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1 Million verdienen – und IV beziehen

Erstmals hat der Bund Zahlen zum Einkommen von IV-Rentnern herausgegeben. Sie zeigen: Zahlreiche von ihnen verdienen mehr als 250'000 Franken, drei sogar mehr als eine Million.

Das Problem liegt in der Berechnung der IV-Renten: Banker am Paradeplatz in Zürich.
Das Problem liegt in der Berechnung der IV-Renten: Banker am Paradeplatz in Zürich.
Keystone

230'000 Menschen haben in der Schweiz 2013 eine IV-Rente bezogen. 163 von ihnen verdienen 250'000 Franken oder mehr, wie Recherchen der SRF-Sendung «Tagesschau» zeigen. Bei drei Fällen handelt es sich gar um Einkommensmillionäre. Das Bundesamt für Sozialversicherungen hat erstmals entsprechende Zahlen herausgegeben.

Laut der Patientenschützerin Margrit Kessler gibt es immer mehr IV-Rentner mit sehr hohem Einkommen. IV-Versicherungsjuristen hätten sie auf dieses Phänomen hingewiesen. Kessler stört sich daran, «dass es auf der anderen Seite der Lohnskala Leute gibt, die invalid sind, aber keine Rente bekommen», wie sie gegenüber der «Tagesschau» sagt. Über IV-Renten für Einkommensmillionäre ist Margrit Kessler schockiert.

Das Problem liegt in der Berechnung der IV-Renten. Bekommt ein Topmanager nach einem Burnout noch die Hälfte seines Lohnes, also beispielsweise 200‘000 Franken, gilt er als halbinvalid. Damit hat er Anspruch auf eine IV-Teilrente von etwas mehr als 1000 Franken im Monat.

Ein Handwerker mit 60'000 Franken Einkommen, der nach einem Unfall nur noch 40'000 Franken verdient, bekommt keine Rente; weil sein Einkommensverlust weniger als 40 Prozent beträgt. Er ist nur zu einem Drittel invalid, und das reicht nicht für eine Rente der IV. Dies, obschon sein Monatslohn von 4600 auf 3100 sinkt.

«Auch Gutverdiener haben Anrecht»

Das sei nicht fair, sagt Patientenschützerin Kessler. «Die Lohneinbusse des Handwerkers ist gravierend, und trotzdem bekommt er kein Geld von der IV.» Viele Kleinverdiener würden so in die Sozialhilfe gedrängt, glaubt Kessler. «Derweil ist die IV-Rente für einen Gutverdienenden nicht mehr als ein Taschengeld», sagt Kessler.

Anderer Meinung ist Denise Chervet vom Schweizerischen Bankenpersonalverband. Arbeitnehmer mit hohen Löhnen würden überproportional hohe Beiträge einzahlen. «Und somit haben auch die Gutverdiener Anrecht auf eine IV-Rente», sagt Chervet. Margrit Kessler will nun vom Bundesrat wissen, ob IV-Renten auch weiterhin an Einkommensmillionäre gehen sollen.

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