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Als die Räder in der Schweiz still standen

Es war die grösste soziale Krise der Schweiz: Vor 90 Jahren fand in der Schweiz der Landesstreik statt.

Der Erste Weltkrieg verursachte in der Schweiz soziales Elend und Not: Es entstanden soziale Unruhen, vom 12. bis zum 14. November 1918 fand der Landesstreik statt. Gegen die Streikenden wurden Truppen aufgeboten, wie hier beim Zürcher Paradeplatz. Der Zürcher Regierungsrat tagte in der Kaserne.
Der Erste Weltkrieg verursachte in der Schweiz soziales Elend und Not: Es entstanden soziale Unruhen, vom 12. bis zum 14. November 1918 fand der Landesstreik statt. Gegen die Streikenden wurden Truppen aufgeboten, wie hier beim Zürcher Paradeplatz. Der Zürcher Regierungsrat tagte in der Kaserne.
Keystone
Eine Dragonerabteilung auf der Thunstrasse in Bern. General Ulrich Wille liess unter Führung von Divisionär Emil Sonderegger Zürich, Bern und weitere Zentren militärisch besetzen. Auch die Eisenbahn wurde durch Soldaten betrieben.
Eine Dragonerabteilung auf der Thunstrasse in Bern. General Ulrich Wille liess unter Führung von Divisionär Emil Sonderegger Zürich, Bern und weitere Zentren militärisch besetzen. Auch die Eisenbahn wurde durch Soldaten betrieben.
Keystone
Robert Grimm in einer Rede 1920: Der Berner SP-Nationalrat war Miglied des Oltner Aktionskomitees und feuriger Streikbefürworter. Später wurde er Berner Regierungsrat und regierte konsensorientiert.
Robert Grimm in einer Rede 1920: Der Berner SP-Nationalrat war Miglied des Oltner Aktionskomitees und feuriger Streikbefürworter. Später wurde er Berner Regierungsrat und regierte konsensorientiert.
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Das «Oltner Aktionskomitee» rief den Landesstreik am 12. November 1918. Die Not in den Arbeiterfamilien war am Ende des Ersten Weltkrieges derart gross, dass dem Streikaufruf vor allem in den Städten gefolgt wurde, die ländlich Bevölkerung erreichte er kaum. In Kürze stand in den Schweizer Fabriken, in Postbüros, beim öffentlichen Verkehr und auf den Baustellen alles still. Rund 250’000 Arbeiter nahmen teil.

Die Streikenden stellten neun Forderungen. Was im damals aufgeheizten Klima von bürgerlicher Seite als Vorboten einer «bolschewistischen Schweiz» gegeisselt wurde, ist seit langem Normalität in einer liberalen Demokratie und im Sozialstaat. Verlangt wurden unter anderem die Einführung der Proporzwahl für den Nationalrat, das Frauenwahlrecht, die 48-Stunden-Woche sowie die Einführung einer Alters- und Invalidenversicherung.

Militäreinsatz mit fatalen Folgen

Als Reaktion auf den Generalstreik setzte der Bundesrat die Armee als «Ordnungsdienst» ein. Unter dem militärischen Druck wurde der Streik am 14. November beendet, ohne dass die Forderungen erfüllt waren. Das Oltner Aktionskomitee aus führenden Sozialisten wollte ein Blutvergiessen verhindern.

Unmittelbar nach Streikabbruch kam es um 14 Uhr in Grenchen SO dennoch zu einer Tragödie: Drei junge Arbeiter wurden von der Armee erschossen. Die Umstände des Blutbades wurden nie restlos geklärt.

In Erinnerung an den Generalstreik von 1918 ist gestern in Olten ein Denkmal eingeweiht worden.

AP/li

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