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«Der Berner Bundesrat ist müde»

Der ehemalige SP-Präsident und Hotelier Peter Bodenmann gibt Bundesrat Schneider-Amman die Schuld an der Misere des Tourismus und will seine Touren notfalls ins Ausland verlagern.

«Schneider-Ammann müsste dafür sorgen, dass die Preise der importierten Waren auf europäisches Niveau sinken»: Peter Bodenmann
«Schneider-Ammann müsste dafür sorgen, dass die Preise der importierten Waren auf europäisches Niveau sinken»: Peter Bodenmann

Sie versuchen fast aggressiver als Roger Köppel, den Nationalbankpräsidenten wegzuschreiben. Bricht Ihnen der teure Franken das Genick? Nein. Ich habe 300 Betten und mache mein Tour-Operating selber. Im Juli liegt die Auslastung des Hotels bei 93 Prozent. Für das nächste Jahr liegen 75'000 Buchungen vorab auch aus dem Euroraum vor.

Aber trotzdem scheinen Sie sich über den fehlenden Erfolg der Nationalbank, den Franken schwach zu halten, sehr zu ärgern. Die Nationalbank hat fünf Gotthard-Tunnels versenkt. Und statt nur Franken zu drucken Euros gekauft. Noch immer führt sie keine Negativzinsen für ausländische Anlagen ein. Der Tourismus leidet wie die Exportindustrie unter dem starken Schweizer Franken. Mit zwei zusätzlichen Nachteilen: Wir können die Produktion nicht auslagern, und wir können unsere Waren, unsere Lebensmittel nicht zu europäischen Marktpreisen einkaufen.

Das heisst also, Ihre Marge sinkt doch bedrohlich? Die Margen sinken sowohl in der Exportindustrie als auch im Tourismus. Auch weil diese beiden Branchen politisch keine wirksame Lobby haben. Zudem kann man Preiserhöhungen nur schrittweise durchsetzen.

Sie arbeiten mit Busunternehmen und Reisebüros zusammen. Die wollen einen günstigen Preis. Denen ist doch egal, wenn Sie für Fleisch und Butter das Doppelte bezahlen. Richtig. Wer verkaufen will, muss mit dem Kopf und dem Portemonnaie des Kunden denken und rechnen. Noch scheinen das nicht alle begriffen zu haben. Die meist staatlich kontrollierten Bahnen und Bergbahnen etwa sind noch zu wenig beweglich. Wenn sich dies nicht ändert, muss man als Touroperator halt mehr Bergbahn-Produkte aus dem nahen Italien oder Frankreich verkaufen. Stresa und Chamonix liegen glücklicherweise gleich vor der Haustüre von Brig.

Gleichzeitig kritisieren Sie Bundesrat Schneider-Ammann, der Schweizer ins Ausland zum Einkaufen schickt. Schneider-Ammann müsste dafür sorgen, dass die Preise der importierten Waren auf europäisches Niveau sinken. Die Schweizer Konsumenten und Unternehmen bezahlen mindestens 25 Milliarden zu viel. Es ist Aufgabe des zuständigen Bundesrates, dem Preisüberwacher und der Wettbewerbskommission kräftig einzuheizen. Den Schweizern zu empfehlen, im Ausland einzukaufen, ist das Eingeständnis der eigenen Unfähigkeit. Der Berner Bundesrat ist müde. Und das bevor er angefangen hat, zu reagieren und zu regieren.

In der Krise müssen die Unternehmer innovativ sein. Was tun Sie? Ich bin nächste Woche mit zwei Ständen an der grössten Busmesse Europas in Köln. Und hoffe, dass meine neuen Produkte mit selbst gemietetem Schokoladenzug und selbst gemietetem historischem Glacier-Express meine Kunden überzeugen. Die Testfahrten waren sehr erfolgreich.

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