Der «Mastermind» verlässt die SP-Zentrale

Marco Kistler, Kampagnenleiter und Erfinder der 1:12-Initiative, verlässt die SP – ausgerechnet vor dem Start ins Wahljahr.

Gilt als Erfinder der 1:12-Initiative: Marco Kistler. Bild: Keystone

Gilt als Erfinder der 1:12-Initiative: Marco Kistler. Bild: Keystone

Christoph Lenz@lenzchristoph

Vor zwei Wochen bezeichnete die «NZZ am Sonntag» Marco Kistler noch ehrfürchtig als «Mastermind im Hintergrund» der Sozialdemokraten. Jetzt zeigen Recherchen, dass der 34-jährige Glarner seine Stelle als Kampagnenleiter in der nationalen SP-Zentrale gekündigt hat. Dies bestätigen mehrere unabhängige Quellen. Und Kistler verlässt das Sekretariat der SP Schweiz nicht alleine. Auch zwei enge Mitarbeiter sollen ihren Job demnächst an den Nagel hängen. Weder Kistler noch die kontaktierten Mitarbeiter wollten sich gegenüber dieser Zeitung äussern.

Die genaue Ursache der Abgänge ist auch SP-intern nur einem kleinen Kreis bekannt. Wer sich umhört, vernimmt, dass es jeweils individuelle Gründe gegeben habe. Gut informierte Parteimitglieder sprechen aber auch von Meinungsverschiedenheiten zwischen den Angestellten und der Parteispitze überdie Schwerpunkte bei den Wahlen 2019. Die Differenzen seien nicht primär politischer Natur gewesen, sagt ein SP-Mitglied aus dem Umfeld des General-sekretariats. Vielmehr habe es unterschiedliche Vorstellungen über die Weiterentwicklung der sogenannten SP-Basiskampagne und die dafür notwendigen Ressourcen gegeben.

Für die SP Schweiz kommen die Abgänge zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Die Parteizentralen nehmen in diesen Monaten, ein Jahr vor den eidgenössischen Wahlen, zentrale Weichenstellungen vor. Zudem hinterlassen die Abgänge in der SP eine grosse Lücke: Marco Kistler, der als Erfinder der 1:12-Initiative gilt, war in den letzten Jahren massgeblich daran beteiligt, die Kampagnenorganisation der SP zu erneuern. Seit Anfang 2015 bindet die Partei ihre Mitglieder und Sympathisanten immer stärker in die Wahlkampagnen ein. Freiwillige machen etwa Hausbesuche oder Telefonanrufe und übernehmen so eine wichtige Funktion bei der Wählermobilisierung.

Die SP sei für die Wahlen 2019 gut aufgestellt

Dieser Wahlkampf nach US-Vorbild gilt als sehr erfolgreich. Dass die SP seit den eidgenössischen Wahlen 2015 in den kantonalen Parlamenten 18 Sitze zugelegt hat, wird auch auf diese Basismobilisierung zurückgeführt. Andere Parteien, etwa die SVP, liebäugeln damit, Teile dieses Konzeptes zu kopieren.

Allerdings ist die Umsetzung einer Freiwilligenkampagne sehr anspruchsvoll. Umso wichtiger wäre es, erfahrene Leute an den Schalthebeln zu haben. Michael Sorg, Co-Generalsekretär der SP, glaubt dennoch, dass negative Folgen vermieden werden können. Die SP sei für die Wahlen 2019 gut aufgestellt, sagt er.

Auch im Kanton Zürich, wo in fünf Monaten gewählt wird, ist man zuversichtlich, dass die Basiskampagne trotz Vakanzen in der nationalen Zentrale funktioniert. Die Abgänge seien zwar sehr bedauerlich, sagt Andreas Daurù, Co-Präsident der SP Kanton Zürich. Die kantonale Kampagnenorganisation sei aber erfahren und gefestigt, zudem habe die Parteizentrale signalisiert, dass man alles daran setze, die anstehenden Wechsel möglichst reibungslos zu bewältigen.

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