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Baader, Zuppiger – SVP-Kandidaten mit heiklen Privatmandaten

Nationalrat Thomas Hurter zieht seine Kandidatur zurück - weil mit Caspar Baader und Bruno Zuppiger zwei starke Kandidaten bereit stünden. Doch die sind aufgrund ihrer privaten Mandate und Geschäfte heikel für ihre Partei.

Diskussion unter ihresgleichen: Caspar Baader und Bruno Zuppiger.
Diskussion unter ihresgleichen: Caspar Baader und Bruno Zuppiger.
Keystone

Die Art, wie Bruno Zuppiger seine Kandidatur eingefädelt hat, ist typisch für den Zürcher Oberländer. Bei der Delegiertenversammlung der Kantonalpartei feierte er noch die Einzelkandidatur von Christoph Blocher. Einen Tag darauf meldete die Bezirkspartei Hinwil der Parteizentrale in Bern in aller Stille die Kandidatur ihres Nationalrats Zuppiger an. Selbst die ihm wohlgesinnte NZZ kritisierte, seine Kandidatur sei «nicht speziell souverän» eingefädelt worden.

Zuppigers Parteikollegen wundern sich nicht darüber. In der Fraktion hört man zuweilen, der Zürcher sei ein «Mischler» und «Hansdampf in allen Gassen» - eine Anspielung auf seine vielen, nicht immer transparenten Mandate und Geschäfte. Im Volkswirtschaftsdepartement in Bern erinnert man sich etwa noch gut an den Besuch von Nationalrat Zuppiger, der für eine Waffenfirma lobbyierte. Zuppiger ist heute Präsident der Sicherheitskommission des Nationalrats (SIK). Über seine Verbindungen zu Rüstungsfirmen, die naturgemäss primär von Staatsaufträgen leben, hat er dort bislang nie Klarheit geschaffen.

Zuppiger am rechten Fügel

Ins Gesamtbild von Bruno Zuppiger passt auch, dass er viele Parlamentarier und Journalisten im Glauben lässt, er gehöre zum gemässigten Flügel der SVP. Die NZZ situiert ihn jedoch klar rechts von Fraktionschef Caspar Baader und Vizepräsident Adrian Amstutz. «Ich erwarte, dass der Kandidat Bruno Zuppiger über alle seine Geschäfte völlige Transparenz herstellt - insbesondere über seine Verbindungen zur Waffenindustrie», verlangt Josef Lang von den Grünen, wie Zuppiger Mitglied der Sicherheitskommission im Nationalrat.

Nicht ganz unproblematisch ist auch die Kandidatur von Fraktionschef Caspar Baader. Er wollte zuerst nicht, liess sich dann aber trotzdem von seiner Baselbieter Sektion aufstellen. Der Anwalt ist linientreu wie kein anderer in der SVP. Er sitzt im Verwaltungsrat des mächtigsten Agrarkonzerns der Schweiz, der Fenaco. Sie profitiert davon, dass die Schweizer Märkte von Staats wegen vom Ausland abgeschottet sind.

Gegen den Agrarfreihandel

Die Fenaco sorgte Anfang Jahr für Aufregung. So hatte das Wirtschaftsdepartement erlaubt, Kartoffeln aus Ägypten einzuführen. Die Bauernlobby mit Bauernpräsident und SVP-Präsident Hansjörg Walter an der Spitze schrie «Skandal, Skandal». Dann sickerte durch, dass die Fenaco die Kartoffeln eingeführt hatte. Eine Episode, welche das Doppelspiel der Fenaco und ihrer Chefs zeigt: Einerseits den Schweizer Markt abschotten, selber jedoch billig im Ausland einkaufen.

Der frühere Preisüberwacher Rudolf Strahm kritisierte in der Vergangenheit aber auch mehrmals Fenaco-Töchter wegen ihren Knebel-Verträgen mit Landwirten.

Keiner so unabhängig wie Blocher

Problematisch für Baader ist zudem, dass Fenaco-Vertreter durchs ganze Land tingeln, um an Veranstaltungen Stimmung gegen den vom Bundesrat beschlossenen Agrarfreihandel mit der EU zu machen. Wird er in den Bundesrat gewählt, müsste er diese Position der Regierung mittragen - daran glaubt aber niemand so recht.

Wer auch immer der nächste SVP-Bundesrat wird, so unabhängig wie Blocher wird er kaum politisieren können. Zu sehr sind viele Kandidaten wie Zuppiger und Baader direkt oder indirekt mit dem Staat verbandelt.

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