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Ausbildung soll Migration bremsen

Mit Ausbildungsprojekten vor Ort möchte der Bund die Migration eindämmen. Als Beispiel nennt das Aussendepartement das Projekt «Skills 4 Life» im kenianischen Lager Kakuma.

Diese junge Afrikanerin lebt im Flüchtlingslager. Sie lernt dort nähen und wie man damit Geld verdienen kann.
Diese junge Afrikanerin lebt im Flüchtlingslager. Sie lernt dort nähen und wie man damit Geld verdienen kann.
zvg

In Libyen stauen sich die Flüchtlinge. Wie viele dort wirklich auf die Überfahrt nach Europa warten, ist unklar. Auf jeden Fall sind es Hunderttausende. Wegen dieser Krise treffen sich aktuell die Innenminister europäischer und afrikanischer Länder in Bern. Bei der sogenannten Kontaktgruppe zentrales Mittelmeer reift die Erkenntnis, dass das Problem nicht bloss in Nordafrika gelöst werden kann.

Am einfachsten wäre es, die Menschen würden ihre Reise gen Norden gar nie antreten. Schweizer Migrationsexperten hoffen, wer in seiner Heimat oder in einem afrikanischen Transitland eine Perspektive erhält, werde nicht weiterwandern. Das Aussendepartement (EDA) setzt dazu auf Bildungs- und Ausbildungsprojekte. So soll ein 2016 erteilter parlamentarischer Auftrag eingelöst werden. Dessen Ziel: internationale Zusammenarbeit mit der Migration verknüpfen.

Exemplarisch für diese Stossrichtung steht für das EDA das ­Pilotprojekt «Skills 4 Life». 2013 startete dieses in einem der grossen Flüchtlingslager in Kenia. Dorthin haben sich Menschen aus den zerrütteten Staaten Somalia und Südsudan gerettet. In Kakuma leben heute rund 185 000 Menschen, etliche davon seit der Gründung des Lagers im Jahr 1992. Viele Kinder und Jugendliche kennen nichts anderes als den monotonen Lageralltag.

Jugendliche ohne Eltern

Véronique Su von Swisscontact, einer auf technische Zusammenarbeit spezialisierten Stiftung, kennt das Lager und das Projekt. Sie lebt in der kenianischen Hauptstadt Nairobi und besucht das Lager mehrmals pro Jahr. «Es gibt Leute, die leben dort schon seit 25 Jahren», erzählt Su. Viele Jugendliche seien ohne Eltern in Kakuma angekommen. Die Bewegungs- und Gewerbefreiheit ist stark eingeschränkt. So will das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR Konflikten vorbeugen. Immerhin sei es in Kakuma friedlich, weshalb das UNHCR nun etwas mehr Freiraum zulasse.

Denn auch das UNHCR sieht Nachteile in einem rigiden Lagerregime, das bisher in allen internationalen Flüchtlingslagern galt. Im Nahen Osten führte das etwa dazu, dass Syrer zur Einsicht kamen, dass sie im Lager keine Zukunft hätten. Sie machten sich wieder auf und zogen weiter – nach Europa.

Das UNHCR will darum Lager künftig offener konzipieren und Perspektiven schaffen für deren Bewohnerinnen und Bewohner. Die dem EDA angegliederte Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) hat deshalb zusammen mit Swisscontact in Kakuma «Skills 4 Life» entwickelt. Das Projekt soll junge Menschen dazu befähigen, für sich selber zu sorgen (siehe Box).

Überzogene Erwartungen

Véronique Su ist für die Umsetzung des Projekts verantwortlich. Sogar am Telefon ist ihre Begeisterung für diesen neuartigen Ansatz spürbar. Bisher habe es nur humanitäre Hilfe gegeben in Kakuma, mit Swisscontact sei erstmals eine Entwicklungsorganisation aktiv. Sie sieht das Projekt als Leuchtturm – Nachahmung empfohlen. Swisscontact bereitet das Konzept derzeit so auf, dass es auch anderswo auf der Welt angewandt werden kann.

Das passt zur Absicht des EDA. Denn neben dem Bestreben, die Migration über das Mittelmeer um jeden Preis und repressiv zu unterbinden, braucht man dringend ein positiv besetztes Gegengewicht. Dafür eignet sich das Swisscontact-Projekt in Kakuma aber eigentlich nicht. Zwar ist Véronique Su wie das EDA von der Idee überzeugt, in Afrika mit Bildung und Arbeit für mehr Stabilität zu sorgen.

Doch ob mit solchen Projekten Migration verhindert werden kann, bezweifelt sie. Die vermittelten Fähigkeiten könnten zwar individuell das ökonomische Überleben ermöglichen. «Doch damit Menschen wieder Fuss fassen können, braucht es mehr – zum Beispiel sichere Lebensbedingungen.»

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