Achtung, KKS kommt!

Kündigt sich die neue Bundesrätin zum Antrittsbesuch an, bricht im Departement Nervosität aus. Anschauungsunterricht aus dem Bundesamt für Justiz.

Die neue Justizministerin Karin Keller-Sutter lernt derzeit ihr Departement kennen.

Die neue Justizministerin Karin Keller-Sutter lernt derzeit ihr Departement kennen.

(Bild: Keystone)

Daniel Foppa@DFoppa

Wer geglaubt hat, eine Truppeninspektion durch einen hohen Offizier sei in etwa das Penibelste, das man hierzulande erleben kann, war noch nie beim Antrittsbesuch einer neuen Bundesrätin dabei. Das Bundesamt für Justiz (BJ) überliess jedenfalls – gelinde gesagt – nichts dem Zufall, als Karin Keller-Sutter ihren Besuch für diese Woche ankündigte.

Davon zeugt ein Papier mit dem Titel «Ablauf Besuch BRKKS», das aus der Direktion des Bundesamts stammt und dieser Zeitung vorliegt. Auf die Minute genau ist dabei festgehalten, wie die neue Bundesrätin durch das Amt geführt wird, wen sie trifft und wer das Wort an sie richten darf.

Aufs Maul hocken

So soll der gemeine Angestellte primär aufs Maul hocken: «Regieanweisungen für Mitarbeiter: Um den Lärmpegel tief zu halten, sollen sich bitte die Mitarbeiter erst kurz vor der Präsentation auf ihrem Stock positionieren und entsprechend ruhig verhalten.»

Des weiteren soll der Bundesrätin der Anblick von herumschlenderndem Personal erspart werden. Alle sind deshalb angehalten, das Gebäude zwischen 16.30 Uhr und 18 Uhr über den hinteren Treppenaufgang, das Untergeschoss und via Parkplatz zu verlassen. Damit es jeder begreift: «Mitarbeiter des 1. OG steigen bitte zunächst in das 2. OG und betreten dort den hinteren Treppenauf-/-abgang.»

Zudem dürfen in dieser Zeit die Lifte nicht benützt werden. Das gilt auch für den Fall, dass etwas Unvorhergesehenes eintrifft. Denn: «Für Notfälle fährt der Warenlift.» Schliesslich sind sämtliche Türen auf allen Stockwerken offen zu fixieren, die Finger von der Stempeluhr zu lassen («Ausstemplungen nur manuell in SAP») und amtsfremde Personen wie das Putzteam über die geltenden Regeln zu informieren.

Klebeband für die Direktion

Für den «Vollzug der Regieanweisungen» sind die Vizedirektoren verantwortlich. Selbige haben sich beim Eintreffen von Keller-Sutter zusammen mit Amtsdirektor Martin Dumermuth und der Bundesratsentourage beim Treppenaufgang aufzuhalten. Damit kein Tollpatsch am falschen Ort steht, wird verfügt: «Der Bereich wird mit Scotch-Band markiert.»

Wie aus dem Amt zu vernehmen ist, sorgen die Anweisungen für Stirnrunzeln. Besonders angetan sind die Mitarbeiter vom Klebeband, mit dem der Bereich der Führungskräfte vom übrigen Personal abgegrenzt wird.

Karin Keller-Sutters Besuch war für Montag geplant. Wegen einer starken Erkältung der Bundesrätin musste er nun auf übernächste Woche verschoben werden. Amtsdirektor Dumermuth und seine Vizedirektoren erhalten damit Gelegenheit, noch ein paar Tage an ihren Regieanweisungen zu feilen und die Mitarbeiter zu schulen. Damit sich am grossen Tag niemand zu früh auf dem Stock präsentiert, sich unruhig verhält oder auf das Scotch-Band steht.

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