Rollenbilder auf allen Ebenen

Thun

Frauenstreik, Gleichstellung bei den Geschlechtern oder aber die Veränderung der gesellschaftlichen Rollenbilder rücken immer mehr in den Fokus. Im Moditräff erzählen drei Thuner Mädchen, wie sie ihre Zukunft als Frau sehen.

Wie Stars in sozialen Medien auftreten, prägt Mädchen und ihre Rollenbilder. Foto: Stotshop

Wie Stars in sozialen Medien auftreten, prägt Mädchen und ihre Rollenbilder. Foto: Stotshop

«Die Jungs verstehen uns teilweise einfach nicht», sagt Rina auf die Frage, ob Männer und Frauen Verständigungsprobleme hätten. Dem pflichtet Jasmin bei: «Ich kenne auch solche Situationen zwischen Männern und Frauen, besonders wenn es dabei zu Missverständnissen kommt.» Rina (11), Jasmin (15) und Niloofar (11) gehen in Thun in die Schule. Die drei Mädchen besuchen häufig die Angebote vom Moditräff und machen an den Aktivitäten mit. Hier können sie unter sich sein, ihre Freizeit selbst gestalten und über gleiche Themen reden.

Auch über das Rollenbild der Frau? «Um ehrlich zu sein, nicht wirklich. Das ist noch so weit weg, da haben wir bis jetzt noch nicht so darüber nachgedacht», sagt Jasmin und ergänzt: «Was mir aber aufgefallen ist, ist, dass Frauen auch immer mehr Berufen nachgehen, die grundsätzlich eher von Männern ausgeübt werden.» Niloofar ergänzt: «Wir haben in der Schule bis jetzt noch nicht über die zukünftige Berufswahl gesprochen, das kommt nächstens dran.

«Ich denke, wenn sie wollen, können Frauen auch in Männer- berufen Fuss fassen.» Jasmin

Aber es stimmt schon, man denkt als Mädchen nicht sofort an einen Beruf wie beispielsweise Feuerwehrmann.» – «Es fängt doch schon beim Namen an, wenn, dann schon Feuerwehrfrau», sagt Rina. Jasmin hat schon in einen «Männerberuf» reingesehen: «Ich durfte letztens mal in eine Logistikabteilung reinschnuppern. Die Arbeit war schon ziemlich anstrengend, aber es hat mir gefallen. Ich denke, wenn sie wollen, können Frauen auch in Männerberufen Fuss fassen.»

Rollenbilder auf Instagram

In den Räumen des Moditräff liegen viele Teenie-Zeitschriften für die Mädchen parat. «Ich wollte vorher schauen, ob etwas über Billie Eilish steht», sagt Rina. «Ja, sie ist schon eine coole Sängerin», ergänzt Niloofar. Solche Sängerinnen wie Billie Eilish oder Miley Cyrus, aber auch deutsche Rapper wie Azet, Capital Bra oder Mero stehen bei den Mädchen hoch im Kurs. Sie sind dabei sehr häufig in den sozialen Medien unterwegs und folgen dort vielen ihrer grössten Idole.

«Ich hätte mich nicht dafür, mich so ablichten zu lassen. Die Bilder könnten falsche Signale senden.»Rina

Instagram ist ihre absolute Lieblings-App. Die Mädchen posten wie viele andere Jugendliche auch regelmässig Bilder von sich und schauen häufig nach, was die Stars für Bilder und Storys hochladen. Dabei präsentieren sich gerade weibliche Prominente hin und wieder halb nackt und in verruchten Posen.

Was sagen die Mädchen über die Bilder? Finden sie das in Ordnung? Jasmin meint: «Grundsätzlich ist es ja ihr gutes Recht, wenn sie solche Fotos von sich schiessen. Es ist deren Lifestyle. Ich jedenfalls könnte das aber nicht machen, das würde mir nicht gefallen. Ich hätte auch nicht den Mumm dazu.» Rina ist der gleichen Meinung: «Ich hätte mich jetzt auch nicht dafür, mich so ablichten zu lassen. Aber es stimmt schon, die Bilder könnten falsche Signale senden.»

Sexismus im Alltag

Die Mädchen haben auch schon Erfahrungen mit Sexismus gemacht: «Einmal haben die Jungs Gruppen gemacht, weil sie Fussball spielen wollten. Ich wollte auch mitmachen, bekam aber von ihnen eine Abfuhr. Ihre Begründung war schlicht und einfach: weil ich ein Mädchen sei», sagt Rina. Sie und Niloofar seien daraufhin unter sich gewesen und hätten selbst Fussball gespielt. Weiter sagt Rina: «Die Aussage von den Jungs fand ich absolut blöd. Ich gehe zum Beispiel ins Boxen, und da hat auch niemand was dagegen.»

«Wenn die Frauen gleich viel arbeiten wie die Männer, sollen sie auch den gleichen Lohn erhalten.»Niloofar

Die drei Mädchen sind sich weitgehend einig, dass die heutigen beruflichen Perspektiven bei Frauen gegenüber früher besser geworden sind: «Heute ist es ja für Frauen kein Thema mehr, ob sie zum Beispiel Ärztin werden können. Sie machen es einfach», sagt Niloofar. In der Schule bekommen sie dasselbe Gefühl mit. «Ich finde es gut, dass uns eine breite Palette an Berufen vorgestellt wird», sagt Jasmin.

Ihnen sind aber auch die teils grossen Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen aufgefallen, was sie grundsätzlich nicht verstehen. Niloofar sagt: «Es ist ungerecht. Wenn die Frauen gleich viel arbeiten wie die Männer, sollen sie auch den gleichen Lohn erhalten.» Rina ergänzt: «Ja, genau. Mensch ist Mensch. Ich würde mich immer dafür einsetzen, den gleichen Lohn zu erhalten.»

Und wie sieht das bei ihren Müttern aus? «Meine Mutter arbeitet zurzeit nicht, da ich noch eine kleine Schwester habe», sagt Niloofar. Bei den anderen beiden Mädchen ist die Arbeitssituation der Mutter ähnlich. Jasmin meint: «Wenn eine Frau Kinder bekommt und Mutter wird, dann kümmert sie sich ja meistens um das Kind und lässt die Arbeit pausieren.

Aber ich kann mir auch vorstellen, danach wieder zu arbeiten respektive dass auch die Männer vermehrt miterziehen und Teilzeit arbeiten.» Dem stimmen Niloofar und Rina zu: «Es sollte doch möglich sein, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Dazu muss man miteinander reden – und das ohne Verständigungsprobleme», sagt Rina.

Arbër Shala (25) wohnt in Thun, studiert an der PH Bern und mag Fussball, Salsa, Unihockey, Sprachen, Kunst.

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