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«Bei der Post sind Emotionen im Spiel»

Schweizweit droht 459 Poststellen die Umwandlung in eine Agentur. Trotz zunehmendem Widerstand aus der Politik will Postchefin Susanne Ruoff an ihrem Plan festhalten.

Post-CEO Susanne Ruoff über die Schliessung von Poststellen. <i>Indterview: Stefan Schnyder, Kamera: Claudia Salzmann</i>

459 Poststellen droht schweizweit die Umwandlung in eine Agentur. Vergangene Woche zeigte sich im Parlament ein grosser Unmut gegenüber der Post. Hat Sie dies überrascht?Susanne Ruoff: Nein. Aber da ­werden verschiedene Dinge miteinander vermischt. Ich finde es sehr wichtig, dass wir mit der Politik über das Thema Grundversorgung diskutieren. Das begrüsse ich sehr. Dabei muss man festlegen, welche Kundenwünsche wir künftig berücksichtigen müssen. Und wer die Erbringung dieser Dienstleistungen finanziert. Denn die Post verfolgt auch klar das Ziel, eigenwirtschaftlich zu sein.

Bundesrätin Doris Leuthard hat gesagt, dass momentan ein eigentliches Post-Bashing in Mode sei. Teilen Sie ihre ­Ansicht?Ich kann nicht wegdiskutieren, dass die Post in den Zeitungen derzeit ein grosses Thema ist. Das zeigt mir, dass das Thema die Leute betrifft. Die Post ist eine Herzensangelegenheit. Kommt es bei der Post zu einer Veränderung, sind Emotionen im Spiel. Deshalb diskutieren wir dies an öffentlichen Veranstaltungen mit den Betroffenen. Mit ihnen wollen wir sprechen.

In den betroffenen Dörfern ­haben viele Postkunden Angst vor dieser Veränderung. Wie wollen sie dieser entgegen­wirken?Es haben lange nicht alle Leute Angst vor Neuerungen. Beispielsweise gehen Millionen von Kunden auf unsere Internetportale. Es ist nur ein Teil der Bevölkerung, welcher Angst hat. Ich nehme diese Leute aber ernst. Deshalb setzen wir auf den Dialog. Die Leute müssen wissen, wie die künftige Lösung aussieht. In Dörfern, wo wir die Poststelle in eine Agentur umgewandelt ­haben, sagen uns die meisten Kunden: Wir hätten nie gedacht, dass die neue Lösung so gut ist.

Offenbar wissen viele Kunden gar nicht, wie das Angebot in den Postagenturen aussieht. Haben Sie dies zu wenig gut kommuniziert?Ich glaube nicht. Ich glaube, wir müssen jetzt in den Regionen sehr gut kommunizieren, wo eine Veränderung ansteht. Dort haben die Kunden ein hohes Informationsbedürfnis.

Wie wollen Sie das tun?Dort, wo eine Umwandlung einer Poststelle ansteht, treten wir mit der Bevölkerung in einen Dialog. Wir zeigen ihr, wie die Dinge ablaufen werden. Und wie sie ihre Geschäfte am besten handhabt. Und wir beantworten natürlich auch Fragen.

Der Nationalrat hat vergangene Woche einem Vorstoss zugestimmt, der verlangt, dass die Post künftig alle ganzjährig bewohnten Häuser versorgt. Wie wollen Sie darauf reagieren?Heute sind es nur 0,07 Prozent der Haushalte, bei welchen der Briefträger die Post nicht täglich vorbeibringt. Da muss man eines ­sehen: Das sind zum Teil Höfe, die beispielsweise im Winter nur sehr schwer zugänglich sind.

Wenn Sie es in einer Prozentzahl ausdrücken, tönt es nach weniger. Aber es sind schweizweit immerhin 1130 Häuser, die nicht versorgt werden.Die Versorgung ist sichergestellt. Die Bewohner dieser Häuser müssen ihre Post bei einem Briefkasten an einer Kreuzung oder bei einer Postfachanlage abholen. Aber eines ist klar: Wenn das Parlament hier eine andere Lösung als die bisherige wünscht, werden wir das selbstverständlich umsetzen.

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