So hat sich die Kriminalität in der Schweiz verändert

Die registrierten Straftaten sind 2017 auf einen neuen Tiefstwert gesunken. In drei Bereichen ist aber ein Anstieg zu verzeichnen.

Erneuter Rückgang: In der Schweiz wurden im Vergleich zum Vorjahr über sechs Prozent weniger Straftaten erfasst. Video: Tamedia/SDA

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Die Polizeien in der Schweiz registrieren immer weniger Straftaten. Die Zahl der verzeigten Verstösse gegen das Strafgesetzbuch ist im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr erneut gesunken. Die Zahl ist um 6,1 Prozent auf 439'001 Straftaten gefallen. Das zeigt die heute veröffentlichte polizeiliche Kriminalstatistik 2017. Seit die Erfassungsart im Jahr 2009 revidiert wurde, war der Wert noch nie so tief.

Auffällig ist insgesamt, dass die Zahl der beschuldigten Minderjährigen nach sieben Jahren erstmals wieder stieg (+8,3 Prozent). Sie werden am häufigsten wegen geringfügiger Straftaten wie Ladendiebstähle und Sachbeschädigungen verzeigt. Über alle Alterskategorien gesehen, wurden 2017 allerdings in etwa gleich viele Personen wie im Vorjahr einer Straftat beschuldigt. Der Wert ist nur minimal um 0,1 Prozent auf 78'184 Personen gesunken.

Unverändert bleibt auch der markante Geschlechterunterschied: Wie in den Jahren zuvor gehen rund 76 Prozent aller erfassten Straftaten auf das Konto der Männer.

Geografische Verteilung

Der Kanton, in dem verglichen mit seiner Bevölkerungszahl am meisten Verstösse gegen das Strafgesetz verzeichnet wurden, bleibt der Kanton Basel-Stadt. Pro 1000 Einwohner wurden in Basel 113,5 Straftaten registriert. An zweiter Stelle steht mit Genf ein weiterer Stadtkanton, wo 1000 Einwohnern 102,8 Straftaten gegenüberstehen.

Klicken Sie auf die einzelnen Kantone, um deren Werte zu sehen.

Erneut sind es die eher ländlichen Kantone, in denen verglichen mit der Einwohnerzahl am wenigsten Gesetzesverstösse verzeichnet wurden. Auf 1000 Einwohner heruntergerechnet führen Uri (22,7 verzeigte Straftaten), Appenzell Innerrhoden (23) und Schwyz (26) die Tabelle an.

Das Bundesamt für Statistik weist im Bericht allerdings darauf hin, dass direkte Vergleiche zwischen Kantonen insofern unfair sind, weil Städte und somit auch Stadtkantone («Knotenpunkte menschlicher Aktivitäten») wegen der starken Pendlerbewegungen benachteiligt sind.

«Angesichts der anspruchsvollen Sicherheitslage, der zunehmenden Komplexität der Fälle und der Bevölkerungszunahme ist dieses Ergebnis als äusserst positiv zu bezeichnen», schreibt die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten (KKPKS) in einer Mitteilung. Die Abnahme der Straftaten sei insbesondere im Rückgang der Vermögensdelikte zu finden, welche mehr als zwei Drittel aller Straftaten gegen das Strafgesetzbuches darstellen.

Gegenüber dem Vorjahr nahmen diese erneut um 6 Prozent ab, was einer Reduktion von über 19'200 Straftaten entspricht. So wurden im vergangenen Jahr 12 Prozent weniger Einbruchdiebstähle registriert. Taschendiebstähle und Fahrzeugeinbruchdiebstähle nahmen um 15 beziehungsweise 10 Prozent ab. Die Betrugsfälle waren um 16 Prozent und die Raubfälle um 7 Prozent rückläufig.

Mehr Drohungen gegen Beamte

Trotz allgemeinem Rückgang gab es auch Delikte, die gegen den Trend verliefen. So wurden im vergangenen Jahr beispielsweise erstmals über 3000 Straftaten von Gewalt und Drohung gegen Beamte polizeilich registriert. Dies entspricht mehr als acht Straftaten pro Tag. Laut der KKPKS kann die Zunahme mit einer restriktiveren kantonalen Politik zusammenhängen.

Auch im Bereich der Cyberkriminalität gab es mehr Verstösse gegen das Strafgesetzbuch. Taten wie unbefugte Datenbeschaffung ( 9 Prozent), unbefugtes Eindringen in Datensysteme ( 5 Prozent) und betrügerischer Missbrauch einer EDV-Anlage ( 4 Prozent) nahmen zu.

Rückläufige Zahl von Kriminaltouristen

Betrachtet man den Aufenthaltsstatus, so gehörten 79 Prozent der Beschuldigten zur ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz (schweizerische oder ausländische Staatsangehörige). Der Anteil der ausländischen Beschuldigten ohne Schweizer Wohnsitz ging um knapp 5 Prozent zurück.

Die Anteile der Beschuldigten aus der ständigen Wohnbevölkerung haben sich indes im Vergleich zu den Vorjahren nicht verändert: Rund 61 Prozent der Beschuldigten waren Schweizer und 39 Prozent waren ausländische Staatsangehörige mit einer Niederlassungsbewilligung oder einer Jahresaufenthaltsbewilligung.

(Mit Informationen der Nachrichtenagentur SDA.) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.03.2018, 11:06 Uhr

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