Auch Autofahrer zahlen nicht alles

Zwar bezahlen die Autofahrer 90 Prozent der Kosten der Strassen selber, doch auch so fehlen gut 5 Milliarden Franken im Jahr. Die Bahn­fahrer hingegen zahlen nicht einmal die Hälfte der Kosten.

Die Autofahrer bezahlen 90 Prozent der Kosten der Strassen selber.

Die Autofahrer bezahlen 90 Prozent der Kosten der Strassen selber.

(Bild: Keystone)

Fabian Schäfer@FabianSchaefer1

Die nächste Abstimmung über die Verkehrs­finanzierung steht vor der Tür. Der neue Strassenfonds des Bundes (kurz: NAF), den das Parlament soeben bereinigt hat, kommt demnächst an die Urne. Die Vorlage würde das Autofahren leicht verteuern, indem sie die Mineralölsteuer um 4 Rappen pro Liter erhöht. Damit stellt sich kurz nach der «Milchkuh»-Abstimmung vom Juni schon wieder die Frage, wie fair die Verkehrsfinanzierung ist. Werden Autofahrer geschröpft und Bahnfahrer geschont? Oder ist es umgekehrt?

Teuer sind primär die Autos

Die neue Statistik zu Kosten und Finanzierung des Verkehrs, die der Bund gestern publiziert hat, freut wohl primär die Befürworter eines höheren Benzinpreises. Sie zeigt, dass die Autofahrer nicht alle Kosten der Strasseninfrastruktur decken. Zwar nehmen Bund und Kantone von den Autofahrern mehr ein, als sie für die Strassen ausgeben, bei den Gemeinden aber klafft eine grosse Lücke.

Sie nehmen für Bau und Unterhalt ihrer Strassen unter dem Strich – nach Abzug von Parkgebühren und Kantonsbeiträgen – 2,6 Milliarden Franken * aus der allgemeinen Kasse. Ins­gesamt bezahlen die Autofahrer rund 170 Millionen im Jahr zu wenig, um die vollen Strassenkosten zu decken.

Viel grösser ist die Lücke, wenn man auch die Kosten einkalkuliert, die durch Unfälle, Lärm, Luftverschmutzung oder Klimaveränderungen verursacht werden. So berechnet liegen die Gesamtkosten des privaten motorisierten Strassenverkehrs bei 51,6 Milliarden Franken im Jahr. Davon tragen die Autofahrer nur 90 Prozent.

Am meisten Geld geben sie für ihre fahr­baren Untersätze aus, die sie im Gegensatz zu den Bahnnutzern selber bezahlen (34 Milliarden im Jahr). Die restlichen 10 Prozent hingegen – gut 5 Milliarden im Jahr – bleiben an der Allgemeinheit hängen. Somit lässt sich die höhere Benzinsteuer statistisch rechtfertigen.

Enorme Bahnsubventionen

Doch auch die Autolobby findet in der Statistik Zahlen für ihre Kritik, der Staat verhätschle die Bahnfahrer. So ist der Kosten­deckungsgrad der Bahnnutzer weiterhin sehr tief: Über Billett- und Abopreise tragen sie bloss 46 Prozent der Kosten des Personenverkehrs auf der Schiene.

Konkret bezahlen die Bahnfahrer nur 3,8 Milliarden Franken, während der Staat sie via seine Bei­träge an die Bahnen mit rund 4 Milliarden quersubventioniert. Obendrein überlässt der Schienenverkehr der Allgemeinheit Umwelt- und Gesundheitskosten von 400 Millionen im Jahr.

Somit haben beide Seiten recht. Es stimmt, dass die Autofahrer einen viel grösseren Teil ihrer Kosten selber tragen als die Bahnnutzer. Es stimmt aber auch, dass die ungedeckten ­Kosten des Strassenverkehrs in Franken trotzdem höher sind als die der Schiene. Ganz einfach, weil der Personenverkehr auf der Strasse insgesamt massiv höhere Kosten verursacht als jener auf der Schiene (51,6 gegen 8,4 Milliarden im Jahr).

* Alle Zahlen stammen aus dem Jahr 2013, da die Statistik immer erst mit grösserer Verzögerung vorliegt.

Berner Zeitung

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