Notlandung auf dem Flughafen Bern-Belp

Wegen Druckabfalls in der Kabine mussten Piloten 2012 auf dem Weg nach Wien ihr Flugzeug wenden. An Bord befanden sich 20 Personen. Nun liegt der Untersuchungsbericht vor.

Das Flugzeug musste zurückkehren: Zuschauer beobachten das Treiben auf dem Flughafen Bern-Belp. (Archivbild)

Das Flugzeug musste zurückkehren: Zuschauer beobachten das Treiben auf dem Flughafen Bern-Belp. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Der von den Untersuchungsbehörden als schwer eingestufte Vorfall ereignete sich am 14. März 2012, wie aus dem Schlussbericht der Schweizerischen Unfalluntersuchungsstelle (Sust) hervorgeht. An Bord des Flugzeugs befanden sich 3 Besatzungsmitglieder und 17 Passagiere.

Ursache des Vorfalls war ein falsch eingestelltes Bedienelement zur Steuerung des Kabinendrucksystems. Ein Ventil war nicht ganz geschlossen, weshalb die Kabindendruckhöhe zu hohe Werte annahm. Dies war von der Besatzung nicht bemerkt worden.

Als das Flugzeug rund 15 Minuten nach dem Start in Bern-Belp die Reiseflughöhe erreichte, erschien eine Warnanzeige samt akustischem Warnton zur Kabinendruckhöhe. Die Piloten setzten die Sauerstoffmasken auf und leiteten unverzüglich einen Notabstieg ein.

Kabinendruck manuell gesteuert

Per Funk erklärten sie eine Notlage und erhielten vom Flugverkehrsleiter umgehend eine unbegrenzte Freigabe zum Sinken. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Flugzeug 20 Kilometer südlich von Zürich-Kloten. Die Besatzung entschied sich, mit reduzierter Geschwindigkeit nach Bern-Belp zurückzukehren.

Der Copilot gab in der Untersuchung zu Protokoll, er habe sich kurz gefragt, warum man nicht auf dem Flughafen Zürich gelandet sei. «Da aber alles unter Kontrolle schien, keine Vibrationen und nichts, war für mich der Entscheid, nach Bern zu fliegen, in Ordnung.» Bis zur Landung in Bern 30 Minuten später wurde die Kabinendruckhöhe manuell gesteuert.

Kein Kontakt zwischen Kabine und Piloten

In der Kabine hatte die Flugbegleiterin in der Bordküche den Getränkewagen vorbereitet, als das «Seat-belt»-Zeichen ertönte. Weil sie gleichzeitig eine Seitwärtsbewegung des Flugzeuges wahrnahm, dachte sie, dass etwas nicht stimme. Sie verstaute den Getränkewagen, als vom Cockpit die Durchsage «cabin crew at station» kam.

Weil die Flugbegleiterin den Notabstieg des Flugzeugs als nicht sehr steil warhnahm und in der Kabine keine Sauerstoffmasken ausgeworfen wurden, dachte sie gemäss Untersuchungsbericht nicht an einen Druckabfall in der Kabine. Sie wollte mit den Piloten Kontakt aufnehmen, verstand diese aber über das Bordtelefon nicht. Sie realisierte jedoch, dass die Piloten Sauerstoffmasken trugen.

Die Flugkommandantin ihrerseits realisierte, dass sie zur Flugbegleiterin keinen Kontakt herstellen konnte. In der Untersuchung sagte sie, dass sie die «ruhige Stimme» der Flugbegleiterin zur Information der Passagiere wahrgenommen habe. Da diese sehr erfahren gewesen sei, habe sie sich keine Sorgen gemacht.

Flugbegleiterin bewahrte Ruhe

Die Flugbegleiterin wies die Passagiere an, die Tablette unter den Vordersitz zu stellen und ihre Tische hochzuklappen. Da sie nicht wusste, was für eine Landung zu erwarten war, zeigte sie den Passagieren die gebückte Körperhaltung, die für die Landung einzunehmen sei.

Auch sagte sie den Passagieren, dass die Piloten im Moment noch beschäftigt seien und sich später noch melden würden. Als die Cockpit-Türe geöffnet wurde, sah die Flugbegleiterin, dass die Piloten ihre Sauerstoffmasken abnahmen, worauf eine Kommunikation wieder möglich war. Die Passagiere wurden daraufhin über die bevorstehende normale Landung in Bern informiert.

Dass am Interphone, dem Bordtelefon, keine Verständigung zwischen Kommandantin und Flugbegleiterin möglich war, wurde von den Untersuchungsbehörden als risikoreich eingestuft. Die Steuerung des Kabinendrucksystems funktionierte bei einem späteren Testflug wieder einwandfrei.

rar/sda

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