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Familien dürfen auf 2019 hoffen

Ab übernächstem Jahr sollen die Prämien von Kindern und ­Jugendlichen weniger rasant steigen. 2018 hingegen trifft es die Familien einmal mehr besonders stark. Zudem vertieft sich der Röstigraben.

Voraussichtlich ab 2019 sollen junge Erwachsene wieder einen grösseren Prämienrabatt erhalten.
Voraussichtlich ab 2019 sollen junge Erwachsene wieder einen grösseren Prämienrabatt erhalten.

Der Anstieg ist steil und stabil: Im Durchschnitt erhöhen die Krankenkassen die Prämien für die Grundversicherung 2018 um 4 Prozent. Damit konnte Gesundheitsminister Alain Berset (SP) gestern eine einigermassen glimpfliche Prämienrunde verkünden, die unter dem langjährigen Durchschnitt von 4,6 Prozent liegt. Allerdings sagen die Durchschnittswerte nicht viel aus. Die Unterschiede sind nach Kanton, Krankenkasse, Franchise und Versicherungsmodell enorm.

Auffällig ist, dass die Prämien in der Romandie deutlich stärker steigen als in der Deutschschweiz. Da das Kosten- und ­Prämienniveau im Westen ohnehin höher ist, vertieft sich der Röstigraben. Sieht man vom Spezialfall Basel-Stadt ab, weisen die Westschweizer Kantone mittlerweile die höchsten Prämien im Land auf (siehe Grafik). Am tiefsten sind die Prämien weiterhin in der Zentral- und Ostschweiz. Die grossen Unterschiede zwischen den Kantonen werden mit dem jeweiligen Angebot an Spitälern und Arztpraxen sowie dem un­terschiedlichen «Konsumverhalten» der Bevölkerung erklärt.

Die Übersicht über die Prämien:Berner Prämien 2018.png

Flächendeckend gilt hingegen, dass die Familien einmal mehr einen relativ starken Prämien­anstieg hinnehmen müssen. Im schweizerischen Durchschnitt steigen die Prämien der Kinder und Jugendlichen um 5 Prozent, jene der ­19- bis 25-Jährigen um 4,4 Prozent. Damit schmilzt der Prämienrabatt der jungen Erwachsenen weiter.

Mutuel mit Aufholbedarf

Die Familien dürfen immerhin hoffen, dass diese Entwicklung ab 2019 gebremst wird. Dann tritt voraussichtlich eine kleine Reform in Kraft, die das Parlament im vergangenen Frühling beschlossen hat. Wenn alles nach Plan läuft, sollten die jungen Erwachsenen im Durchschnitt eine Entlastung in der Grössenordnung von 90 Franken im Monat erfahren. ­Familien mit Kindern wiederum sollen ab 2019 höhere Prämienverbilligungen erhalten, aber nur jene, die tiefe bis mittlere Einkommen aufweisen.

Voraussichtlich ab 2019 sollen junge Erwachsene wieder einen grösseren Prämienrabatt erhalten.

Unerfreulich ist die anstehende Prämienrunde zudem für Versicherte von Krankenkassen der Walliser Groupe Mutuel. ­Philos zum Beispiel muss die ­Prämien im Kanton Bern, wo die Kasse ­relativ viele Kunden hat, um 9 bis 10 Prozent erhöhen. Auch die Mutuel-Kasse braucht mehr Geld: Sie muss die Prämien etwa im Kanton Zürich, wo sie zu den grösseren Kassen zählt, zum Teil um über 11 Prozent erhöhen. Diese Krankenkassen reagieren mit den starken Aufschlägen auf die Entwicklung der letzten Jahre, in denen ihre Prämien zu tief angesetzt waren.

Eingriff mit Fragezeichen

Die Prämienrunde 2018 würde höher ausfallen, wenn Bundesrat Berset nicht einen umstrittenen Eingriff in den ambulanten Arzttarif Tarmed beschlossen hätte (wir berichteten). Dieser dämpft die Prämienrunde laut Berset um etwa einen Prozentpunkt. Allerdings gibt es Fragezeichen. Die Krankenkassen bezweifeln, dass sich die erhofften Einsparungen wirklich einstellen. Deshalb hat Berset nun ein Monitoring angekündigt. Weiter haben die Unfallversicherer jüngst gewarnt, sie könnten die Tarifänderung erst auf April 2018 umsetzen. Berset hingegen plant die Umsetzung Anfang Jahr. Je nachdem fiele die Einsparung kleiner aus.

fab

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