Das Feld lichtet sich

Karin Keller-Sutter bleibt nicht allein auf dem FDP-Ticket, und in der CVP richten sich alle Blicke in die Innerschweiz. Das sind die Chancen der Kandidaten.

Peter Hegglin (CVP, Zug), Viola Amherd (CVP, Wallis) und Karin Keller-Sutter (FDP, St. Gallen) haben derzeit alle noch gute Chancen, am 5. Dezember 2018 in den Bundesrat gewählt zu werden. (Bilder: Keystone)

Peter Hegglin (CVP, Zug), Viola Amherd (CVP, Wallis) und Karin Keller-Sutter (FDP, St. Gallen) haben derzeit alle noch gute Chancen, am 5. Dezember 2018 in den Bundesrat gewählt zu werden. (Bilder: Keystone)

Raphaela Birrer@raphaelabirrer

Zwei Männer haben heute wichtige Weichen für die bevorstehenden Bundesratswahlen gestellt. Der Nidwaldner Ständerat Hans Wicki will auf das FDP-Ticket. Damit ist klar: Es wird in der FDP nicht bei einer reinen Frauenkandidatur bleiben. Trotzdem schwächt das Kronfavoritin Karin Keller-Sutter nicht. Der Anspruch der FDP-Frauen ist bald 30 Jahre nach der letzten freisinnigen Bundesrätin unumstritten.

Zudem hat der Innerrhoder Nationalrat Daniel Fässler bei der CVP abgesagt. Damit ist klar: Bei den Christlichdemokraten wird es definitiv keine Ostschweizer Kandidatur geben. Das stärkt die St. Galler Ständerätin Keller-Sutter zusätzlich. Stattdessen rücken nun vorab Innerschweizer CVP-Kandidaten in den Fokus. Die Parteistammlande ist seit 15 Jahren nicht mehr im Bundesrat vertreten.

Das Ticket der FDP

In der FDP bleibt die Situation übersichtlich: Die Partei wird auf ein geschlechtergemischtes Zweier- oder Dreierticket aus der Ost- und der Innerschweiz setzen.

Neben Keller-Sutter und Wicki dürfte sich morgen der Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler dafür empfehlen. Die Chancen des Bildungsdirektors und ehemaligen Prorektors der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen sind zwar gering, fehlt es ihm doch an nationaler Bekanntheit und Vernetzung im Bundesparlament. Dasselbe Manko hatte Keller-Sutter bei ihrer erfolglosen Kandidatur vor acht Jahren. Amsler könnte jedoch für eine allfällige Ständeratskandidatur profitieren. Die Schaffhauser FDP hat ihren Sitz 2011 an den parteilosen Thomas Minder verloren.

Wicki hingegen hat neben seiner politischen Erfahrung als Gemeindepräsident von Hergiswil NW, Regierungs- und Ständerat auch Führungserfahrung in der Privatwirtschaft. Er leitete mehrere Gesellschaften des Pfisterer-Konzerns in der Schweiz und Südafrika. Trotzdem sind seine Chancen zweifach begrenzt: erstens wegen seines Geschlechts und zweitens wegen seiner Herkunft.

Das Ticket der CVP: Erster Platz

Die Zentralschweiz wird nämlich die CVP abdecken. Auf ihrem Zweier- oder Dreierticket dürfte neben der Innerschweiz auch das Wallis oder die Nordwestschweiz vertreten sein.

Mit dem Zuger Ständerat Peter Hegglin kandidiert bereits ein Zentralschweizer, morgen Donnerstag wird zudem der Obwaldner Erich Ettlin informieren, und noch bedeckt hält sich die Urner Regierungsrätin Heidi Z’Graggen. Die Justizdirektorin gilt als sehr interessiert am Bundesratsamt. Sie hat den Vorteil, dass die Parteileitung ein geschlechtergemischtes Ticket anstrebt. Doch national ist Z’Graggen kaum in Erscheinung getreten, im Bundesparlament ist sie nicht vernetzt.

Gewichtige Stimmen im Parlament bemängeln dies auch an Peter Hegglin. Als ehemaliger Finanzdirektor verfügt er zwar über Exekutiverfahrung, aber der einst schweizweit bekannte Präsident der Finanzdirektorenkonferenz ist in seinen drei Jahren im Ständerat «verblüffend blass» geblieben, wie es hinter vorgehaltener Hand heisst. Hegglin fehlt es nicht nur in der kleinen Kammer, sondern auch in der eigenen Partei an Einfluss. Sogar Parlamentarier, die ihn gut kennen, zeigen sich enttäuscht über den Bundesberner Leistungsausweis des Finanzexperten.

