Der AHV drohen rote Zahlen bis 2045

Der Bund hat neue Berechnungen zu den Sozialversicherungen vorgelegt: Sie sind düster. Auch die vom Bundesrat angekündigten Reformen helfen wenig.

Ändert sich an der AHV nichts, so wachsen die Ausgaben von heute gut 44 Milliarden bis 2045 auf fast 84,4 Milliarden Franken. Foto: Keystone

Ändert sich an der AHV nichts, so wachsen die Ausgaben von heute gut 44 Milliarden bis 2045 auf fast 84,4 Milliarden Franken. Foto: Keystone

Dominik Feusi@@feusl

Der AHV stehen schwierige Zeiten bevor. Das Bundesamt für Sozialversicherungen veröffentlichte die neuesten Finanzperspektiven des Sozialwerks. Sie zeigen, dass die erste Säule der Altersvorsorge nach 2030 rasch in finanzielle Schieflage gerät. Dabei beruhen die Berechnungen auf optimistischen Annahmen zur Wirtschaftsentwicklung. Die Zahlen zeigen auch, dass die vom Bundesrat vorgeschlagene Reform nicht viel an den schlechten Aussichten ändert.

Die Situation sieht schon heute ungemütlich aus. Die AHV schrieb im vergangenen Jahr einen Verlust von mehr als 2 Milliarden Franken. Schuld daran war das schlechte Ergebnis der Anlagen des AHV-Ausgleichsfonds. Aber bereits das Umlageergebnis der AHV war gut eine Milliarde im Defizit, und das trotz Zustupf aus den Bundessteuern, die Mehrwertsteuer und der Spielbankenabgabe. Berechnet man die reine Umlage, also die Einnahmen aus den Lohnbeiträgen abzüglich der Ausgaben an Renten, fehlten 2018 mehr als 12 Milliarden Franken. Der Ausgleichsfonds enthält nach diesem Jahr schon weniger als eine Jahresausgabe der AHV, wie es das Gesetz eigentlich vorschreibt. Es schreibt allerdings nicht vor, was in diesem Fall zu geschehen hat.

Problem wird hinausgeschoben

Es ist längst bekannt: Die Überalterung der Bevölkerung führt zu immer höheren Aus- gaben. Bis 2035 werden die sogenannten Babyboomer pensioniert, und damit geburtenstarke Jahrgänge mit teilweise rund 50'000 Neurentnern pro Jahr. Und diese Generation lebt länger als jede vor ihr. Ändert sich an der AHV nichts, so wachsen die Ausgaben von heute gut 44 Milliarden bis 2045 auf fast 84,4 Milliarden Franken. Das Defizit würde gemäss den Zahlen des Bundes auf gut 25 Milliarden Franken anwachsen. Doch so weit würde es gar nicht kommen, denn schon im Jahr 2031 wäre der Ausgleichsfonds der AHV leer, die AHV bankrott.

Die Reform verschafft der AHV nur kurzfristig Luft, statt 2034 wäre sie fünf Jahre später bankrott.

Das im Mai verabschiedete Paket zur Finanzierung der AHV verbessert die Lage nur unwesentlich. Es erhöht die Lohnbeiträge und den Bundesbeitrag aus Steuergeldern. Aber bei den Ausgaben ändert sich nichts. Der AHV-Fonds ist mit diesen Massnahmen immerhin erst Ende 2034 statt bereits 2031 leer.

Einnahmenseitige Reform

Was ändert nun die letzte Woche angestossene Revision des Bundesrates (AHV21) an dieser Ausgangslage? Auch dazu hat das Bundesamt die Perspektiven bis ins Jahr 2045 vorgelegt. Die Ausgaben fallen mit 84,2 Milliarden nur unwesentlich geringer aus - trotz vorgeschlagener Angleichung des Rentenalters der Frauen an jenes der Männer. Der Grund: Das eingesparte Geld wird für Zuschläge und Rentenverbesserungen wieder ausgegeben.

Dafür soll die Mehrwertsteuer um 0,7 Prozentpunkte erhöht werden, und die Einnahmen sollen so bis 2045 um gut 3 Milliarden steigen. Das würde der AHV jedoch nur kurzfristig Luft verschaffen. Statt Ende 2025 würde die erste Säule erst Ende 2029 wieder in die roten Zahlen rutschen. Und der AHV-Fonds wäre statt 2034 erst Ende 2039 bankrott. Nimmt man 2045 als Massstab, so fällt das Defizit mit der bundesrätlichen Vorlage um 5,7 Milliarden Franken besser aus als mit den bis jetzt beschlossenen Massnahmen. Das Defizit würde 14,6 statt 20,3 Milliarden betragen. Die AHV21 des Bundesrates entspricht also nur rund 25 Prozent einer nachhaltigen Sicherung der AHV.

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