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Bauarbeiter demonstrieren gegen Lohndumping

In Bern gingen heute rund 12'000 Arbeiter aus dem Baugewerbe auf die Strasse. Sie fordern würdige Arbeitsbedingungen und bessere Löhne. Laut Unia hätten sie vom Bauboom nicht profitieren können.

Viele Strassen in der Stadt mussten abgesperrt werden.
Viele Strassen in der Stadt mussten abgesperrt werden.
Aenea Wasmer
Die Demonstranten sammelten sich bei der Schützenmatte.
Die Demonstranten sammelten sich bei der Schützenmatte.
Aenea Wasmer
Aenea Wasmer
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Mehrere Tausend Bauarbeiter haben am Samstagnachmittag in Bern an einer Kundgebung gegen Lohndumping protestiert und einen besseren Schutz ihrer Gesundheit gefordert. Nach Angaben der Organisatoren zogen 12'000 Personen durch die Berner Innenstadt zum Bundesplatz.

Den Gewerkschaften Unia und Syna gelang damit eine Grossmobilisierung vor den nächsten Verhandlungen für einen neuen Landesmantelvertrag. Dieser Gesamtarbeitsvertrag zwischen den Gewerkschaften des Baus und dem Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) läuft Ende Jahr aus. Er regelt nach Angaben von Unia und Syna die Arbeitsbedingungen von gegen 100'000 Bauarbeitern in der Schweiz.

Streik als letztes Mittel

Hansueli Scheidegger, Sektorleiter Bau der Unia, warf dem SBV in einer Rede vor den Demonstrierenden vor, die Verhandlungen zu verschleppen. Der Grossaufmarsch der Bauarbeiter gebe nun der Gegenseite ein deutliches Zeichen, dass sie sich bewegen müsse.

«Wenn nötig kämpfen die Bauarbeiter auch mit dem letzten Mittel, dem Streik», sagte Scheidegger. Das bekräftigten die Kundgebungsteilnehmer in einer Abstimmung, indem sie einen roten Zettel mit dieser Aussage in die Höhe hielten.

«Zitrone ist ausgepresst»

Nach Angaben der Gewerkschaften hat das Baugewerbe im vergangenen Jahr eine Umsatzsteigerung von 3,1 Prozent hingelegt, dies bei 3,5 Prozent weniger Beschäftigten. Diese Produktivitätssteigerung von mehr als 6 Prozent in der Branche sei eine Folge des zunehmenden Drucks auf den Baustellen, sagen Unia und Syna.

Auch grassiere bei den Unternehmen die Unsitte, immer mehr Akkordanten und Unterakkordanten einzusetzen und so den Gewinn zu optimieren.

Die Gewerkschaften erklären nun, die Zitrone sei ausgepresst. Ihre Hauptforderungen in den Verhandlungen mit dem SBV sind eine hundertprozentige statt wie heute achtzigprozentige Lohnfortzahlung bei Krankheit und Unfall, einen besseren Kündigungsschutz für ältere und gewerkschaftlich tätige Arbeitnehmer sowie Massnahmen gegen Preisdumping.

Auch sollen die Arbeitnehmer vom Boom im Baugewerbe mitprofitieren und 100 Franken Reallohnerhöhung sowie höhere Mindestlöhne erhalten.

Baumeister wollen Vertrag verlängern

Der Schweizerische Baumeisterverband ist der Ansicht, dass es mehr Zeit braucht, um einen neuen Landesmantelvertrag auszuarbeiten. Er hat deshalb den Gewerkschaften angeboten, den heute gültigen um ein halbes Jahr zu verlängern.

Der SBV wirft den Gewerkschaften in einer Mitteilung vom 20. September «kompromissloses Verhalten» vor. Auch sei es unzulässig, die Lohnverhandlungen, die immer erst Anfang Oktober begonnen hätten, mit den Verhandlungen für einen neuen Landesmantelvertrag zu verknüpfen. Die Gewerkschaften provozierten einen vertragslosen Zustand.

Scheidegger sagte dazu am Samstag in seiner Rede, seit letztem Februar dauerten die Verhandlungen. Konkreten Zusagen seien die Baumeister immer aus dem Weg gegangen. Der SBV wende «faule Tricks» an.

SDA/aw

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