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Ohne ausländische Ärzte und Ingenieure geht in der Schweiz nichts

Die Wirtschaft hat eine ungestillte Nachfrage nach gut qualifizierten Arbeitskräften. Das Problem: Die Schweiz bildet zu wenig einheimischen Nachwuchs aus. Der Bundesrat präsentiert aktuelle Zahlen.

Gemäss einem Bericht, den der Bundesrat heute vorgelegt hat, übten in der Schweiz 2012 rund 390'000 Personen einen freien Beruf aus. Arbeiteten also in Berufen wie Arzt, Ingenieur oder Notar. Das sind 9,3 Prozent der Erwerbstätigen. 2003 lag der Anteil noch bei 8,2 Prozent.

Das überdurchschnittliche Beschäftigungswachstum in diesem Bereich wurde durch die Personenfreizügigkeit ermöglicht. Viele Angehörige der freien Berufe sind nämlich aus EU- oder Efta-Ländern in die Schweiz eingewandert. Lediglich 3,9 Prozent aller aktuell in der Schweiz erwerbstätigen Freiberufler stammten in den zehn Jahren vor Inkrafttreten des Freizügigkeitsabkommens aus der EU. Mehr als dreimal so viele (12,5 Prozent) kamen in den rund zehn Jahren danach.

Dies habe dazu beigetragen, den Fachkräftemangel in verschiedenen Bereichen zu lindern, heisst es im Bericht des Bundesrates. Besonders prekär ist die Situation bei den Ärzten: Derzeit werden in der Schweiz nur 700 bis 800 Ärztinnen und Ärzte pro Jahr ausgebildet, der Bedarf liegt gemäss einer Schätzung des Bundesrats aber bei 1200 bis 1300. Zwischen 2003 und 2012 waren jährlich durchschnittlich 6900 Personen aus der EU in die Schweiz eingewandert, um eine Erwerbstätigkeit in einem freien Beruf aufzunehmen. Ein grosser Teil ist von ihnen ist in medizinischen Berufen tätig: Seit 2002 anerkannte das Bundesamt für Gesundheit über 22'000 Diplome von Medizinern, Chiropraktikern oder Veterinären.

Zahl der Arbeitslosen ist tief

Der Schweizer Arbeitsmarkt vermochte die Zuwanderer aber problemlos aufzunehmen. Die Erwerbslosenquote blieb bei freien Berufen mit weniger als 2 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Auch kamen die Einkommen kaum unter Druck. Einzig im technischen Bereich gibt es gemäss dem Bericht Hinweise darauf, dass neu zugezogene Freiberufler leicht tiefere Erwerbseinkommen erzielten als die bereits Ansässigen.

Der Bundesrat will die Rahmenbedingungen für die freien Berufe weiter gezielt verbessern. Er erinnert daran, dass in den letzten Jahren verschiedene Reglementierungen durch die Kantone auf Bundesebene harmonisiert wurden. Dadurch seien gute Bedingungen für die Umsetzung der Personenfreizügigkeit geschaffen worden.

Schweizer in der EU benachteiligt

Umgekehrt funktioniert das offenbar weniger gut. Vor etwas mehr als einem Jahr hat der Schweizerische Verband freier Berufe (SVFB) eine Studie vorgelegt, die eine Diskriminierung von Schweizer Freiberuflern in der EU nachweist. Der Verband forderte deshalb Massnahmen vom Bundesrat.

In seinem Bericht geht der Bundesrat auf dieses Problem allerdings nicht weiter ein. Verschiedene Untersuchungen hätten keine systematischen Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Berufsqualifikationen auf dem EU-Arbeitsmarkt ergeben. Auch eine Umfrage bei Betroffenen habe fast durchwegs positive Reaktionen ergeben, heisst es.

SDA/ldc

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