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Geldblog: Leserfrage zur HypothekSchulden machen, um Steuern zu sparen?

Geldberater Martin Spieler zeigt auf, weshalb man eine Hypothek nur dann aufnehmen sollte, wenn man tatsächlich Fremdkapital braucht.

Lebenserhaltungskosten nicht vergessen! Die Freude am Eigenheim könnte durch massive Einschränkungen getrübt werden.
Lebenserhaltungskosten nicht vergessen! Die Freude am Eigenheim könnte durch massive Einschränkungen getrübt werden.
Illustration: Christina Baeriswyl

Dank einem Erbe kann ich mir ein kleines Häuschen bauen. Das Geld würde für die Eigenfinanzierung reichen, sodass ich im Alter – bin frisch pensioniert – recht einfach, jedoch recht gut leben kann. Die Bank und meine Angehörigen raten mir indes zu einer Hypothek. Ich würde mit einer Hypothek viel Steuern sparen. Zudem könne die Bank die Rechnungen des Hausbaus kontrollieren. Ich selber denke eher konservativ und bin in der Generation aufgewachsen, wo man möglichst keine Schulden macht. Wie denken sie darüber? Leserfrage von K.B.

Das Argument, dass Sie mit der Hypothek Steuern sparen, finde ich nicht überzeugend. Tatsächlich dürfen Sie Schuldzinsen bei den Steuern in Abzug bringen. Wegen der rekordtiefen Zinsen macht dies derzeit aber ohnehin nicht viel aus. Lassen Sie sich von Ihrer Bank anhand Ihrer konkreten Daten konkret aufzeigen, wie viel Steuern Sie denn wirklich sparen würden. Sie werden sehen, der Effekt ist gar nicht so gross, zumal Sie nur eine kleine Hypothek aufnehmen würden. Vor allem müssten Sie der Steuerersparnis die Zinskosten gegenüberstellen, die Sie der Bank jedes Jahr abliefern müssen. Nach Abzug dieser Kosten ist der Steuerspareffekt noch geringer. Immerhin könnten Sie das Geld, das Sie in Ihr Haus stecken, anlegen und darauf eine Rendite erwirtschaften.

Der Ratschlag der Bank ist in dieser Sache sicher nicht uneigennützig.

Doch eine Rendite ist nie garantiert und Sie tragen das volle Anlagerisiko. Sie müssen auch in Kauf nehmen, dass Sie in schlechten Jahren wie momentan gerade auf hohen Buchverlusten sitzen. Die Bank hat bei dieser Frage ein anderes Interesse: Wenn Sie eine Hypothek abschliessen und Ihr eigenes Geld bei ihr auch noch anlegen, verdient sie doppelt. Die Hypothek und die Anlage sind für die Bank ein gutes Geschäft. Wenn Sie hingegen keine Hypothek nutzen und stattdessen das Geld ins Haus stecken, verdient die Bank nichts. Der Ratschlag der Bank ist in dieser Sache sicher nicht uneigennützig. Ein schlechtes Argument für die Hypothek ist auch der Hinweis, die Bank könne die Rechnungen für den Hausbau kontrollieren. Ich sehe dafür keinen Bedarf: Dafür haben Sie ja den Architekten.

Eine ganz andere Frage, die ich in Ihrem Fall unbedingt genau prüfen würde, ist jene, wie es um Ihre finanziellen Mittel für die Bestreitung Ihres Lebensstandards steht, falls Sie keine Hypothek nehmen. Ihren Angaben entnehme ich, dass Sie das Haus aus Ihren eigenen Mitteln zahlen könnten und dann immer noch Geld für den Lebensunterhalt hätten. Die Frage ist aber, wie viel Handlungsfreiheit Sie dann noch haben. Ich teile zwar Ihre Meinung, dass es besser ist, wenn man im Alter möglichst keine Schulden hat und diesbezüglich frei ist. Ohne Schulden lebt man immer freier. Die Freude über Ihr Haus würde später aber wohl getrübt, wenn Sie sich Ihren Gürtel enger schnallen und die Mittel für den Lebensunterhalt eng würden. Über den eigentlichen Hausbau hinaus müssen Sie später auch Nebenkosten und allenfalls weitere unerwartete Kosten budgetieren.

Auch hohe Gesundheitskosten können im Alter plötzlich dazu kommen. Darum brauchen Sie genügend Reserven. Ich rate Ihnen, für sich ein Budget zu machen und die eigenen Lebenshaltungskosten dabei grosszügig einzuplanen, damit Sie Ihr Eigenheim wirklich geniessen können. Anhand dieses Budgets sehen Sie schnell, wie viel finanziellen Spielraum Sie haben, wenn Sie das Haus vollumfänglich selbst finanzieren oder nicht. Falls Ihr Handlungsspielraum eng wird, würde ich wohl doch eine kleine Hypothek aufnehmen – aber nicht, weil Sie deswegen Steuern sparen, sondern um zu verhindern, dass Sie im Alter den Gürtel plötzlich enger schnallen müssen, und um genügend finanziellen Spielraum zu behalten.

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9 Kommentare
    Markus Zumkeller

    Ich finde, der Artikel beschreibt das Thema zu wage. Fakt ist, dass man rein mit einem Steuerabzug der Hypothekarzinsen netto NIE Steuern spart. D.h. die Hypothekarzinsen sind unabhängig vom Zinssatz IMMER höher als die Steuerreduktion. Es lohnt sich EINZIG eine Hypothek, die man eigentlich nicht mehr benötigt, nicht abzubezahlen, wenn man bereit ist, mit diesem Geld Anlagen zu tätigen, deren Rendite höher sein KANN, als der Hypothekarzins. D.h. man muss bereit sein, das entsprechende Risiko einzugehen. ODER man benötigt, z.B. im Alter, das Geld aus Liquiditätsgründen zum lieber zum Leben.