästen sehr gut an. 30 Prozent stammen aus der Schweiz, 50 Prozent aus Deutschland. Und für Golfer ist das Hotel eine Top-Adresse: Der Golfplatz Passeier liegt sozusagen vor der Haustür.


Garberhof Mals

Das Hotel unweit der Schweizer Grenze heisst so, weil der Grossvater von Klaus Pobitzer von Beruf Gerber war. 1981 wurde es eröffnet, 2002 übernahm Klaus Pobitzer von den Eltern.

«Später wandelten wir das Haus in mehreren Etappen zum Wellnesshotel um», resümiert ­Pobitzer. Es entstand ein neuer Wellness­bereich, 2009 wurde Italiens grösster Hamam eröffnet. Vor zwei Jahren stand die komplette Erneuerung von Pool und Saunabereich an. Die Poollandschaft ist heute das unbestrittene Highlight. Innenpool und Aussenpool gehen scheinbar nahtlos ineinander über.

Holz und Glas dominieren die Architektur im Innern. Atemberaubend die Aussicht, die man vom Schwimmbecken aus in den oberen Vinschgau geniesst. «Wir sind ein Kraftort», sagt Hotelier Pobitzer. Nicht nur für ruhesuchende Individualgäste, sondern auch für Teams aus dem internationalen Profifussball, die hier ideale Trainingsbedingungen vorfinden.


Klein fein Hotel Anderlahn, Partschins

Das heutige Wellnesshotel wurde 1978 als Pension mit 33 Betten eröffnet, schon damals gab es ein Hallenbad. In verschiedenen Etappen erweiterte man den Betrieb. Attraktion des Anderlahn ist der Wellness-Vital-Garden, letztes Jahr vollendet: ein modern gestalteter Erweiterungsbau mit Infinitypool, umgeben von einem Naturteich, mit Tauchbecken, Whirlpool und Panoramasauna. «Wir bleiben klein und fein», betont Seniorchef Klemens Kaserer.

Die Gäste schätzen die familiäre Atmosphäre und die Ruhe. Das neue Wellness-Juwel bleibt Besuchern ab 15 Jahren vorbehalten. «75 Prozent der Gäste sind Stammgäste», sagt Kaserer. Seit vier Jahren gehört der Familienbetrieb zu den Südtiroler Vinum-Hotels. Täglich empfiehlt Sohn Janek, jüngster Sommelier Südtirols, die Weinbegleitung zum Abendessen. Eines der neuen Zimmer im Wellness-Vital-Garden heisst «Peter Mitterhofer» – zur Erinnerung an den Erfinder der Schreibmaschine, der aus Partschins stammte.


Parkhotel Holzner, Oberbozen

Der 111-jährige Bau thront majestätisch auf 1200 Meter über Meer. «Wir leben Geschichte», sagt Wolfgang Holzner, der das Haus auf dem Rittner Hochplateau in vierter Generation führt.

Das einstige Sommerfrische-Refugium war im alpinen Jugendstil eingerichtet worden. Zahlreiche Zimmer im Haupthaus versprühen noch heute diesen ­unvergleichlichen Charme. «Unsere Familie hat viele Einrichtungsgegenstände zusammengetragen – etwa eine Sammlung von 250 originalen Leuchten.»

Doch Holzners Blick richtete sich in die Zukunft. 2012 schrieb er einen Architekturwettbewerb aus, um Ideen für die Aufwertung und Neupositionierung des Betriebes zu sammeln. Schliesslich wurde das Holzner nach den Plänen des Architekturbüros Bergmeisterwolf aus Brixen zu einem zeitgemässen Resort erweitert. Das Leitmotiv: Die lebendige Geschichte wird nicht verleugnet, die Tradition jedoch kühn mit der Moderne verbunden.

Da kommt es schon mal vor, dass ein neuer Treppenübergang im Haupthaus über eine ursprüngliche Stiege führt, die man immer noch erkennen kann. In einem neuen, teils unterirdischen Anbau wurden elf Suiten, ein grosszügiger Spa-Bereich, eine Poollandschaft sowie eine Garage eingebaut. Im Haupthaus gehen aus dem Gründungsjahr stammende Jugendstilornamente nun in die klare Linienführung zeitgemässer Architektur über.

Neu ist auch die direkte Verbindung zum mehrfach ausgezeichneten À-la-carte-Restaurant 1908. Wer hier tafelt, erlebt überraschende Gaumenfreuden. Das Besondere: Statt Wein wird pro Gang auf Wunsch Edel-Apfelsaft in abenteuerlichen Geschmacksrichtungen gereicht – etwa Bergapfelsaft und Hopfen.

Die Reise wurde unterstützt von IDM Südtirol.



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