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Autobahnvignette kostet künftig 100 Franken

Wer auf der Autobahn unterwegs ist, muss in Zukunft 100 anstatt wie bisher 40 Franken im Jahr zahlen. Mit dem Geld will der Bundesrat das Strassennetz erweitern – und gegen Staus vorgehen.

Das Autobahnfahren wird 60 Franken teurer: Autobahnvignetten aus früheren Jahren kleben an der Frontscheibe eines Autos. (Archivbild)
Das Autobahnfahren wird 60 Franken teurer: Autobahnvignetten aus früheren Jahren kleben an der Frontscheibe eines Autos. (Archivbild)
Keystone

Im Kampf gegen Staus will der Bund auf Autobahnabschnitten mit viel Verkehr zeitweise die Höchstgeschwindigkeit reduzieren und Lastwagen das Überholen verbieten. Zudem sollen Pannenstreifen vorübergehend zu Fahrbahnen werden.

Im Jahr 2010 gab es auf Schweizer Nationalstrassen 16'000 Stunden Stau, über 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Dagegen will der Bund angehen. «Es wird weiterhin Staus geben, aber wir hoffen, dass wir den Verkehrsfluss verbessern können», sagte Verkehrsministerin Doris Leuthard vor den Medien in Bern.

Sie hat das Bundesamt für Strassen beauftragt, verschiedene Massnahmen zur Staubekämpfung umzusetzen. So soll es Anlagen installieren, auf welchen eine vorübergehende Reduktion der Höchstgeschwindigkeit von 120 auf 100 oder 80 Km/h angezeigt werden kann.

Automatischer Befehl zur Temporeduktion

Gegenwärtig gibt es solche Verkehrsleitsysteme auf insgesamt 85 Kilometern. In den kommenden Jahren sollen die Anlagen schrittweise automatisiert und auf eine Gesamtlänge von 400 Kilometern ausgebaut werden. Autofahrerinnen und Autofahrer sollen die Geschwindigkeit auf rund 30 Prozent des Autobahnnetzes bei Staugefahr reduzieren müssen.

Die Forschung zeige, dass ein Autobahnabschnitt seine maximale Kapazität dann erreiche, wenn die Fahrzeuge mit einer Geschwindigkeit von rund 85 km/h unterwegs seien, schreibt das Verkehrsdepartement (Uvek). Eine schrittweise Reduktion der Maximalgeschwindigkeit reiche in vielen Fällen aus, um Staus zu verzögern und abzuschwächen.

Fahren auf dem Pannenstreifen

Als weitere Massnahme plant der Bund, bis 2020 Pannenstreifen auf rund 125 Kilometern umzunutzen. Ein Pilotversuch auf der A1 zwischen Morges- und Ecublens hat laut Leuthard gezeigt, dass die Folgen positiv sind. Kurzfristig ist die Umnutzung von Pannenstreifen im Raum Bern und auf der Umfahrung Winterthur geplant, mittelfristig sollen weitere Regionen dazu kommen.

Auf manchen Teilstrecken sollen Lastwagen zudem künftig bei hohem Verkehrsaufkommen nicht mehr überholen dürfen. Geplant ist weiter eine bessere Information der Autofahrerinnen und Autofahrer, etwa über Textanzeigen auf den Autobahnen.

Engpässe beseitigen

Es handle sich bei den Massnahmen nicht um einen Ersatz für Ausbauten und die Beseitigung von Engpässen, stellte Leuthard klar. Die Engpassbeseitigung werde aber Jahre in Anspruch nehmen. Ein erstes Paket hatte das Parlament 2010 beschlossen.

2014 soll ein weiteres Paket ins Parlament kommen. Die Räte werden dann entscheiden müssen, welche Projekte mit den noch verfügbaren rund 4 Milliarden Franken realisiert werden sollen. Für alle Engpässe wird es nicht reichen, wie das Uvek festhält.

Vignette wird teurer

Beschlossen hat der Bundesrat, dass die Autobahnvignette künftig 100 Franken kosten soll. Neu soll es auch eine Zweimonatsvignette für 40 Franken geben. Der Bundesrat hält nach der Vernehmlassung an diesem Plan fest. Mit dem zusätzlichen Geld will er das Nationalstrassennetz erweitern.

Auf Anfang 2014 sollen zusätzliche Strecken im Umfang von rund 387 Kilometern ins Netz aufgenommen werden. Es handelt sich ausschliesslich um bereits bestehende kantonale Strassenverbindungen. Für diese Strassen - unter anderem jene zwischen Bern und Biel oder zwischen Bellinzona und Locarno - soll neu der Bund verantwortlich sein.

Mehrkosten von 305 Millionen

Der Bundesrat hat die Botschaft dazu ans Parlament geleitet. Insgesamt entstehen durch die Aufwertung der Strassen Mehrkosten von rund 305 Millionen Franken pro Jahr. 30 Millionen sollen die Kantone tragen, 275 Millionen der Bund.

Der Bundesrat will auch drei bedeutende Ausbauvorhaben übernehmen, welche die Kantone vorangetrieben haben. Es handelt sich um die Lückenschliessung der Zürcher Oberlandautobahn sowie die Umfahrungen von Le Locle und La Chaux-de-Fonds. Schliesslich will der Bundesrat die Glattalautobahn und die Umfahrung Morges ins Nationalstrassennetz aufnehmen. Dies sei nötig für die Engpassbeseitigung, hält das Uvek fest.

Der Vignettenpreis soll nicht auf Vorrat erhöht werden, sondern erst dann, wenn die Rückstellungen für die Finanzierung des Strassenverkehrs unter eine Milliarde Franken gesunken sind. Dies ist voraussichtlich 2015 der Fall. Eine Erhöhung der Mineralölsteuer sei nicht vom Tisch, sagte Leuthard. Vorerst reiche aber die Verteuerung der Autobahnvignette.

SDA/wid

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