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Das heitere Kandidatenaufstellen bei der SVP

Vier Zürcher SVP-Kandidaten kämpfen direkt oder indirekt für einen Sitz im Bundesrat. Die SVP-Delegierten des Kanton Zürichs haben jedoch nur Christoph Blocher nominiert. Warum bloss?

Am Montag Abend bestimmten die SVP-Delegierten Christoph Blocher als einzigen Kandidaten für die Bundesratswahl. Die Corona der SVP sass im Saal – auch Nationalrat Bruno Zuppiger. Das Schwergewicht verzog keine Miene, als der Saal Christoph Blocher feierte. Einen Tag später wird nun bekannt, dass Bruno Zuppigers Heimbasis ihn ebenfalls für den Bundesrat vorschlägt.

Rita Fuhrer lässt sich von der SVP Frauen portieren, Bruno Zuppiger von seiner Bezirkspartei Hinwil. Ueli Maurer dürfte am 27. November von einem Fraktionskollegen vorgeschlagen werden. Damit wären vier Zürcher im Rennen – obschon der Vorstand der SVP Zürich sowie die Delegierten Christoph Blocher als einzigen Kandidaten nominiert haben. Noch nie mussten sich Parteileute derart verrenken, um ihre eigenen Ambitionen wahren zu können.

Nicht ohne Blochers Millionen

Das Vorgehen erinnert ein wenig an die Wahl von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard. Keiner der möglichen Kandidaten traute sich damals gegen die CVP-Partei-Ikone anzutreten. Die Angst, eine unterlegene Leuthard sei auch als Parteipräsidentin beschädigt, schreckte Leute wie Fraktionschef Urs Schwaller und Vizepräsident Bruno Frick ab. Bei der SVP dürfte ein weiterer Faktor eine wichtige Rolle spielen: Ohne die Millionen von Christoph Blocher kann die Partei keine publizistischen Feuerwerke zünden, wie sie dies in der Vergangenheit erfolgreich tat. Rührt daher die Zurückhaltung?

Anders bei der SVP ist aber auch, dass alle Kandidaten seit Wochen ständig wiederholen, Blocher sei der Fähigste unter ihnen, die direkte Konfrontation mit Blocher aber scheuen, um sich hintenherum dennoch als Kandidaten gegen ihn aufstellen zu lassen.

Gute Miene zum Kandidatenspiel

Fast ein Dutzend Kandidaturen sind inzwischen zum Teil auf verschlungenen Wegen zur Parteizentrale gelangt. Neben den vier Zürchern Blocher, Maurer, Zuppiger und Fuhrer sind darunter Leute wie Fraktionschef und Anwalt Caspar Baader, der Unternehmer Adrian Amstutz oder Landwirt Andreas Aebi, der Schaffhauser Hannes Germann oder sein Kantonskollege und Pilot Thomas Hurter und Stadtrat Erich J.Hess. Auch Auns-Präsident Pirmin Schwander ist Kandidat. Weiterhin rechnen muss man aber auch mit SVPlern wie Peter Spuhler (TG) und Hansruedi Wandfluh (BE), und auch Fuhrhalter Ulrich Giezendanner brachte sich zeitweise ins Spiel.

Parteipräsident Toni Brunner macht gute Miene zum Kandidatenaufmarsch. Die grosse Anzahl an Kandidaten überrasche ihn nicht. Man habe ja die Sektionen explizit aufgefordert, ihre Favoriten zu melden. «Wir wollten einmal schauen, was da alles an potenziellen Interessenten vorhanden ist.» Man werde Kandidaturen sichten und dann Empfehlungen abgeben. Die von den Kantonen abgestützten Kandidaturen hätten jedoch mehr Gewicht, sagt Brunner vorsorglich.

«Man kann mit Baader keinen Wahlkampf machen»

Egal wer von der SVP in den Bundesrat kommt, die Partei wird danach nicht mehr dieselbe sein. Das sagen wenigstens einzelne Experten wie der Berner Politologe Hans Hirter. «Man kann mit einem Baader als Bundesrat keinen Wahlkampf machen», sagt er. Auch die anderen Kandidaten haben für Hirter nicht das Charisma eines Blocher. Das weiss keiner besser als Christoph Blocher selbst. Gestern Abend am Albisguetli warnte er davor, den eingeschlagenen Pfad zu verlassen.

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