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Kunst in Winterthur

Dank Kaffee- und Baumwollhandel zur Hauptstadt der Fotografie

„Betrachtet man Winterthur von oben, sieht man eigentlich zwei Eier, die an ihren Spitzen aufeinander stehen: Die Altstadt ist ein Hühnerei, das Industriegebiet ein Entenei, und der Bahnhof der Punkt, an dem sich beides berührt.“ Urs Stahel ist es gewohnt, in Bildern zu denken. Vor bald 20 Jahren hat er das Fotomuseum Winterthur mitbegründet, das inzwischen als eines der wichtigsten Zentren für Fotografie gilt. Im Museum, einer ehemaligen Textilfärberei, zeigt man die grossen Meister der Vergangenheit und die zeitgenössischen Stars, aber auch Architektur-, Polizei- oder Modefotografie. Gleich gegenüber, ebenfalls in einem Industriegebäude, hat sich 2003 die Fotostiftung Schweiz angesiedelt, die sich der Fotografie-Geschichte der Schweiz widmet. Und beim Bahnhof Winterthur findet man auch noch die CoalMine, einen ehemaligen Kohlenkeller, der in einen Raum für Dokumentar- und junge Fotografie verwandelt wurde. Zwei Gründe gebe es dafür, dass ausgerechnet Winterthur zu einer Hauptstadt der Fotografie angewachsen sei, sagt Urs Stahel: „Die industrielle Vergangenheit, die heute Freiräume schafft. Und das Mäzenatentum, das in dieser Stadt stark verankert ist.“

Bereits 1848 gründeten Winterthurer einen der bedeutendsten Kunstvereine der Schweiz.

Noch heute bildet er die Trägerschaft des Kunstmuseums Winterthur, das von Monet über Léger und Mirò bis zu Richter eine Brücke vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart schlägt. Das Ehepaar Hahnloser prägte den Kunstverein Winterthur mit und hinterliess zugleich eine international renommierte Sammlung. In der Villa Flora, dem ehemaligen Wohnsitz des Sammlerpaars, betrachten Kunstfreunde in intimem Rahmen die Gemälde von beispielsweise Bonnard, Vallotton und Van Gogh.

Besonders aktive Mäzene waren die Nachfahren der Gebrüder Volkart, die ihr Vermögen im Baumwoll- und Kaffeehandel verdient hatten.

Berühmt geworden ist etwa Oskar Reinhart, der 1885 geboren wurde und Zeit seines Lebens ein begeisterter Kunstsammler war. Gleich zwei wichtige Winterthurer Museen tragen seinen Namen: Das Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten mit Werken von beispielsweise Anker, Hodler, Segantini und Friedrich sowie die Sammlung Oskar Reinhart „Am Römerholz“, wo in der ehemaligen Residenz des Sammlers hervorragende Gemälde des französischen Impressionismus und seiner Vorläufer auf Meisterwerke der älteren Kunst treffen. Aber auch das Fotomuseum ist mit Hilfe der Familie Reinhart entstanden: dank George Reinhart, der ein leidenschaftlicher Fotograf, Film- und Musikproduzent war.

Vor zwanzig Jahren allerdings war das Fotomuseum noch ein Pionier mitten in der Gewerbezone.

Anfangs war Urs Stahel denn auch skeptisch, ob sich die Fotografie-Interessierten tatsächlich auf die Reise nach Winterthur machen würden. Aber die Menschen pilgerten vom Beginn an zahlreich ins Grüzequartier, um Werke von Fotografen wie Bill Brandt oder Andreas Gursky zu sehen. Inzwischen hat sich das Zentrum für Fotografie zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Die Ausstellungen ziehen jedes Jahr rund 50’000 Besucher an, Tendenz steigend.

Doch selbst der Direktor des Fotomuseums empfiehlt, in Winterthur nicht nur auf Fotografie zu fokussieren. Sondern auch die prächtige Altstadt anzuschauen, die exzentrischen Direktionsvillen, die grossartigen Fabriken, die vielen Parks und Gärten. Denn um die Stadt wirklich zu erfassen, müsse man wie ein guter Fotograf unterwegs sein, sagt Urs Stahel. Einer, der ihre Schönheit wahrnimmt und gleichzeitig die Bruchstellen sucht, die das Bild erst interessant machen.

Kunstvolles Winterthur lädt zum Besuch.

Aktuelle Informationen und Ausstellungen finden Sie hier: www.kunstinwinterthur.ch

  • Fotomuseum Winterthur, Shirana Shahbazi – Much like zero, 3.9. – 13.11.2011
  • Fotostiftung Schweiz, Schweizer Fotobücher des 20. Jahrhunderts, 22.10.2011 – 28.02.2012
  • Kunstmuseum Winterthur, Die ersten Jahre – Kunst der Nachkriegszeit, 21.8. – 20.11.2011
  • Museum Briner und Kern, Was aber bleibet? Bis 20.11.2011
  • Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten, permanente Sammlung (Anker, Hodler, Segantini…)
  • Sammlung Oskar Reinhart am Römerholz, Sammlungspräsentation (Cézanne, Manet, Van Gogh)
  • Villa Flora – Sammlung Hahnloser, Geschichten hinter Bildern, 18.11.2011 – 28.10.2012

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