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Hürlimann entschuldigt sich bei Frau und Landammann

Die Pressekonferenz dauerte nur ein paar Minuten: SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann hat sich zur Zuger Sexaffäre geäussert. «Mein Ruf hat stark gelitten», sagt er.

Rügt die Medien: Markus Hürlimann an einer Pressekonferenz. (4. März 2015)
Rügt die Medien: Markus Hürlimann an einer Pressekonferenz. (4. März 2015)
Keystone

Der Zuger SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann hat sich gegen eine mediale Vorverurteilung zur Wehr gesetzt. Der Tatverdacht, er habe seiner Ratskollegin Jolanda Spiess-Hegglin (Alternative - die Grünen) K.o.-Tropfen verabreicht, habe sich in keiner Weise erhärtet, sagte Hürlimann vor den Medien.

Er erwarte nun, dass die Staatsanwaltschaft das Vorverfahren wegen möglicher Delikte gegen die sexuelle Integrität umgehend einstelle. Zudem will der 40-Jährige zusammen mit seinem Anwalt prüfen, «ob und welche rechtlichen Schritte wir gegen die erhobenen Vorwürfe und die medialen Vorverurteilungen ergreifen werden».

«Meine Vorverurteilung»

Hürlimann wird verdächtigt, am 21. Dezember während der Landammann-Feier nach reichlich Alkoholkonsum mit K.o.-Tropfen Jolanda Spiess-Hegglin gefügig gemacht und gegen ihren Willen Sex mit ihr gehabt zu haben. Eine Analyse der Haarprobe der Zuger Politikerin hatte jedoch keine Hinweise auf eine Einnahme oder Verwendung von K.o.-Tropfen ergeben, wie am Montag bekannt geworden war.

Für Hürlimann heisst das: «Weder ich noch irgend jemand anders hat Jolanda Spiess-Hegglin mit K.o.-Tropfen oder sonstwie betäubt.» Wie jedoch nicht anders zu erwarten gewesen sei, zweifle Jolanda Spiess-Hegglin die Aussagekraft der Resultate, ja sogar die Methode der Haaranalyse an.

Die kurzfristig einberufene Medienkonferenz rechtfertigte Hürlimann damit, dass er sich dazu gedrängt gefühlt habe, Stellung zu nehmen, um «meine Vorverurteilung nicht immer noch weiter voranschreiten zu lassen». Zu Beginn der Medienkonferenz entschuldigte sich Hürlimann bei seiner Frau und beim Landammann.

Hürlimann sieht sich durch Zeugen bestätigt

Bekannt sei, dass es zwischen ihm und Spiess-Hegglin am 21. Dezember nach der Landammannfeier zu einer «körperlichen Annäherung» gekommen sei. «Wir haben uns geküsst und sollen zusammen getanzt haben», so Hürlimann. Dies hätten verschiedene Gäste in der Bar des Hotels «Schiff» beobachtet.

Einige unter ihnen habe dies veranlasst, Spiess-Hegglin und ihn direkt darauf anzusprechen. Dabei sei es zu «Gesprächen und angeregten Diskussionen» mit den Gästen gekommen.

Zwischen den letzten gemeinsamen Gesprächen von ihm und Spiess-Hegglin mit den Gästen bis zum Zeitpunkt, als die Kantonsrätin «allein und aufrecht gehend, ohne Hilfe oder Stütze» das Restaurant verlassen habe, seien nur rund 30 Minuten vergangen. Das sei bei den Einvernahmen, bei denen er teilgenommen habe, von verschiedenen Zeugen bestätigt worden.

«Jolanda Spiess-Hegglin», so Hürlimann, «hätte demnach also innerhalb von 30 Minuten willenlos gemacht und geschändet worden sein müssen. Dann hätte sie wieder aufwachen und sich anziehen müssen und danach selbständig das Restaurant verlassen haben.» Schon aufgrund dieser zeitlichen Abfolge sieht sich Hürlimann entlastet.

Die 34-jährige grüne Politikerin konnte sich nach dem Fest an nichts mehr erinnern. Weil sie Unterleibsschmerzen hatte, begab sie sich am Morgen ins Spital. Dieses schaltete danach die Staatsanwaltschaft ein. Wie die Affäre an die Medien gelangte, ist weiterhin nicht bekannt.

«Mein Ruf hat stark gelitten»

Das Vorverfahren durch die Staatsanwaltschaft bezeichnete Hürlimann als fragwürdig. Lediglich aufgrund einer von einer Privatperson geäusserten Vermutung sei er nach dem Vorfall im Dezember verhaftet, eine Nacht in der Strafanstalt inhaftiert und danach «zum medialen, politischen und persönlichen Abschuss» freigegeben worden.

Nach der Eröffnung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft hatte Hürlimann das Amt als Kantonalpräsident abgegeben. Als Kantonsrat machte er jedoch weiter. Ein Rücktritt sei für ihn nie zur Diskussion gestanden, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur sda. «Ich habe mich strafrechtlich nicht schuldig gemacht.»

Auch der Generalversammlung seiner Ortspartei Baar vom kommenden Freitag sieht Hürlimann gelassen entgegen. Es sei zwar eine Aussprache zu seiner Person vorgesehen. Ein Parteiausschluss stehe jedoch nicht zur Diskussion. Die grosse Mehrheit der SVP-Mitglieder stehe hinter ihm.

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