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Bürokratische Posse um Musiklehrerin

Eine Tessiner Lehrerin verfügt über ein eidgenössisch anerkanntes Diplom, das sie an der Musikhochschule Luzern erworben hat. Sie darf aber nicht in ihrem Heimatkanton unterrichten.

«Was muss eine Schweizerin tun, damit sie im Tessin arbeiten kann? In Italien studieren!» Mit diesem Sarkasmus kommentiert «Il Mattino», die Zeitung der Lega dei Ticinesi, die Geschichte um eine 28-jährige Querflötistin und Musiklehrerin aus dem Tessin, die trotz den notwendigen Diplomen in ihrem Heimatkanton nicht unterrichten darf. Anstelle der Tessinerin erhielt eine Musiklehrerin aus Italien die angestrebte Stelle an einem Gymnasium im Tessin, wie die «Neue Luzerner Zeitung» (NLZ) und die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) berichten (Artikel online nicht verfügbar).

Die Tessinerin hatte an der Musikhochschule Luzern den Master in Schulmusik II gemacht und an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz eine pädagogisch-didaktische Ausbildung absolviert. Sie wurde aber nicht einmal zur Bewerbung zugelassen, weil die Luzerner Masterdiplome noch nicht von der kantonalen Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) anerkannt sind. Und der Kanton Tessin verlangt – ohne Wenn und Aber – einen von der EDK anerkannten Abschluss. Die Ausbildung der Italienerin, die schliesslich den Job erhielt, erfüllte alle administrativen Vorgaben. Dank den bilateralen Verträgen genügen italienische Diplome den Ansprüchen der EDK.

Musik-Master noch nicht von EDK anerkannt

Was ist schiefgelaufen im Fall der 28-jährigen Tessinerin? Das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) hat zwar den Masterstudiengang der Musikhochschule Luzern im August 2010 genehmigt. Diese Studiengänge an den Schweizer Musikhochschulen sind allerdings noch nicht von der EDK anerkannt worden. Es sei die Aufgabe von Hochschulen und ihren Trägerschaften, eine solche Anerkennung einzuholen, heisst es bei der EDK, wie die NLZ berichtete.

Diese Bildungsbürokratie stösst auf Unverständnis und Kritik. Im Tessin fordert inzwischen eine überparteiliche Allianz, dass die Tessiner Erziehungsdirektion alle Lehrerdiplome von Schweizer Hochschulen ab sofort akzeptieren soll.

Nationalratsmitglieder intervenieren

Die Posse zulasten der 28-jährigen Musiklehrerin hat mittlerweile auch die Nationalräte Otto Ineichen (FDP, Luzern), Felix Müri (SVP, Luzern) und Kathy Riklin (CVP, Zürich) auf den Plan gerufen. Sie kritisieren die «harte Haltung» des Kantons Tessin und die «unverständliche Haltung» der EDK. Adressatin des Schreibens ist die Erziehungsdirektion des Kantons Tessins, eine Kopie erhalten das BBT und die EDK.

Dank eines juristischen Kniffs könnte die Tessiner Absolventin der Luzerner Musikhochschule doch noch zu einer Stelle in ihrem Heimatkanton kommen. Für eine Stellvertretung seien im Schuljahr 2011/12 noch 30 offene Musiklektionen zu vergeben, schreibt die «Neue Luzerner Zeitung». «Stellvertreter müssen nicht über EDK-abgesegnete Diplome verfügen.»

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