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Baader: Respektiert, aber wenig geschätzt

Als Akademiker ist Caspar Baader in der SVP ein Exot. Der Baselbieter kam als Pragmatiker in den Nationalrat, wirkt in seiner Funktion als Fraktionschef aber als verbissener Feldwebel.

Einmal wurde Caspar Baader bereits als Bundesratskandidat gehandelt: im Vorfeld zur Kür des Nachfolgers von Adolf Ogi im Jahr 2000. «Das hat an sich noch wenig zu bedeuten», relativiert SVP-Ständerat This Jenny. «Wir haben kaum Akademiker in unseren Reihen. Da fallen die Namen dieser‹Exoten› vor Bundesratswahlen fast automatisch.»

Baader trägt sogar zwei Titel. Der 55-Jährige ist Agraringenieur und Jurist. Da erstaunt es nicht, wenn die Ratskollegen den Fleiss als Baaders grosse Tugend hervorheben. Damit hat es sich dann aber mit den positiven Attributen. Der selbstständige Anwalt amtet seit 2001 als SVP-Fraktionschef. Seither hat er sich den Ruf als ebenso unnahbarer wie kleinkarierter Feldweibel eingehandelt, der selbst in der SVP zwar respektiert, aber wenig geschätzt wird. Ulrich Giezendanner etwa macht bei Baader «diktatorische Züge» aus.

Einer breiteren Öffentlichkeit hat er sich bei der Vereidigung von Eveline Widmer-Schlumpf ins Gedächtnis geschimpft. Die neu gewählte Bundesrätin stand zum Schwören bereit in der Mitte des Nationalratsaales, als Baader ans Rednerpult trat und ihre Wahl geisselte.

Baader wurde in Bern zum «Zürcher»

Vor diesem Hintergrund drängen sich die Fragen von Anstand, Kooperation und Konsensfähigkeit bei Baader ganz besonders auf. Toni Bortoluzzi hält ihn für den hartnäckigsten und unberechenbarsten der als «Nummer 2» gestempelten Papabili. Für BDP-Nationalrat Hansjörg Hassler ist er «zu destruktiv und darum als Staatsmann ungeeignet».

Ähnlich klingt es aus CVP-Kreisen. «Baader hat es nach den letzten Nationalratswahlen nicht geschafft, mental auf die Bundesratswahl umzuschalten», sagt ein CVP-Mann. «Wie will er sich da auf die Rolle als Bundesrat einstellen?» Hinter vorgehaltener Hand räumen jedoch auch die Vertreter von CVP und die meisten Sozialdemokraten ein: Sollte Baaders Name neben demjenigen von Blocher auf das Zweierticket der SVP gesetzt werden, würde man ihn wohl oder übel wählen. «Eine Wiederholung der Übung vom letzten Dezember liegt heuer nicht drin», meint ein Sozialdemokrat. «Und vielleicht ist Baader ja umgänglicher als heute.»

Wandlungsfähigkeit hat Baader jedenfalls schon einmal bewiesen. Allerdings ging es mit ihm damals in die entgegengesetzte Richtung: Der dreifache Familienvater ist vor zehn Jahren nicht als Hardliner nach Bern gekommen. Hansjörg Hassler erinnert sich, dass Baader anfangs «recht weltoffen» war, ehe er auf den Kurs der Zürcher SVP umschwenkte. Ähnlich äussert sich This Jenny: «Zu Beginn war er bescheiden in Auftritt und Argumentation. Dieses Image hat er allmählich korrigiert.»

In jedem Fall harmlos?

In der Tat hat sich Baader in seinen ersten Jahren als beweglicher Politiker erwiesen. So sprach sich der Oberst zu Beginn des Jahrzehnts erst für Auslandeinsätze von Schweizer Truppen aus. Später enthielt er sich der Stimme. Bei der Volksabstimmung 2001 sagte er schliesslich Nein. Seine Begründung: «Es ist nicht verboten, gescheiter zu werden.»

Wie auch immer: In den Augen von This Jenny wäre ein Bundesrat Baader für das Funktionieren der Landesregierung auf alle Fälle keine Gefahr. «Man braucht den Widerstandsgeist und Instinkt eines Christoph Blocher, um die Mehrheitsentscheide des Bundesrats derart konsequent ignorieren und bekämpfen zu können», meint er. «Und über solche Eigenschaften verfügen weder Baader noch Adrian Amstutz oder Ueli Maurer.»

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