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Beim Rücktritt bekam Schmid Nasenbluten

Die Ankündigung seines Rücktritts nahm Samuel Schmid sichtlich mit. Wegen Nasenblutens musste er die Medienkonferenz unterbrechen.

Samuel Schmid: «Ich kriege einen Hund. Was will man mehr.»
Samuel Schmid: «Ich kriege einen Hund. Was will man mehr.»
Monika Flückiger

Er trete seiner Gesundheit, seiner Familie, seinem Land und der Armee zuliebe zurück, erklärte Bundesrat Samuel Schmid gestern morgen. Zwischen den Worten Gesundheit und Familie stockte er kurz, sichtlich bewegt und mit Tränen in den Augen.

Am Nachmittag musste er dann seine Medienkonferenz gar für zwanzig Minuten unterbrechen: Bevor der 61-Jährige auf die erste Journalistenfrage zu seinem Rücktritt antworten konnte, tropfte ihm das Blut aus der Nase und hinterliess rote Flecken auf dem weissen Hemd. Schmid musste den Saal verlassen, das Taschentuch ans Gesicht gepresst. Als er nach einer Pause frisch gekleidet zurückkam, scherzte er, die Farben passten nicht zusammen, man möge Stilfragen ausklammern.

Dem Druck nicht nachgeben

Schmid räumte vor den Medien erstmals ein, schon vor der Entfernung seiner Gallenblase an gesundheitlichen Problemen gelitten zu haben. Im Frühsommer habe er sich wegen Kreislaufbeschwerden kurz in Spitalbehandlung begeben müssen. Seit dem nehme er verschiedene Medikamente – unter anderem Blutverdünner. Erste Rücktrittsüberlegungen habe er denn auch schon im Sommer angestellt, nachdem der politische Druck auf ihn zugenommen hatte. «Zusammen mit politischen Weggefähren habe ich aber beschlossen, dass man dem nicht einfach so stattgeben darf.» Er habe dem Rüstungsprogramm 08 zum Erfolg verhelfen wollen.

Ehefrau Verena drängte ihn

Definitiv gefallen sei der Rücktrittsentscheid kurzfristig in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch – nachdem die Sicherheitskommission dem Rüstungsprogramm zugestimmt hatte. «Letztlich haben wir dies zu Hause entschieden», so Schmid. Kein Geheimnis ist, dass sich seine Frau Verena den Rücktritt seit Längerem wünschte. Sie habe mehr unter den öffentlichen Angriffen gelitten als er selber, heisst es.

Über die Anfeindungen gegen ihn und seine Familie wollte Schmid nicht sprechen. Er tönte aber an, dass dazu noch einiges an die Öffentlichkeit gelangen könnte. «Ich glaube durchaus, dass es Untersuchungen geben wird», sagte Schmid. Diese würden aber nicht von ihm aus kommen.

Ausführlicher liess Schmid – wenn auch in gewohnt zurückhaltender Art – seine Erfolge Revue passieren. Etwa die Fussball-Europameisterschaft oder die Anpassung der Sicherheitspolitik an die heutigen Bedürfnisse.

Seine Sicherheitspolitik ist umstritten, aber: «Wer ein derart tief in der Gesellschaft verwurzeltes System wie die Armee umkrempelt und gleichzeitig Hunderte von Millionen zu sparen hat, eckt an – selbst wenn der Souverän der Reform überdeutlich zugestimmt hat», sagte Schmid und räumte ein: «Man begeht auch Fehler.» Unklar ist, ob Schmid bis Ende Jahr einen neuen Armeechef präsentiert. «Das werde ich in den nächsten zwei Wochen entscheiden.»

Mit seinem Rücktritt wolle er nun zuerst dafür sorgen, «dass sich die Politik wieder mit den wirklichen sicherheitspolitischen Fragen auseinandersetzt». Keinerlei Verständnis zeigte Schmid für die Verknüpfung von Personal- und Sachpolitik. Er stehe zur Konkordanz, welche die Schweiz vorwärtsgebracht habe. «Aber diese ist seit einiger Zeit mehr als nur auf dem Prüfstand – nicht erst seit den letzten Bundesratswahlen.»

Gesundheit nicht vergessen

Nicht nur seine Kritiker, auch den Zuspruch aus der Bevölkerung erwähnte Schmid. In den letzten Wochen und Monaten habe er Hunderte von Zuschriften erhalten. «Damit hat man mir nicht nur die Sympathie bekundet, sondern auch gezeigt, dass politische Erpressung nichts zu suchen hat in diesem Land», betonte er.

Doch die warnenden Zeichen seitens der Gesundheit gelte es zu berücksichtigen. Nur zu oft gehe die eigene Gesundheit nämlich in der tagesaktuellen Hektik vergessen. Langweilig werde ihm auch nach seiner Zeit als Bundesrat nicht, so Schmid. Er habe «tausenderlei Interessen» – und bald auch wieder einen Hund, den ihm seine Frau zu seiner Pensionierung versprochen hat.

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