Riskant nah am Moor

Pro Natura und Birdlife wehren sich gegen den Autobahnzubringer im Säuliamt, der ein Schutzgebiet tangiert. Im Oberland erlitt der Kanton bei ähnlicher Ausgangslage eine Niederlage.

So würde es am Rand von Ottenbach aussehen, wenn hier dereinst der Autobahnzubringer rechts Richtung Moorlandschaft abzweigen würde. Visualisierung: Baudirektion Kanton Zürich

So würde es am Rand von Ottenbach aussehen, wenn hier dereinst der Autobahnzubringer rechts Richtung Moorlandschaft abzweigen würde. Visualisierung: Baudirektion Kanton Zürich

Marius Huber@tagesanzeiger

Im Säuliamt bahnt sich ein Konflikt an, der in den Grundzügen stark an jenen um die Oberlandautobahn erinnert. Dieser endete für die Kantonsregierung mit einer Niederlage vor Bundesgericht, weil sie den Strassenbau zu Unrecht über den Moorschutz gestellt hatte.

Die Konfliktstellung im Säuliamt ist ähnlich, und auch dort gehen die Naturschützer jetzt in den Widerstand. Am kommenden Donnerstag läuft die Einsprachefrist gegen das Bauprojekt für jenen Autobahnzubringer ab, zu dem die Zürcher Stimmberechtigten vor zwei Jahren deutlich Ja gesagt haben. Ein 40-Millionen-Franken-Projekt, das die beiden kleinen Gemeinden Obfelden und Ottenbach vom Durchgangsverkehr entlasten soll.

Diesmal sind die Grenzen unumstritten

Einsprachen dagegen reichen unter anderem Pro Natura und Birdlife Zürich ein, wie die Geschäftsleiter Andreas Hasler und Thomas Kuske auf Anfrage sagen. Die Naturschutzorganisationen wären damit später berechtigt, den Strassenbau vor Gericht anzufechten. So, wie sie das schon im Fall der Oberlandautobahn machten. Sie stören sich daran, dass das Bauprojekt gleich mehrere Objekte von nationaler Bedeutung tangiert: ein Flachmoor, ein Amphibienlaichgebiet und die schützenswerte Reusslandschaft.

Es gibt aber einen Unterschied zum Kampf um die Oberlandautobahn. Damals kritisierten die Naturschützer, der Kanton habe die Grenzen der Schutzgebiete extra zu eng gezogen, dass sie dem Strassenbau nicht in die Quere kommen. Im Säuliamt stören sie sich daran, dass die Gebiete trotz korrekt gezogener Grenzen angeschnitten werden.

Laut Kanton mit Naturschutz vereinbar

Baudirektor Markus Kägi (SVP) und die Projektverantwortlichen informierten vor einem Monat vor Ort über ihr Vorhaben. Dabei beteuerte Marco Pezzatti, der stellvertretende Chef des Amts für Landschaft und Natur, dass der Strassenbau mit der Umweltgesetzgebung vereinbar sei. Es sei allerdings Tatsache, dass ein kleines Stück einer bestehenden Naturschutzzone an die Strasse verloren ginge. Dafür brauche es eine Ausnahmebewilligung. Zudem seien Ersatzmassnahmen geplant, weil die Strasse die schützenswerte Reusslandschaft tangiere.

Dagegen wehren sich nicht nur Pro Natura und Birdlife, sondern auch eine lokale Interessengemeinschaft, die den Bau des Autobahnzubringers schon vor der Volksabstimmung bekämpfte. Auch sie reicht nun eine Einsprache ein, wie Präsident Adrian Halter auf Anfrage sagt, und sie macht dabei noch etwas anderes geltend: Die Verkehrsmenge sei nicht in jenem Ausmass angeschwollen wie im Vorfeld der Abstimmung prognostiziert. Der Autobahnzubringer sei also nicht angemessen.

Einsprache eingereicht haben auch mehrere Privatpersonen aus dem Dorf, darunter der frühere Ottenbacher Gemeindepräsident Willy Bonvin. Ihnen geht es vor allem um den Lärmschutz. Das Ehepaar Bonvin etwa würde künftig unmittelbar neben dem Autobahnzubringer wohnen. Die vom Kanton versprochenen Schallschutzfenster genügen ihnen nicht.

Baubeginn frühestens 2017

Noch lassen es die verschiedenen Akteure offen, ob einer von ihnen den Strassenbau im Säuliamt dereinst zum Gerichtsfall machen wird. Sollten sie darauf verzichten, könnten die Bauarbeiten laut Baudirektion 2017 beginnen und innert drei Jahren abgeschlossen sein.

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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