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Ausreisezentrum: Über 60 Prozent der Asylbewerber sind abgetaucht

In den 15 Monaten seit der Eröffnung verzeichnet das Ausreisezentrum Embrach 309 unkontrollierte Abgänge.

Wohin die Asylsuchenden gingen, entzieht sich der Kenntnis der Behörden: Eine Tour durch das Durchgangszentrum in Embrach.
Wohin die Asylsuchenden gingen, entzieht sich der Kenntnis der Behörden: Eine Tour durch das Durchgangszentrum in Embrach.
Walter Bieri, Keystone
Abgesperrt: Ein mannshoher Zaun umgibt das Bundesasylzentrum in Embrach.
Abgesperrt: Ein mannshoher Zaun umgibt das Bundesasylzentrum in Embrach.
Urs Jaudas
Nationalitäten: Die 67 Asylsuchenden im Juli 2017  – sechzig Männer, vier Frauen und drei Kinder – stammen aus einem Dutzend verschiedenen Nationen.
Nationalitäten: Die 67 Asylsuchenden im Juli 2017 – sechzig Männer, vier Frauen und drei Kinder – stammen aus einem Dutzend verschiedenen Nationen.
Urs Jaudas
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Aus dem Ausreisezentrum Embrach ZH reisen rund 61 Prozent der Asylbewerberinnen und -bewerber unkontrolliert ab. Das zeigt sich 15 Monate nach der Eröffnung des Versuchsbetriebs.

Zusammen mit dem Verfahrenszentrum in Zürich testet der Bund im Ausreisezentrum in Embrach das neue Asylgesetz, das auf Anfang 2019 in Kraft tritt. Ins Embracher Zentrum - die letzte Station im Asylverfahren - wurden zwischen März 2017 und der ersten Juniwoche 2018 insgesamt 649 Asylsuchende eingewiesen. Sie warten dort auf die Rückführung in die Heimat, in einen Drittstaat oder einen Dublinstaat.

Landesweit 2378 unkontrollierte Abreisen

503 von ihnen traten wieder aus, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) am Mittwoch einen Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» bestätigte. 309 dieser Austritte erfolgten sogenannt unkontrolliert. Das sind rund 61 Prozent der Austritte. Wohin die Asylsuchenden gingen, entzieht sich der Kenntnis der Behörden.

Landesweit gab es zwischen Januar und Ende Mai 2018 insgesamt 2378 solcher unkontrollierter Abreisen, wie das SEM in seiner Asylstatistik ausweist. Demgegenüber standen 2801 kontrollierte Abreisen.

Darunter fallen selbständige Abreisen sowie Rückführungen in die Heimat, einen Drittstaat oder einen Dublinstaat. Unter «andere Abgänge» listet das SEM 1472 Fälle auf. Die unkontrollierten Abreisen hatten damit über die ganze Schweiz gesehen einen Anteil von rund 36 Prozent an allen Abgängen aus dem Asylsystem.

13 definitive Standorte

Mit den Ausreisezentren will der Bund sicherstellen, dass Asylbewerber, die nicht in der Schweiz bleiben können, direkt ab den Bundeszentren in ihre Herkunftsstaaten zurückgeführt werden. In den Verfahrenszentren des Bundes werden Asylgesuche eingereicht, geprüft und entschieden.

Insgesamt sind 18 Bundeszentren vorgesehen. Bei 13 Zentren steht der Standort bereits verbindlich fest, drei sind noch umstritten und zwei in Evaluation, wie das SEM auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA weiter mitteilte. Losone TI entschied sich am Sonntag in einer Abstimmung gegen ein Bundeszentrum.

Verfahrenszentren werden neben Zürich in Basel, Boudry NE, Balerno und Novazzano im Tessin sowie Alstätten SG eingerichtet. Ausreisezentren wird es eines bis drei pro Region geben. In der Region Bern soll ein solches Zentrum in Kappelen entstehen. In der Nordwestschweiz steht ein Standort fest: Geplant ist ein Neubau in Flumenthal SO.

In der Region Zürich ist neben dem bereits entschiedenen und bestehenden Zentrum in Embrach in Rümlang ein Ausreisezentrum vorgesehen. In der Ostschweiz bleibt das heutige Zentrum in Kreuzlingen TG bestehen. Die Zentral- und Südschweiz erhält ein neues Zentrum in Schwyz.

In der Westschweiz wurden die Standorte Giffers FR, Grand-Saconnex GE und Vallorbe VD gewählt. Les Verrières NE schliesslich steht fest als Standort für die Unterbringung renitenter Asylsuchender. In der Deutschschweiz sucht das SEM noch einen entsprechenden Standort.

SDA/sep

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