Das sind die Gewinner-Gemeinden der Schweiz

Wer am meisten mit der Mehrheit stimmte. Eine exklusive Auswertung von 322 nationalen Urnengängen – die auch die Verlierer zeigt.

Manche Gemeinden stimmen fast immer gleich wie die Gesamtschweiz, andere fast nie.

Manche Gemeinden stimmen fast immer gleich wie die Gesamtschweiz, andere fast nie.

(Bild: Keystone)

Patrick Meier@pameier

133-mal, so häufig wurden die Unteriberger an der Urne in den letzten 37 Jahren überstimmt. Das sind gut 41 Prozent aller Abstimmungen. Dies zeigt eine schweizweite Auswertung der Abstimmungsresultate der Jahre 1981 bis 2018.

Durch die Auswertung lässt sich ein Mainstream-Gürtel erkennen, der sich von Bern über das dicht besiedelte Mittelland bis zum Grossraum Zürich und weiter nach St. Gallen zieht, mit Ausläufern nach Basel und Schaffhausen. Tiefere Übereinstimmung findet sich in der Westschweiz und dem Tessin sowie grundsätzlich in ländlicheren Gebieten. Auffallend ist das Bündnerland, welches trotz ländlicher Strukturen eine hohe Übereinstimmung mit der Gesamtschweiz hat.

Die tiefsten Werte finden sich in der Innerschweiz (Unteriberg, 41 Prozent) und im Jura (Ederswiler 38 Prozent). «Ich bin durchaus Stolz auf meine Gemeinde, die sich nicht so schnell vom Mainstream beeinflussen lässt», sagt Edy Marty-Spindor, parteiloser Gemeindepräsident von Unteriberg.

Obwohl es nur 50 Kilometer bis nach Zürich seien, sei die Abgeschiedenheit der Gemeinde deutlich spürbar. Dennoch macht sich keine Frustration breit. Über den Finanzausgleich fliesse viel Geld von den finanzstärkeren Schwyzer Gemeinden am Zürichsee an Unteriberg. Da die Gemeinde davon profitiert, nimmt Marty-Spindor auch in Kauf, dass man sich bei gewissen Entscheidungen der Mehrheit fügen müsse, ob man diese nun für richtig halte oder nicht.

Das andere Extrem sind die Gemeinden, die besonders häufig gleich wie die Gesamtschweiz abstimmen: Ebikon (Luzern), Neuenegg und Langenthal (beide Bern) zum Beispiel haben alle zu 95 Prozent gleich wie die Gesamtschweiz abgestimmt und zählen sozusagen zum politischen Mainstream.

Dass Ebikon besonders durchschnittlich ist, wurde auch schon im Jahr 2014 von der ETH festgestellt (berneroberlaender.ch/Newsnetz berichtete). Damals haben Doktoranden von der ETH versucht, die Wahlergebnisse der Schweiz aufgrund der Ergebnisse einzelner Gemeinden vorherzusagen. Dies gelang ihnen mit Ebikon besonders gut. In 96 Prozent der Fälle konnten sie vom Ebikoner Resultat auf das gesamtschweizerische Resultat schliessen.

Weiter kann man untersuchen, wie häufig einzelne Gemeinden bei vergangenen Abstimmungen am Stück «richtig», also in Übereinstimmung mit dem Gesamtschweizer Resultat gelegen haben. Dabei zeigt sich, dass Rapperswil-Jona, Jenins und Thusis bei den letzten 55 Abstimmungen gleich wie die Gesamtschweiz abgestimmt haben. Das letzte Mal falsch gelegen haben diese Gemeinden am 3. März 2013 bei der Abstimmung zum «Bundesbeschluss über die Familienpolitik». Hier stimmten sie entgegen dem Mainstream Nein. Die Vorlage wurde dann tatsächlich wegen des fehlenden Ständemehrs abgelehnt, womit die Gemeinden wieder richtig lagen. Insgesamt scheiterten im betrachteten Zeitraum vier Abstimmungsvorlagen aufgrund des Ständemehrs.

Die Karte zeigt den Stand der Gemeinden per 1. Januar 2018. Insgesamt gab es zu diesem Zeitpunkt 2222 Gemeinden in der Schweiz. Die Abstimmungsdaten sind vom Bundesamt für Statistik aufbereitet. Berücksichtigt sind alle Abstimmungen seit dem 14. März 1981 bis zum 23. September 2018.

Die Resultate von Gemeinden, die aufgrund von Gemeindefusionen nicht mehr existieren, wurden entsprechend in den neuen Gemeinden berücksichtigt. Für 21 Gemeinden konnten keine Werte berechnet werden, da diese nicht lückenlos vorliegen. Diese Gemeinden sind in der Karte grau dargestellt. Weiter gibt es zwölf Gemeinden, bei denen jeweils zwei Gemeinden gemeinsame Urnen haben. Dort wurde jeweils das kombinierte Resultat beider Gemeinden angegeben.

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