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«Aufklärung ist Sache der Eltern»

Politiker aus EVP, EDU und SVP starten eine Petition «gegen die Sexualisierung der Volksschule». Anlass der Entrüstung ist der neue «Lehrplan 21», der von Kantonen gegenwärtig ausgearbeitet wird.

Bildung und Aufklärung: Schülerinnen und Schüler einer Primarschule sitzen im Kreis.
Bildung und Aufklärung: Schülerinnen und Schüler einer Primarschule sitzen im Kreis.
Keystone

Von einem Obligatorium für Sexualkunde an der Volksschule wollen Ulrich Schlüer (SVP), Pius Segmüller (CVP), Werner Messmer (FDP) und Andreas Brönnimann (EDU) nichts wissen. Die vier Politiker lancieren deshalb eine Petition, um den so genannten «Lehrplan 21 Sexualkunde» zu bekämpfen.

Dieser sei «gespickt mit allerlei «Handlungsanleitungen» bereits für Kinder ab vier Jahren, monieren die Urheber der heute im Bundeshaus vorgestellten Streitschrift. «Drastisches, Skandalöses» sei darin angesagt: detaillierte Anleitungen oder Links zu konkreten sexuellen Betätigungen wie Analsex, Oralsex oder Sex mit dem gleichen Geschlecht. Einzelne Autoren verirrten sich auch in die sexuelle Vulgärsprache, die Grenze zur Pornographie werde immer wieder überschritten.

Aufgabe der Eltern

Die Eltern könnten weder auf den Unterricht noch auf die Lehrmittel Einfluss nehmen, beklagen sich die Initianten. Man wolle den Eltern auch verbieten, ihre Kinder vom Sexualkunde-Unterricht dispensieren zu lassen. Dabei sei die sexuelle Aufklärung doch vor allem Aufgabe der Eltern

Die Sammelfrist für die Petition läuft bis 1. Oktober 2011. Die Petition wird organisatorisch abgewickelt durch den vom «Schweizerzeit»-Verlag in Flaach ZH herausgegebenen «Bildungskompass». Dieser wird vom Zürcher SVP-Nationalrat Ulrich Schlüer koordiniert.

Erziehungsdirektoren: Nötige Sorgfalt

Die Erziehungsdirektorinnen und -direktoren der Deutschschweiz sind seit vergangenem Herbst daran, den Lehrplan 21 für die Volksschule zu erarbeiten. Damit setzen sie Artikel 62 der Bundesverfassung um, die Ziele der Schule zu harmonisieren. Der Lehrplan 21 soll im Frühling 2014 den Kantonen zur Einführung übergeben werden.

Sexualkundliche Inhalte seien seit vielen Jahren Teil der kantonalen Volksschullehrpläne, hielt die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz am Freitag fest. In der Regel beginne der Sexualkunde-Unterricht gegen Ende der Primarschulzeit und werde auf der Sekundarstufe I fortgeführt. Die Lehrpersonen würden die sensiblen Inhalte mit der nötigen Sorgfalt behandeln. An dieser bewährten Praxis werde der Lehrplan 21 nichts ändern.

Keine Sexualkunde im Kindergarten

Namentlich werde es keinen Sexualkunde-Unterricht im Kindergarten geben, schreiben die Deutschschweizer Erziehungsdirektoren. Solche Berichte würden sich auf ein Grundlagenpapier zur Sexualpädagogik stützen, das im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit von der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz erstellt worden sei. Dieses Dokument sei jedoch weder im Auftrag noch unter Mitwirkung der Erziehungsdirektoren-Konferenz entstanden. Seine Inhalte seien für den Lehrplan 21 nicht massgebend.

Der Lehrplan-Entwurf werde im Jahr 2013 in einer breiten Konsultation öffentlich diskutiert werden können. Dann werde man auch über die Angemessenheit der sexualkundlichen Inhalte für die einzelnen Schulstufen sprechen können.

SDA/ssc

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