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Zollikofer Schulen wartenSchnelles Internet verspätet sich

Die Schulen in Zollikofen starten im August ohne schnelleres Internet ins neue Schuljahr. Das sorgt für Enttäuschung.

Der Unterricht in den Schulen wird immer digitaler – das erfordert eine entsprechende Internetverbindung. In Zollikofen verzögert sich die Anbindung.
Der Unterricht in den Schulen wird immer digitaler – das erfordert eine entsprechende Internetverbindung. In Zollikofen verzögert sich die Anbindung.
Urs Jaudas

Die Zeit der Arbeitsblätter läuft ab. Schülerinnen lernen immer mehr online. Das sieht der Lehrplan 21 so vor. Mehr digitale Inhalte, Schüler und Lehrerinnen, die auf Laptops oder Tablets arbeiten und alle gleichzeitig aufs Internet zugreifen – das erfordert ein entsprechendes Netz.

Zollikofen will deshalb aufrüsten. Die Lösung: ein zentraler Glasfaseranschluss – ein sogenannter Hub -, der die Schulhäuser untereinander vernetzt. Nötig sind zudem mehr Access Points – drahtlose Zugangspunkte. Und auch die Telefonie muss auf den neuen Standard aufgerüstet werden. Kostenpunkt: 250’000 Franken.

Doch das Vorhaben ist bereits vergangenen Herbst ins Stocken geraten. Nun ist klar: Das schnellere Netz steht nicht wie vorgesehen zum Start des nächsten Schuljahres im August bereit. Das ist einer Antwort des Gemeinderats auf eine Interpellation aus dem Grossen Gemeinderat (GGR) zu entnehmen.

Doch der Reihe nach: Über die 250’000 Franken hätte der GGR vergangenen Oktober entscheiden sollen. Dann, kurz vor der Sitzung, zog der Gemeinderat das Geschäft zurück. Der Grund: zu viele offene Fragen, vor allem zu technischen Belangen. Die Sitzung des GGR hätte nicht ausgereicht, um sie alle zu beantworten, schreibt der Gemeinderat in seiner Antwort auf die Interpellation von Hans-Jörg Rhyn und anderen GGR-Mitgliedern der SP. Sie wollten vom Gemeinderat wissen, wie es mit dem Internet an den Schulen weitergeht.

Die Bedenken

Bereits vergangenen Herbst, im Vorfeld der GGR-Sitzung, sorgte das Vorhaben für Kritik. Zu aufwendig, zu teuer. «Warum die Schulen nicht über 5G ans Internet anbinden?», fragte ein Leserbriefschreiber im Mitteilungsblatt der Gemeinde. Die BDP zeigte sich kurz darauf erfreut darüber, dass der Gemeinderat das Geschäft verschoben hat. Ohnehin, so mutmasst die Partei, hätte das Geschäft wohl Schiffbruch erlitten.

Ein solches Szenario will der Gemeinderat verhindern. Er beauftragte die Abteilung Bildung damit, weitere Abklärungen zu treffen, gemeinsam mit externen Fachpersonen. Sie sollen Alternativen zum zentralen Glasfaseranschluss von UPC prüfen, auch von anderen Anbietern.

Also alles wieder zurück auf Feld eins in Zollikofen? So weit würde er nicht gehen, schreibt Gemeindepräsident Daniel Bichsel (SVP) auf Anfrage. Die Gemeinde profitiere von der bereits geleisteten Vorarbeit. Auch teurer werde das Vorhaben nicht. Externe Fachpersonen könnten zwar Kosten verursachen. Hingegen könnten die Gesamtkosten durch eine günstigere Lösung reduziert werden.

Die Enttäuschung

Die rund 1000 Schülerinnen und Schüler müssen sich also gedulden, digitale Hilfsmittel werden wohl erst im Laufe des Schuljahres einsatzbereit sein. Es sei eingetreten, was er bereits befürchtet habe, sagt Hans-Jörg Rhyn dazu. «Es ist enttäuschend, dass die Schülerinnen und Schüler ohne digitale Hilfsmittel ins neue Schuljahr starten müssen.» Das entspreche nicht dem Lehrplan 21. Rhyn betont aber auch, dass man sich nun Zeit nehmen solle. «Mit einer überhasteten Lösung ist niemandem geholfen.»

Enttäuschend sei nicht bloss die Verzögerung, sondern auch die Kommunikation des Gemeinderats, sagt Rhyn weiter. Als das Geschäft im Herbst verschoben wurde, sei das gegenüber den Mitgliedern des GGR nicht begründet worden Die Schulen seien zudem über das weitere Vorgehen, den Zeitplan und den verspäteten Einsatz der Informatik-Hilfsmittel bis vor kurzem auch nicht informiert gewesen.