Trotzdem sind Hegglins Wahlchancen intakt: Gemäss NZZ-Ranking positioniert er sich ziemlich genau in der Mitte. Dass er sich selbst nun als «klassischer Mitte-rechts-Politiker» bezeichnet, zeigt, wo er sein Wählerpotenzial ortet. Tatsächlich dürfte Hegglin mit seiner politischen Vergangenheit vorab in der FDP und im einflussreichen Finanzflügel der SVP punkten. Als gelernter Bauer darf er zudem auf die parteiübergreifende Unterstützung der Bauernvertreter zählen.

Erich Ettlin hingegen hat sich in seinen drei Jahren im Ständerat mit fundierten Fachkenntnissen breiten Respekt verschafft; er gilt als Architekt der CVP-Kostenbremse-Initiative im Gesundheitsbereich, die am Samstag lanciert wird. Und er hat einen Gegenvorschlag zur Bankgeheimnis-Initiative von Thomas Matter gezimmert. Steuerexperte Ettlin hatte zuvor nur auf Gemeindeebene politisiert, doch sein Profil macht ihn für beide Ratsseiten wählbar: Ettlin selbst bezeichnet sich als exakt eingemittet; das NZZ-Parlamentarierrating verortet ihn leicht links der Mitte.

Das Ticket der CVP: Zweiter Platz

Für den zweiten Platz auf dem Ticket dürfte sich die Walliser Nationalrätin und Vizefraktionschefin Viola Amherd bewerben. Sie wird sich erst Ende Woche äussern. Die chancenreichste CVP-Frau hat als langjährige Stadtpräsidentin von Brig-Glis Exekutiverfahrung und ist im Parlament gut vernetzt. Amherd politisiert im linken Flügel ihrer Fraktion, weshalb sie neben den Frauen und den Berggebietsvertretern vorab auf der linken Ratsseite Stimmen holen würde. Ihre gesellschaftspolitisch liberale Einstellung schmälert hingegen ihre Wahlchancen rechts der Mitte – und im konservativen Flügel der eigenen Partei. In die Schlagzeilen geriet sie letzte Woche wegen eines Rechtsstreits um zu hoch verrechnete Mietzinsen. Amherd lässt den Fall zurzeit von der CVP-Prüfungskommission begutachten.

Die Baselbieter Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter wird morgen informieren. Für eine Kandidatur Schneider-Schneiters spräche neben dem Geschlecht auch die Region: Die Nordwestschweiz ist zurzeit ebenfalls nicht im Bundesrat vertreten. Und als Vertreterin des rechten CVP-Flügels wären ihre Chancen im bürgerlichen Lager intakt. Doch Schneider-Schneiter habe sich als Präsidentin der Aussenpolitischen Kommission mit ihrer Sitzungsführung nicht eben empfohlen für das höchste politische Amt, heisst es im Parlament hinter vorgehaltener Hand.

Die Region würde auch beim Solothurner Ständerat Pirmin Bischof stimmen. Dieser will sich noch nicht zu seinen Plänen äussern. Wer Bischof aber kennt, ist überzeugt: Der Mann will. Gerade diese lange gehegten Ambitionen dürften ihn Stimmen kosten. Politisch lässt sich der Anwalt gleich verorten wie Hegglin, wobei er den Akzent stärker auf die Wirtschaftspolitik legt. Bischof war Vizepräsident des Bankrats der Solothurner Kantonalbank, ehe diese in finanzielle Schwierigkeiten geriet.

Bleibt Gerhard Pfister: Der CVP-Präsident will zwar seine Partei in die nationalen Wahlen führen. Doch gerade im bürgerlichen Lager sähe man den Zuger gern im Bundesrat. Der ehemalige Schulleiter politisiert am rechten Rand seiner Fraktion, und es gibt nur wenige Parlamentarier, die ihm das Format für das höchste politische Amt absprechen. Viele sind von seinem Intellekt und seinen rhetorischen Fähigkeiten angetan. Und so darf der Name Pfister bis zum Schluss nicht abgeschrieben werden.

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