Rennen um Ermotti-Nachfolge wird zum Dreikampf

Neben Iqbal Khan tauchen nun auch zwei Frauen für den Chefposten der grössten Schweizer Bank auf. Ein Mann ist beim Stühlerücken der grosse Verlierer.

Sergio Ermottis Zeit als Chef der UBS wird wohl bald vorbei sein. Mit einem Umbau der Geschäftsleitung wurde der Kampf um seine Nachfolge neu lanciert. Foto: Ennio Leanza/Keystone

Sergio Ermottis Zeit als Chef der UBS wird wohl bald vorbei sein. Mit einem Umbau der Geschäftsleitung wurde der Kampf um seine Nachfolge neu lanciert. Foto: Ennio Leanza/Keystone

Nun ist bestätigt, was Recherchen dieser Zeitung gestern gezeigt haben: Iqbal Khan wird neuer Co-Leiter des Vermögensverwaltungsgeschäft. Dies teilt die Bank heute Morgen mit. Er übernimmt von Martin Blessing. Dieser wechselte 2016 als ehemaliger CEO der Commerzbank zur UBS. Nun wird er von Khan verdrängt, der als möglicher Nachfolger von UBS-Chef Sergio Ermotti gilt.

Martin Blessing war einst selbst als möglicher Nachfolger von Sergio Ermotti an der Spitze der Grossbank gehandelt worden. Der 56-Jährige führte zusammen mit Tom Naratil die Vermögensverwaltung. Der Druck auf die beiden stieg jedoch an, nachdem Analysten die letzten Quartalszahlen beim Vermögensverwaltungsgeschäft als negativ betrachteten. Der Aktienkurs brach unter 10 Franken ein.

Dies hat nun Auswirkungen - zumindest für den Deutschen Blessing. Naratil verbleibt als Co-Chef der Vermögensverwaltung bei der UBS. In seiner Abschiedsmail an die Mitarbeiter will Blessing nichts von einem Rauswurf wissen; er habe bereits im Juni UBS-Chef Ermotti von seinen Plänen informiert, die Bank verlassen zu wollen.

Blessing der grosse Verlierer

Blessing war acht Jahre Chef der deutschen Commerzbank. Als er dann zum Schweiz-Chef der UBS ernannt wurde, war dies erst einmal eine Überraschung: Ein Deutscher an der Spitze des Schweiz-Geschäfts. Doch schon bald wurde er befördert und übernahm im Vermögensverwaltungsgeschäft die Leitung. Er wurde dort Nachfolger von Jürg Zeltner, der die Bank auf Ende 2018 verliess.

Blessing, der als ehemaliger CEO der Commerzbank bei der UBS als Hoffnungsträger eingestiegen ist, ist nun der grosse Verlierer. Er gilt als Vertrauter von UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber. Aber auch Ermotti selbst kannte Blessing bereits vor seiner Zeit bei der UBS.

Die Rochade an der Spitze der Vermögensverwaltung ist nicht die einzige Personalie, die die UBS heute mitgeteilt. Zu einer Änderung kommt es auch an der Spitze der UBS-Sparte Asset Management. Die bisherige Investment-Chefin der Sparte, Suni Hartford, übernimmt die Leitung von Ulrich Koerner, der nach zehn Jahren in der Konzernleitung zurücktritt.

Seine Funktion als President UBS Europe, Middle East and Africa übernimmt Sabine Keller-Busse zusätzlich zu ihrer aktuellen Funktion als Group Chief Operating Officer.

Gerade die Ausweitung der Macht von Keller-Busse zeigt: Ex-CS-Banker Khan ist nicht alleine im Rennen um den CEO-Posten. Keller-Busse hat nun die Funktion inne, auf dem sich Ermotti selbst einst bewähren musste, bevor er zum CEO der Bank aufstieg. Mit Keller-Busse und nicht zuletzt auch Suni Hartford sind nun drei mögliche Nachfolgerinnen beziehungsweise Nachfolger für den Posten von Ermotti in der Geschäftsleitung.

Khan, der 43-Jährige Schweizer mit pakistanischen Wurzeln ist aber weiterhin auf der Pole-Position: Immerhin hat er künftig die Leitung der wichtigsten Sparte inne. Die Frage wird sein, wie er mit dem anderen Co-Leiter der Vermögensverwaltung, Tom Naratil, harmonieren wird. Khan gilt als extrem ehrgeizig. Naratil dagegen werden auch noch Ambitionen zugeschrieben, zudem hat er das Vertrauen von Ermotti. Die neue Doppelspitze im Kerngeschäft der UBS verspricht explosiv zu werden.

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