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Der Unternehmer muss Abschied nehmen

Der Ruf ins Bundeshaus kam Johann Schneider-Ammann ungelegen, sagte er zumindest. Die Wahl nahm er dennoch strahlend an. Sein Sohn wird ein florierendes Unternehmen übernehmen.

Ein vermögender Bundesrat: Johann Schneider-Ammann nach seiner Wahl.
Ein vermögender Bundesrat: Johann Schneider-Ammann nach seiner Wahl.
Keystone

Im vierten Wahlgang wurde aus dem Langenthaler Unternehmer Johann Schneider-Ammann der neue FDP-Bundesrat. Er entschied die Wahl mit 144 Stimmen. Der Ruf ins Bundeshaus war ihm eigentlich ungelegen gekommen, gestand er Anfang September der «Schweizer Illustrierten». «Ich brauche keinen neuen Job», sagte der Unternehmer da auf einem Waldspaziergang. «Ich habe alles erreicht im Leben.»

Mit Johann Schneider-Ammann zieht wieder ein Unternehmer in die Landesregierung ein, der als Werkplatz-Vertreter breite Sympathien geniesst. Als überzeugter Wirtschaftsliberaler punktet er im bürgerlichen Lager. Die Linke lobt sein soziales Gewissen.

Multimillionär im Bundesrat

Gemäss der «Bilanz»-Liste der 300 Reichsten der Schweiz soll sich das Vermögen des 58-jährigen Schneider-Ammann und seiner Familie auf 500 bis 600 Millionen Franken belaufen. Normalerweise liegen Menschen dieser Vermögenskategorie nicht allzu hoch in der Gunst der Linken. Nicht so Johann Schneider-Ammann. Seine Wahl wurde ihm Vorfeld auch von Gewerkschaftern begrüsst: «Ich wünsche ihm, dass er gewählt wird», sagte etwa Corrado Pardini, Geschäftsleitungsmitglied der Gewerkschaft UNIA.

Er finde es wichtig, dass jemand aus der Realwirtschaft in den Bundesrat einziehe. Schneider-Ammann wisse als Präsident des Dachverbandes der Schweizerischen Maschinen- Elektro- und Metallindustrie Swissmem, was Sozialpartnerschaft sei, findet Pardini, der mit ihm schon über den Gesamtarbeitsvertrag der MEM-Industrie verhandelte. Zudem sei der Vater zweier erwachsener Kinder nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch der Taten – das habe er etwa bei der Rettung der Bieler Firma Mikron 2003 gezeigt.

Schwiegervater setzte ihn als CEO ein

Für den Schweizer Werkplatz setzte sich der Unternehmer vorab aber in der Ammann Group ein. Während viele Firmen-Chefs in den letzten Jahrzehnten den Niedergang des Industrie-Standortes Schweiz prophezeiten und die Produktion ins Ausland verlagerten, glaubte Schneider-Ammann ans heimische Schaffen. Seit der Sohn eines Emmentaler Tierarztes Anfang der 80er-Jahre als ETH-Elektroingenieur ins Geschäft des Schwiegervaters Ulrich Ammann einstieg, hat er die Firma internationalisiert und vergrössert. Der Umsatz mit Asphalt- und Betonmischanlagen sowie diversen anderen Baumaschinen wurde mehr als vervierfacht und liegt heute bei über einer Milliarde.

Auf seiner Website zeigt sich der Absolvent eines MBA der französischen Elite-Kaderschmiede INSEAD besonders stolz darauf, dass er die 800 Arbeitsplätze in der Schweiz durch die Krise der 1990er-Jahre retten und danach gar auf etwa 1200 aufstocken konnte. Weltweit arbeiten heute 3000 Angestellte für die 1869 gegründete Familienfirma.

Überzeugter Wirtschaftsliberaler

Den Sympathien der Linken für den Patron zum Trotz, vertrat Schneider-Amman im Nationalrat seit 1999 in erster Linie wirtschaftsliberale Positionen. So sprach er sich dezidiert gegen jeglichen Ausbau der Sozialwerke aus und machte etwa gegen die Mutterschaftsversicherung Kampagne. In der Europapolitik hat er sich als Befürworter des bilateralen Wegs vehement für die Personenfreizügigkeit eingesetzt. Gleichzeitig lehnt er einen EU-Beitritt ab.

Da Schneider-Ammann schon vor der Krise überrissene Boni und Löhne kritisierte und während der Finanzkrise das Geschäftsgebaren der Banken anprangerte, verströmt der Economiesuisse-Vize heute die Aura eines bodenständigen und integren Wirtschaftsmanns. Die Kritik am Finanzplatz hat ihm in seiner Partei aber nicht nur Sympathien eingetragen. Vereinzelt wird ihm hinter vorgehaltener Hand zum Vorwurf gemacht, dass er es mit dieser Kritik zulasse, dass ein Keil zwischen Werk- und Finanzplatz getrieben werde.

Das Glück «erheiratet»?

Jetzt, wo er Bundesrat ist, muss er sich vom Unternehmen verabschieden. Er habe ein funktionierendes Team von Stellvertretern installiert. Sein Sohn Hans-Christian wird in eineinhalb Jahren die Leitung übernehmen. Zuvor wird er in Paris und Singapur einen MBA machen.

Schneider-Ammann sieht sich ab und zu mit dem Vorwurf konfrontiert, sich das unternehmerische Glück quasi erheiratet zu haben, indem er mit Katharina Ammann eine reiche Unternehmertochter geehelicht hat. Richtig ist aber wohl eher, dass er die Ammann-Gruppe während seiner Wirkungszeit erst zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Und diese Leistung ist der Grund für seinen Ruf als erfolgreicher Berner Unternehmer.

Wichtig sind ihm klassische Musik und lange Spaziergänge in der Natur. «Es sind diese Spaziergänge, die mir nicht abhanden kommen dürfen», sagte er vor der Wahl zur «Schweizer Illustrierten». «Solange ich mit den Hunden rausgehen kann, ist alles gut.»

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