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Cyber-Abwehr der Nato gegen Spionage in der Schweiz

Der Lauschangriff in Genf zeigt: Die Schweiz ist im Visier von Cyber-Spionen. EDA-Chef Burkhalter will darum die Prävention ausbauen.

Kopf der Cyber-Abwehr: Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence der Nato in Tallinn (Archiv).
Kopf der Cyber-Abwehr: Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence der Nato in Tallinn (Archiv).
Ints Kalnins, Reuters

Der Lauschangriff auf die Irangespräche in Genf hat klar gemacht: Die Schweiz ist zum Tummelfeld der Cyber-Spione geworden. Nun will sich der Bund gegen die Gefahren im digitalen Raum wappnen und holt sich Hilfe bei der Nato. Hinter den Kulissen fädelt eine Expertengruppe laut der «SonntagsZeitung» eine Kooperation mit dem Cyber-Abwehrzentrum des Militärbündnisses ein.

Das Nato-Kompetenzzentrum in einer alten Kasernenanlage im estnischen Tallinn ist das Hirn im Kampf gegen Cyber-Spionage und digitalen Terrorismus in Europa. Dort werden Studien erstellt und Angriffs-Szenarien durchgespielt. Im Sommer 2014 reiste eine Schweizer Delegation aus Vertretern des EDA, VBS und EFD nach Tallinn. Beide Seiten signalisierten Interesse an einer langfristigen Zusammenarbeit. Der Bund wartete aber erst die Resultate einer verwaltungsinternen Analyse ab. Sie sollte klären, ob eine Kooperation Sinn macht und wie eine solche aussehen könnte.

Nun liegen die Ergebnisse vor, der Bund hat grünes Licht. Das EDA hält sich noch bedeckt. Sprecher Georg Farago sagt zur Zeitung: «Der Nutzen einer institutionalisierten Zusammenarbeit würde in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Kompetenzbildung liegen.» In den kommenden Monaten soll es konkreter werden: «Als nächsten Schritt werden wir mit dem Zentrum Diskussionen über ein Pilotprojekt führen.» Neben Österreich wäre die Schweiz das einzige Nicht-Nato-Land, das sich offiziell an der Cyber-Abwehr des Militärbündnisses beteiligt.

Burkhalter für mehr Prävention

Für einen Ausbau der Spionage-Abwehr plädiert auch Bundesrat Didier Burkhalter: «Es braucht die kompetentesten Leute in diesem Bereich. Es braucht das beste Know-How und die effizienteste Prävention», sagt der Schweizer Aussenminister in der «NZZ am Sonntag». «In dieser Hinsicht müssen wir uns laufend anpassen.»

Der Lauschangriff auf die Atomgespräche in Genf zeigt laut Burkhalter, dass der Schweizer Nachrichtendienst zwar schnell und professionell arbeite. Doch für die Zukunft könnte das nicht mehr genug sein. «Wenn die technologische Bedrohung wächst, dann muss man auch auf der Ebene der Prävention ausbauen.»

Der jüngste Abhörskandal in mehreren Schweizer Städten kommt für Burkhalter nicht überraschend: «Spionage ist Alltag in der Diplomatie, man darf da keine Illusionen haben«, sagt er in der «NZZ am Sonntag». Besonders die Schweiz als Gastland vieler internationaler Organisationen und Verhandlungen sei davon betroffen.

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