Das wars mit Olympia

Chefredaktor Peter Jost zum Olympia-Nein im Wallis.

Peter Jost@Peter_Jost

Die Schweiz und Olympia – das ist keine Liebesgeschichte. Wie Graubünden in den Jahren 2013 und 2017 sagte am Sonntag auch das Wallis deutlich Nein zu Olympiaplänen.

1948 war die Schweiz, eine der traditionsreichsten Wintersportnationen überhaupt, letztmals Austragungsort von Winterspielen. Nach dem jüngsten Ergebnis ist nicht zu erwarten, dass in nächster Zeit irgendjemand einen weiteren Anlauf nehmen wird, die Olympischen Spiele in die Schweiz zurück zu bringen.

Das Nein aus dem Wallis überrascht. Bei den letzten drei Volksabstimmungen hatten die Walliserinnen und Walliser zu Olympia-Projekten jeweils Ja gesagt. Und auch das Kantonsparlament hatte die aktuelle Vorlage im März überdeutlich angenommen. Warum jetzt also das klare Nein?

Der wohl wichtigste Grund: Den Olympia-Promotoren und der Walliser Regierung ist es nicht gelungen, in den letzten Monaten die Bevölkerung im ganzen Kanton von der Notwendigkeit des 100-Millionen-Kredits und den finanziellen Vorzügen von Olympischen Spielen im Wallis zu überzeugen. Während im Oberwallis die Argumentation mit den touristischen Impulsen verfing, wollten die Unterwalliser von Olympia nichts wissen.

Die weit verbreitete Skepsis gegenüber den grossen Sportverbänden wird dabei eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Skandale beim IOC und bei der Fifa – von Günstlingswirtschaft über Korruption bis hin zu Doping – dienen nicht dazu, Vertrauen in der Bevölkerung aufzubauen.

Gepaart mit einer allgemeinen Skepsis gegenüber Grossveranstaltungen und der Sorge um die Umwelt ergibt das einen toxischen Cocktail, der es selbst vernünftigen Projekten hierzulande schwer macht, die nötige Unterstützung zu finden.

Das ist schade. Die Walliser Kandidatur für Olympia 2026 hätte nämlich das Potenzial besessen, ein neues Zeitalter von Olympischen Spielen einzuläuten. Weitgehend basierend auf bestehender Infrastruktur stand Sion 2026 für kleinere, nachhaltigere Spiele im Wintersportland par excellence.

Welch erfreulicher Kontrapunkt wäre das gewesen zu den letzten beiden Austragungen von Olympischen Winterspielen: zu den gigantischen Putin-Gedenkspielen im subtropischen Sotschi oder zu jenen im südkoreanischen Pyeongchang, wo einige Wettkämpfe praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden hatten.

Es bleibt beim Konjunktiv. Im Wallis ist am Wochenende das Olympische Feuer erloschen, bevor es richtig zu brennen begonnen hat.

peter.jost@bernerzeitung.ch

Berner Zeitung

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