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Wahlkampf ums StadtpräsidiumRighetti setzt Grünliberale und CVP unter Zugzwang

Das Vorgehen der BDP, ihren Kandidaten Claudio Righetti auch für das Stadtpräsidium aufzustellen, überrascht. Und sorgt für eine neue Ausgangslage.

Gabriela Blatter (Präsidentin Grünliberale Stadt Bern), Bettina Jans-Troxler (Präsidentin EVP Stadt), Philip Kohli (Vizepräsident BDP Stadt Bern) und Sibyl Eigenmann (Präsidentin CVP Stadt Bern) Mitte März bei der Bekanntgabe, dass sie gemeinsam bei den Gemeindewahlen antreten.
Gabriela Blatter (Präsidentin Grünliberale Stadt Bern), Bettina Jans-Troxler (Präsidentin EVP Stadt), Philip Kohli (Vizepräsident BDP Stadt Bern) und Sibyl Eigenmann (Präsidentin CVP Stadt Bern) Mitte März bei der Bekanntgabe, dass sie gemeinsam bei den Gemeindewahlen antreten.
Foto: Christian Pfander

Am Tag nach der Bekanntgabe der Nomination von Claudio Righetti als BDP-Gemeinderatskandidat klingt Philip Kohli müde. «Es waren viele Gespräche in der letzten Zeit», sagt der Vizepräsident der BDP Stadt Bern. Die BDP hatte im Vorfeld einige Kandidierende im Visier gehabt, schliesslich aber mit dem Netzwerker Righetti «den optimalen Mann» gefunden. «Er kann Bern gut verkaufen, lockt Unternehmen und Leute in die Stadt. Es wäre eine verschenkte Chance gewesen, ihn nur als Gemeinderatskandidaten aufzustellen», begründet Kohli den Entscheid seiner Partei, Righetti gleich auch als Kandidaten für das Stadtpräsidium zu lancieren. Dieser ist damit bislang der einzige Gegenkandidat von Amtsinhaber Alec von Graffenried (GFL).

Da geht es lang: Claudio Righetti überrascht mit seiner Kandidatur für das Stadtpräsidium die städtischen Parteistrategen.
Da geht es lang: Claudio Righetti überrascht mit seiner Kandidatur für das Stadtpräsidium die städtischen Parteistrategen.
Foto: Adrian Moser

Die BDP gab Mitte März die Bildung eines Wahlbündnisses mit EVP, CVP und Grünliberalen bekannt. Kohli betont, dass die Partnerparteien auf der Mitteliste über die geplante Kandidatur für das Stadtpräsidium informiert gewesen seien: «Wir haben von Anfang an offen kommuniziert, aber einfach den Namen nicht genannt, um einen Überraschungseffekt zu bewirken.»

Philip Kohli (Vizepräsident der BDP Stadt Bern) findet nicht, dass seine Partei vorgeprescht ist. «Da wären wir ja lustige Listenpartner, wenn wir nicht offen kommunizieren würden.»
Philip Kohli (Vizepräsident der BDP Stadt Bern) findet nicht, dass seine Partei vorgeprescht ist. «Da wären wir ja lustige Listenpartner, wenn wir nicht offen kommunizieren würden.»
Foto: Christian Pfander

Steigt Nause auch ein?

Sibyl Eigenmann, Präsidentin der CVP Stadt Bern, zeigt sich auf Anfrage erfreut über die Nomination von Claudio Righetti, von der sie aus den Medien erfahren hat. «Wir wussten zwar nicht, wer es sein würde, aber dass es sich um eine bekannte Persönlichkeit handelt», sagt sie. Von der Kandidatur von Righetti für das Stadtpräsidium erhofft sie sich, dass diese mithelfe, dass die Liste für die Wähler attraktiv wird.

Aber auch CVP-Gemeinderat Reto Nause hat als amtierendes Regierungsmitglied und Vizestadtpräsident Argumente auf seiner Seite, die für eine Kandidatur von ihm sprechen. Wird also Nause nachziehen und ebenfalls für das Stadtpräsidium kandidieren? «Es ist noch alles offen, wir beobachten die Situation», sagt Eigenmann.

Sibyl Eigenmann, Präsidentin der CVP Stadt Bern, findet, dass der Name von Claudio Righetti ihre Liste attraktiver macht.
Sibyl Eigenmann, Präsidentin der CVP Stadt Bern, findet, dass der Name von Claudio Righetti ihre Liste attraktiver macht.
Foto: Chrisitan Pfander

Zieht Marianne Schild nach?

Die Grünliberalen haben Mitte März Marianne Schild als Kandidatin für die Gemeinderatswahlen aufgestellt. «Wir sind nicht überrumpelt. Als Bündnispartner wurden wir von der BDP informiert, dass auch eine Stadtpräsidiumskandidatur infrage kommt», sagt Schild. Sie persönlich habe Righetti nicht gekannt, aber jede Persönlichkeit tue ihrer Liste gut und steigere die Zahl der Listenstimmen, betont sie.

Ihr persönlich wäre lieber, wenn Righetti nicht als Stadtpräsident kandidieren würde. «So bekommt Alec von Graffenried eine unnötige Plattform», findet sie. Mit der Kandidatur von Righetti hat sich aber auch für sie die Ausgangslage verändert: «Wenn nun jeder bei der Stapi-Wahl mitmacht, werde auch ich es mir überlegen», sagt sie. Wahlchancen als Stadtpräsidentin gibt sie sich aber als Newcomerin keine.

Marianne Schild, Gemeinderatskandidatin der Grünliberalen, überlegt sich nun eine Kandidatur für das Stadtpräsidium.
Marianne Schild, Gemeinderatskandidatin der Grünliberalen, überlegt sich nun eine Kandidatur für das Stadtpräsidium.
Foto: Franziska Rothenbühler

Aussichtslos und teuer

Claudio Righettis Kandidatur bringt auch die Gemeinderatskandidaten auf der FDP-SVP-Liste unter Zugzwang. Bislang hatten Bernhard Eicher (FDP) und Thomas Fuchs (SVP) darauf gehofft, dass es zu keinem Wahlkampf um das Stadtpräsidium kommen würde. So hätten sie sich die Kosten für einen aussichtslosen Wahlkampf sparen können. Ein solcher kann schnell mehrere Zehntausend Franken kosten.

Die zwei Kandidaten wollen auch jetzt nichts überstürzen: «Ich habe von der Ankündigung von Claudio Righetti Kenntnis genommen», sagt Bernhard Eicher. «Wir haben unseren Fahrplan schon lange definiert und werden uns zu gegebener Zeit zum Stadtpräsidium äussern», betont Eicher.

Auch SVP-Gemeinderatskandididat Thomas Fuchs will mit einem Entscheid noch zuwarten. Er sieht auch keinen Grund zur Eile. Dies, weil er es für möglich hält, dass Claudio Righetti seine Kandidatur noch zurückziehen wird, wenn der Druck der anderen Parteien auf der Mitteliste zu gross wird.

Das sagen die Grünen und die SP

Bei den Grünen sieht man davon ab, ins Rennen ums Stadtpräsidium einzusteigen. «Wir RGM-Parteien unterstützen die Kandidatur von Alec von Graffenried», sagt Gemeinderätin Franziska Teuscher (Grüne).

Um eine Nuance anders klingt es bei SP-Gemeinderat Michael Aebersold. «Ich habe bislang nicht vorgehabt, die Schuhe für einen Stapi-Wahlkampf zu schnüren. Aber ich werde das Thema mit meiner Partei aufgrund der neuen Ausgangslage nochmals diskutieren», sagt er.