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Interlakner HotelprojektRückschlag für Des-Alpes-Areal – Investor springt ab

Die Investorin Boissée Finances hat sich wegen der Corona-Krise zurückgezogen. Die Gemeinde will jedoch an ihren Plänen für das Des-Alpes-Areal festhalten.

Das Hotelprojekt auf dem Interlakner Des-Alpes-Areal. Ob es realisiert wird, steht nach dem Rückzug der Investorin in den Sternen.
Das Hotelprojekt auf dem Interlakner Des-Alpes-Areal. Ob es realisiert wird, steht nach dem Rückzug der Investorin in den Sternen.
Visualisierung: zvg

Schwerer Rückschlag für die Entwicklung des Interlakner Des-Alpes-Areals: Die Investorin Boissée Finances hat sich zurückgezogen. Wegen der Corona-Krise sistiere das international tätige Hotelunternehmen sämtliche Investitionspläne, teilte die Gemeinde Interlaken am Mittwoch mit. In Interlaken wollte die Hotelgruppe ein Vier-Sterne-Hotel bauen lassen und ab 2024 selber betreiben. Die Pläne waren im Januar bekannt geworden.

«Interlaken ist eine sehr attraktive Destination. Hier werden mehr Logiernächte generiert als in der Stadt Bern. Ausserdem ist sie breit abgestützt», begründete damals Vincenzo Ciardo gegenüber dieser Zeitung die etwas überraschenden Investitionspläne seines Arbeitgebers. Der Thuner ist Partner und Directeur d’Exploitation an der Spitze der SHRF SA, dem Arm von Boissée Finances in der Schweiz. Und natürlich sei das Des-Alpes-Areal an idealer Lage: am geschichtsträchtigen Höheweg und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kongresszentrum, sagte Ciardo weiter. Und: «Wir sind überzeugt, dass man hier ein Hotel nachhaltig rentabel betreiben kann.»

Urs Graf: «Ein empfindlicher Dämpfer»

Nun hat also die Corona-Krise zu einem Umdenken geführt. «Das ist ein empfindlicher Dämpfer für das vielversprechende Projekt, das gerade in der jetzigen Zeit wertvolle Zuversicht vermittelt hätte», erklärt Gemeindepräsident Urs Graf in einem Communiqué. Die Entwicklungspläne für das Areal seien damit aber keineswegs vom Tisch. Der Gemeinderat werde nun die Rahmenbedingungen unter der veränderten Situation prüfen und dann über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die Losinger Marazzi AG sollte das Hotel bauen. «Wir bedauern die aktuellen Entwicklungen sehr, sind aber nach wie vor von diesem Projekt überzeugt», wird CEO Pascal Bärtschi zitiert. «Wir werden alle Optionen prüfen, um die Entwicklung des Areals zusammen mit der Gemeinde weiterzuführen.»

Lange Geschichte

Die Zukunft des Des-Alpes-Areals beschäftigt Interlaken seit Jahren. 2014 war ein erster Anlauf für eine Überbauung an der Urne gescheitert. Das Volk hatte es damals klar abgelehnt, das gemeindeeigene Areal an bester Lage mit Blick auf die Jungfrau zu verkaufen.

Vorgesehen waren der Bau eines Hotels, Wohnbauten und eine Einstellhalle. Die Gegner beteuerten damals, sie seien nicht gegen ein Hotelprojekt. Nichts wissen wollten sie von Wohnungen, denn von diesen gebe es schon genug.

2017 beschloss der Gemeinderat, die Entwicklung wieder aufzunehmen. Ein vom Gemeinderat eingesetztes Auswahlgremium prüfte die Projekte von sieben potenziellen Entwicklungspartnern. Als Sieger ging das Team Losinger Marazzi/Boissée Finances hervor. Das Angebot von rund 4,5 Millionen Franken für die Übernahme des Hotelareals sei attraktiv, befand der Gemeinderat im Januar.

sda/jez