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Der Mensch Schmid: Irgendwie wie wir

Mit Samuel Schmid tritt ein Bundesrat zurück, dessen Art zwar polarisierte, aber dennoch perfekt zur Schweiz passte. Eine Würdigung Schmids jenseits aller Politik.

Der SVP-Grossrat aus Rüti bei Büren im Berner Seeland: Samuel Schmid 1992 in Bern.
Der SVP-Grossrat aus Rüti bei Büren im Berner Seeland: Samuel Schmid 1992 in Bern.
Keystone
Der Hundefreund: Samuel Schmid mit Lara auf einem Spaziergang in Rüti im Berner Seeland.
Der Hundefreund: Samuel Schmid mit Lara auf einem Spaziergang in Rüti im Berner Seeland.
Keystone
Roland Lütolf, Facharzt für Innere Medizin, orientiert über den Gesundheitszustand von Bundesrat Samuel Schmid, am Donnerstag, 6. November 2008 in Bern. Schmid musste akut ins Spital, wo ihm die Gallenblase entfernt wurde.
Roland Lütolf, Facharzt für Innere Medizin, orientiert über den Gesundheitszustand von Bundesrat Samuel Schmid, am Donnerstag, 6. November 2008 in Bern. Schmid musste akut ins Spital, wo ihm die Gallenblase entfernt wurde.
Keystone
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Politik mal beiseite: Samuel Schmid wird man als guten Bundesrat in Erinnerung behalten. Nicht wegen seiner Höhen und Tiefen als Verteidigungsminister. Sondern aufgrund seines Wesens. Samuel Schmid war ein Bundesrat, wie ihn die Schweiz verdient – sympathisch, authentisch, aber auch zurückhaltend und unaufgeregt.

Von den einen als langweilig und bieder verschrien, attestierten ihm andere Charme, Ausstrahlung und Witz. Schmid ist wohl alles zugleich – auf seine verhaltene Art und Weise.

Sein Hochdeutsch vom Berner Dialekt geprägt, sein Englisch und Französisch vom typischen Schweizer Akzent dominiert, verkörperte Schmid praktisch in jeder Hinsicht totale Swissness. Da war keine Exzentrik, keine Überheblichkeit, keine Arroganz, wie sie bei anderen Politikern im In- und Ausland festzustellen ist, sondern Bescheidenheit, Ruhe und Zurückhaltung in fast jeder Situation.

«Ich bin einer von euch»

Mit jedem Wort und jeder Bewegung gab Schmid der Schweiz zu verstehen: «Ich bin einer von euch». Zu Hause hat er einen kleinen, ungeheizten Swimmingpool. Seinen Bundesrats-Audi fuhr er oft selber. Und zu Mittag isst er lieber in der Quartierbeiz als im teuren Restaurant. Er war ein Bundesrat zum Anfassen: Bei einem Schiffs-Ausflug mit Jugend-und-Sport-Verantwortlichen schüttelt er allen 400 Anwesenden die Hand.

Doch – und auch das ist typisch schweizerisch – Schmid fehlte immer auch der gewisse «Pfupf», um richtig begeistern zu können. Seine Reden hielt er, als würde er eine Präsenzliste herunterlesen. Oder als würde er eine Gute-Nacht-Geschichte erzählen – obwohl sie feurig hätten sein sollen. Mit seiner stoischen, fast schüchternen Art weckte er in seinen politischen Krisenzeiten zuweilen sogar Beschützerinstinkte.

So durchschnittlich wie jeder andere

«Ich hoffe, in mir sei mehr, als es nach aussen scheint», sagte er in einem «Facts»-Interview zugeknöpft wie immer – Introversion pur. Meist waren ihm weder Emotionen noch Engagement anzusehen. Auch schien ihm Rummel um seine Person nie ganz recht: «Ich bin für die Leute da und nicht umgekehrt.»

Neben charismatischen Politikern wirkte der Bünzli-Bundesrat denn auch so unscheinbar wie deren Chauffeur. Und sogar in der Schweiz wurde er oft nicht erkannt, wenn er sich unangekündigt unters Volk mischte. «Ich bin nicht perfekt, ich bin so durchschnittlich wie andere Leute auch», sagte er von sich selbst.

Einverstanden. Aber Durchschnittlichkeit reicht eben noch nicht für eine wirklich grosse Polit-Karriere.

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