Wie der VCS das Pendeln reduzieren will

Der VCS fordert finanzielle Anreize, um das Pendeln zu verringern. Arbeit und Wohnen müssten wieder näher beisammen liegen. Und statt den öffentlichen Verkehr zu verteuern, müssten die Treibstoffpreise erhöht werden.

«Ein Jahrzehnt der Raumplanung» müsse nun folgen, fordert der VCS: Morgendliches Gedränge in einem Pendlerzug.

«Ein Jahrzehnt der Raumplanung» müsse nun folgen, fordert der VCS: Morgendliches Gedränge in einem Pendlerzug.

(Bild: Keystone)

Der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) fordert Massnahmen gegen die zersiedlungsfördernde Wirkung und den hohen Energieverbrauch des Verkehrs. Neue Strassen müssten mit grosser Zurückhaltung gebaut werden, hiess es heute an der Jahresmedienkonferenz in Bern.

In den letzten Jahren seien intensive Diskussionen geführt worden um die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs, hielt der linksgrüne Verkehrsverband fest. Auslöser gewesen sei die VCS-Initiative «Für den öffentlichen Verkehr». Sie habe den Bundesrat zur Ausarbeitung eines substanziellen Gegenvorschlags veranlasst.

Der Gegenvorschlag dürfe nun aber nicht zum Anlass werden, eine Verkehrspolitik nach dem Giesskannenprinzip einzuschlagen, sagte VCS-Zentralpräsidentin Franziska Teuscher gemäss Medienunterlagen. Die Verkehrspolitik müsse darauf abgestimmt werden, die Zersiedelung zu verringern.

Es müssten finanzielle Anreize geschaffen werden, um das Pendeln zu verringern. Neue Wohn- und Industriesiedlungen müssten dort erstellt werden, wo eine gute Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr vorhanden sei.

Kleines Land mit begrenztem Platz

Auf das «Jahrzehnt des Pendelns» müsse nun ein «Jahrzehnt der Raumplanung» folgen, sagte Teuscher, die auf Mitte April als VCS-Präsidentin zurücktritt. Der VCS-Zentralvorstand habe sich deshalb für die Volksabstimmung vom 3. März auch für das neue Raumplanungsgesetz ausgesprochen.

«Wir leben in einem kleinen, dicht besiedelten Land. Der Platz für neue Verkehrswege ist begrenzt. Und wir besitzen nicht riesige Landreserven für Leute, die auf dem Land leben und in die Zentren zur Arbeit pendeln wollen.»

In der Schweiz werde täglich die Fläche von rund zehn Fussballfeldern zugebaut: für Strassen, Einkaufszentren, Parkplätze oder Wohnsiedlungen. Längst sei die Scheu gewichen, ausserhalb der Bauzonen zu bauen: Rund 30 Prozent aller Gebäude stünden bereits ausserhalb derselben. «Die Folge: Landwirtschaftsland, Wildtierhabitate und Biodiversität gehen verloren, invasive Pflanzenarten verbreiten sich. Wohnen, Arbeit und Freizeit fallen räumlich immer weiter auseinander. Es bilden sich Schlafgemeinden, und die Ströme der Pendelnden wachsen.»

Nun sei «Slowing down» angesagt: «Ein Jahrzehnt, in dem wir haushälterisch mit unseren Bodenreserven umgehen. Ein Jahrzehnt, in dem wir unser Leben nicht zwischen Arbeiten und Wohnen auseinander reissen. Ein Jahrzehnt, in dem wir uns mehr Zeit gönnen.»

Gegen neue Strassen

VCS-Vizepräsident Roger Nordmann warnte davor, dass die Verkehrspolitik die Anstrengungen der Energiestrategie 2050 zunichte machen könnte. Der Bund schmiede Pläne für neue Autobahnen. Neue Strassen verursachten jedoch mehr Verkehr und verschärften die Erdölabhängigkeit.

Der Bund müsse Massnahmen ergreifen, um den Energieverbrauch des Verkehrs zu senken: Statt den öffentlichen Verkehr zu verteuern, müsse er die Treibstoffpreise erhöhen. Und statt Milliarden für eine zweite Gotthardröhre auszugeben, müsse der Güterverkehr endlich auf die Schiene verlagert werden.

Der VCS werde auch 2013 dafür kämpfen, dass der Verkehr nicht noch mehr zum Ressourcenverschlinger werde, sagte Co-Geschäftsleiterin Caroline Beglinger. Möglich werde dies durch Verlagerung: Der Strassenverkehr müsse auf die weitaus umweltfreundlichere Bahn verlagert werden. Fuss- und Veloverkehr müssten innerorts entschieden gefördert werden.

Mensch und Umwelt stünden im Zentrum der verkehrspolitischen Bestrebungen des VCS, erklärte Co-Geschäftsleiter Martin Enz. «Mensch und Umwelt» – diese Maxime führe der VCS deshalb auch in seinem Logo, das auf 2013 modernisiert und verjüngt worden sei.

rbi/sda

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